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28. Mai 2010

Regional und nicht von hier?

Podiumsdiskussion der Kreis-Grünen: Regionale Lebensmittel halten nicht immer ihr Versprechen.

  1. Impression aus Waldkirch: Auf dem Wochenmarkt funktioniert regionale Vermarktung noch. Foto: bernd Fackler

  2. Dieter Schillinger, Eckhard Benner, Franz Ruetz, Stefan Engler und Wolfgang Lütker diskutierten miteinander. Foto: Christine Speckner

BLEIBACH. Ist in regionalen Produkten immer das drin, was auf dem Etikett steht? Leider nein. Jüngstes Beispiel ist die "Schwarzwälder Butter" der Breisgau-Milch, die gar nicht im Schwarzwald hergestellt wurde. Für den Verbraucher ärgerlich: Solange es kein Gesetz gibt, das den Begriff "Region" definiert, darf jeder damit werben. Die Kreis-Grünen debattierten das Thema jetzt in Bleibach.

Viele Anbieter werben mit regionalen Lebensmitteln, obwohl ihr Produkt gar nicht aus der Region kommt. "Bei einer Flasche Apfelsaft mit dem Zusatz ’hergestellt aus heimischen Früchten’ erwartet der Verbraucher aber, dass das Obst in der nahen Umgebung geerntet wurde", so Eckhard Benner von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bei der Podiumsrunde in der Sonne in Bleibach.

Wenn es Vermarktung dient, liegt der Bodensee im Schwarzwald

Weil es immer noch kein Gesetz gibt, das vorschreibt, was eigentlich mit Region gemeint ist, darf beispielsweise auch das Produkt "Faire Milch" mit dem Zusatz "aus Ihrer Region" werben. "Selbst wenn die Milch in Stuttgart verkauft und 380 Kilometer entfernt abgefüllt wurde", so Benner.

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"Was verstehen Sie denn unter 'Region'", fragte Moderator und Diplom-Agrarökonom Franz Ruetz in die Runde. Eine eindeutige Definition gibt es tatsächlich nicht. Ist es der Landkreis oder gar mehr? Gehört das Elsass noch dazu? Da kamen auch viele Besucher der gut besuchten Veranstaltung ins Grübeln.

Das Vertrauen des Verbrauchers in regionale Lebensmittel leidet unter dieser Unklarheit. Angeregt wurde eine Zertifizierung für Lebensmittel. Diese könnte regionale Grenzen festlegen. So etwas gebe es schon, hieß es aus dem Publikum. Mit der Marke "Echt Schwarzwald" gebe es verbindliche Richtlinien für die Herstellung und Produktion.

Eine rein private Zertifizierung ist aus Sicht der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kaum geeignet. "Wir setzen uns für ein staatliches Kontrollsystem ein", betonte Benner. Die Zustimmung der Bauern hätte er:"Wie schaffe ich es, dass meine regional produzierte Milch tatsächlich in eine regionale Verpackung kommt?", fragte einer mit Anspielung auf den Schwindel der Breisgau-Milch.

Bleibt die Selbstvermarktung, wie beispielsweise auf dem Bauernmarkt in Freiamt. Der Umsatz dort steige seit Jahren, meinte ein Landwirt. Der Verbraucher sei überzeugt von heimischer Qualität.

Weiterhin kritisch zu sein, war am Ende der Ratschlag von Stefan Engler vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV): "Beim Handykauf ist man schließlich bereit, sich vorab über Qualität zu informieren. Nur beim Produkt Fleisch schlägt man die Zeitung auf und kauft möglichst billig im Discounter." So sieht es auch Wolfgang Lütker von der Biogärtnerei Witt in Emmendingen. Sein Apell am Ende der Veranstaltung: "Es liegt am Verbraucher. Kauft regional."

Autor: Christine Speckner