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02. Februar 2017

Jobcenter

Regionales Bündnis in Lörrach hilft Langzeitarbeitslosen

Lebenshilfe und Berufstraining: Damit will das Jobcenter Lörrach langzeitarbeitslosen Menschen helfen, wieder ins Arbeitsleben zu finden.

  1. Manfred Grupp, Dirk Werner und Norbert Uttner (von links) bringen das Regionale Bündnis gegen Langzeitarbeitslosigkeit voran. Foto: Thomas Loisl Mink

LÖRRACH. Das Regionale Bündnis gegen Langzeitarbeitslosigkeit ist ein Erfolg. Durch eine sozialpädagogisch betreute und von aktivierenden Programmen begleitete Maßnahme gelingt es, fast 50 Prozent der Teilnehmer, die oft seit vielen Jahren arbeitslos sind, nachhaltig für eine Berufstätigkeit zu aktivieren. Bei anderen Maßnahmen für diese Zielgruppe sind es meist nur 20 Prozent. Gestern hat ein neues Programm für 25 Teilnehmer bei der Gesellschaft zur Förderung der beruflichen Bildung (bbv) begonnen.

"Die Maßnahme wendet sich an Personen mit Vermittlungshemmnissen, die zu einer wirtschaftlich verwertbaren Arbeit oft nicht in der Lage sind", erklärt Dirk Werner, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters. Die Menschen sind krank oder schon älter, haben keine berufliche Qualifikation oder unzureichende Deutschkenntnisse. Mehr als drei Viertel der Grundsicherungsempfänger weisen zwei solcher Hemmnisse auf, fast die Hälfte sogar drei oder mehr. Wenn sie abgebaut werden können, verbessern sich die Chancen auf Aufnahme einer Beschäftigung, die ein auskömmliches Leben ermöglicht.

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Auf der anderen Seite ist zu beobachten, dass die Anforderungen der Arbeitgeber an ihre Mitarbeiter steigen. Die reine Berufsqualifizierung reicht bei Langzeitarbeitslosen aber oft nicht aus, weil Schlüsselqualifikationen fehlen, stellt Werner fest. Da mangelt es an Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen, an Teamfähigkeit oder Frustrationstoleranz. "Wenn jemand ein oder zwei Jahre nicht gearbeitet hat, sinkt die Belastungsfähigkeit und die Leute trauen sich nichts mehr zu", erzählt Werner. Um die Lücke zwischen den Anforderungsprofilen und den individuellen Fähigkeiten zu schließen, müssen verschiedene Fördermaßnahmen ineinander greifen.

Der Trägerverbund ABBQ (Ausbildung, Berufshilfe, Beschäftigung, Qualifizierung) startete am Mittwoch mit einer neuen Maßnahme, die Kenntnisse in verschiedenen Berufszweigen vermittelt, und zwar in den Bereichen Metall, Elektro, Hauswirtschaft, Maler, Gartenbau, Baugewerbe, Holz, Upcycling, Verkauf und Transport. Das geschieht bei den Trägern des ABBQ, der gemeinnützigen Gesellschaft "Arbeit für alle" in Weil am Rhein, der Jugendwerkstatt Weil am Rhein, beim PVD Lörrach, dem SAK Land & Bau und der bbv Akademie.

An vier Tagen der Woche arbeiten die Teilnehmer dort in der Regel acht Stunden pro Tag. Freitags nehmen sie an dem Schulungsprogramm "Aktiv A" teil, wo es unter anderem um Aktivierung geht, darum, wie man sein Leben meistert und Eigenverantwortung dafür übernimmt, sich gesund ernährt oder ohne große Kosten Sport treibt, Beziehungen pflegt und seinen Platz in der Gesellschaft findet. In den Betrieben werden die Teilnehmer von Sozialpädagogen betreut. "Das ist eine aktive Lebensbegleitung, verbunden mit Arbeitstraining, und innerhalb eines halben Jahres verändern die Teilnehmer Schritt für Schritt ihr Leben und die eigene Wahrnehmung", stellt bbv-Geschäftsführer Norbert Uttner fest. Fünf Monate dauert diese Phase, danach schließen sich dreimonatige Praktika bei regulären Betrieben an, woraus sich nicht selten längerfristige Arbeitsverhältnisse ergeben.

Entwickelt wurde das Programm "Aktiv A" an der Technischen Universität Dresden, Dirk Werner hat es entdeckt und in den Landkreis Lörrach geholt. Die Akteure sind in Dresden und durch Mitarbeiter der Technischen Universität Dresden in Lörrach geschult worden. "Viele Teilnehmer haben anfangs eine Abwehrhaltung, aber nach vier Wochen bedanken sie sich", berichtet Manfred Grupp von "Arbeit für alle". Auch Dirk Werner hat beobachtet, dass sich nicht nur die Zufriedenheit, sondern auch die Gesundheit der Teilnehmer im Laufe der Maßnahme verbessert. Denn viele Krankheiten sind psychosomatisch und entspringen einer ungünstigen Lebenssituation.

40 Prozent der Arbeitslosen, die das Jobcenter betreut, sind Langzeitarbeitslose, das heißt, länger als ein Jahr ohne Arbeit. Von diesen sind 60 Prozent länger als zwei Jahre und fast 42 Prozent länger als vier Jahre arbeitslos. Diese Menschen haben oft weniger Sozialkontakte, viele ziehen sich zurück und viele verlieren ihr Selbstwertgefühl.

Finanziert wird die ganze Maßnahme je zur Hälfte durch das Jobcenter Landkreis Lörrach und den Europäischen Sozialfonds, und sie trifft auf einen breiten Konsens im Landkreis. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurden bei 213 Langzeitarbeitslosen Profilings im Hinblick auf diese Maßnahme gemacht, 110 Personen haben daraufhin teilgenommen. Bei 27 Personen wurde eine direkte Arbeitswirkung erzielt, weitere 21 konnten über ein betriebliches Praktikum Erfahrungen sammeln.

Autor: Thomas Loisl Mink