Zischup-Umfrage

"Angespannt und orientierungslos"

Tina Reupke, Leni Trautwein, Klasse 8c, Goethe-Gymnasium

Von Tina Reupke, Leni Trautwein, Klasse 8c, Goethe-Gymnasium (Freiburg)

Do, 07. Februar 2019 um 16:03 Uhr

Schülertexte

Ende 2018 gab es in Freiburgs Innenstadt eine Gegendemo. Rund 200 Menschen demonstrierte gegen eine von der AfD organisierte Demo an. Zwei Schülerinnen des Goethe-Gymnasiums haben auf der Demo Leute befragt.

Am 29. Oktober 2018 fand in der Freiburger Innenstadt eine Gegendemo mit rund 2000 Teilnehmern gegen die von der AfD angemeldete Demo statt. Dabei wurde gegen die AfD demonstriert, da diese eine Gruppenvergewaltigung einer Frau, an der mutmaßlich sieben Syrer und ein Deutscher beteiligt waren, zur Hetze gegen Ausländer benutzt. Die Gegendemonstranten trafen sich abends am Bertoldsbrunnen, um ein Zeichen gegen Verallgemeinerung zu setzen und um zu zeigen, dass die AfD nicht die Mehrheit der Menschen vertritt.

Zu diesem Thema haben sich viele Fragen ergeben.
Eine 63-,42- und 13-Jährige, die alle an der Demo teilgenommen haben, beantworteten den beiden Zischup-Reporterinnen Tina Reupke und Leni Trautwein aus der Klasse 8c des Freiburger Goethe-Gymnasiums einige Fragen. Diese möchten anonym bleiben.

Zischup: Warum sind Sie zur Demo gegangen?
63-Jährige: Es ist wichtig, auf so eine Demo zu gehen und ein Zeichen zu setzen.
42-Jährige: Ich wollte zeigen, dass ich mich dagegen wehre, dass man eine solch schlimme Tat gegen Menschen, die Hilfe brauchen, benutzt.
13-Jährige: Ich fand es toll, zu wissen, dass man Mitglied einer guten Aktion ist und etwas Gutes tut.

Zischup: Wie haben Sie sich auf der Demo gefühlt?
63-Jährige: Ich habe mich gut gefühlt und hatte keine Angst, stand jedoch eher am Rand.
42-Jährige: Ich war sehr froh, dass so viele Menschen gekommen sind. Aber ich war mit zwei unterschiedlichen Gefühlen dort. Zum einen war ich geschockt von den Ereignissen und zum anderen waren dort viele Menschen mit unterschiedlichen Einstellungen. Doch die Hassparolen haben meine Einstellung nicht zum Ausdruck gebracht.
13-Jährige: Es war meine erste Demo und alles war neu für mich. Aber ich fand es toll, mitwirken zu können.

Zischup: Wie war die Atmosphäre auf der Demo?
63-Jährige: Leider gab es viele Hassparolen – wie zum Beispiel "Ganz Freiburg hasst die AfD" und zum Ende hin wurde es immer aggressiver.
42-Jährige: Alles war sehr angespannt, orientierungslos und kalt.
13-Jährige: Ich habe es mir sehr viel lauter vorgestellt, aber es war einfach eine tolle Atmosphäre.

Zischup: Wie sehen Sie die ganze Situation?
63-Jährige: Ich bin verängstigt und geschockt zugleich. Ich kann es verstehen, dass Frauen immer ängstlicher werden, aber es ist unmöglich und einfach zu viel, dass die AfD einen so schlimmen Vorfall gegen Ausländer benutzt.
42-Jährige: Es ist einfach nur schrecklich, dass die AfD eine solche Tat ausnutzt und wieder gegen Ausländer benutzt.

13-Jährige: Ich finde, man sollte unabhängig davon, wer es war, etwas dagegen tun.


Zischup:
Halten Sie immer mehr Abstand zu Ausländern?
63-Jährige: Nein, die Menschen sollten nicht nach ihrer Herkunft beurteilt werden.
42-Jährige: Nein, überhaupt nicht.
13-Jährige: Auf keinen Fall. Jeder Mensch ist anders. Das hat nichts mit der Herkunft zu tun.


Zischup:
Haben Sie jetzt Angst, spätabends alleine raus zu gehen?
63-Jährige: Ja schon, aber früher gab es auch viele Gewalttäter, darunter auch Deutsche. Doch dies wurde nie groß diskutiert. Doch wenn Ausländer eine Gewalttat begehen, wird dies gleich an die große Glocke gehangen. Ich fände es toll, wenn in den Schulen mehr über solche Themen diskutiert würde, auch damit Frauen sich vor solchen Situationen besser schützen können.
42-Jährige: Das kann ich leider nicht genau beantworten, da ich Erwachsen bin. Ich glaube, Jugendliche können das besser, aber ich merke, dass ich mich von den Medien etwas beeinflussen lasse und versuche mich, dagegen zu wehren.
13-Jährige: Ich fahre generell abends auf beleuchteten Straßen, wo auch mehr Menschen sind, aber trotzdem passe ich nach dem Vorfall noch besser auf.