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19. August 2017

Wandern

Unterwegs auf einem neuen Fernwanderweg in der Steiermark

Der neue Fernwanderweg „Vom Gletscher zum Wein“ soll Wanderer in die Steiermark locken. 548 Kilometer auf der Nordroute oder 382 Kilometer, wenn einem die südliche Kurzversion genügt.

  1. Einsamer Ausblick: Sonnenuntergang auf dem Windberg gleich oberhalb der Schneealm Foto: dpa

Aus der Bergstation auf dem Dachstein stapfen Senioren mit Wanderstöcken auf die Panoramaplattform, Kinder im Selfie-Autopilot schwirren umher. Also nichts wie weiter – auf den neuen Fernwanderweg "Vom Gletscher zum Wein": 548 Kilometer auf der Nordroute durch die Steiermark. Oder 382 Kilometer, wenn einem die südliche Kurzversion genügt.

Ein paar Minuten von der Bergstation entfernt hören wir nur das Rauschen des türkisfarbenen Schmelzwassers in winzigen Bächen. "Na, da kommen ned viele", sagt Günter Perhab. Zu wenige wandern nach seinem Geschmack bisher den neuen Weg. Perhab, 54, ist der Wirt des Guttenberghauses, in dem viele Fernwanderer einkehren. Fünf bis zehn Wanderer auf der Gletscher-Wein-Route kämen pro Monat, sagt Perhab. Nichts im Vergleich zum Dachstein-Rundweg. Doch den neuen Weg gibt es erst die zweite Saison.

Egoistische Wanderer finden die Anlaufprobleme weniger schlimm. Der Weg ist einsam am nächsten Morgen, obwohl er durch ein Alpenbilderbuch führt. Teppiche von Almrausch blühen rosa zwischen Latschenkiefern und bleichem Kalkstein, dazu leuchten so viele bunte Blumen, dass selbst Gerhard Resch nicht all ihre Namen weiß. Normalerweise wandert das steirische Sean-Penn-Double dort nie mit Kunden. "Wozu soll man einen Bergführer brauchen?", fragt der 53-Jährige. Tatsächlich ist die einzige Herausforderung, dass man beim Schauen nicht über eine Wurzel stolpert. Und Kondition sollte man freilich mitbringen auf dem Weg zum Stoderzinken.

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Resch marschiert über das Hochplateau, das passenderweise "Am Stein" heißt: ein Hügelland aus rissigem Karst. Schatten gibt es nur unter den vereinzelten Zirben, die die nahende Waldgrenze ankündigen. Oder in einer Almhütte. Am besten bei Bodo Hell.

Der Teilzeitsenner ist eine lokale Bekanntheit. Als Resch anklopft, sitzt er in seiner spartanischen Hütte und macht Ziegenkäse. Die militärgrüne Bundhose hat er über den Bauch gezogen, dazu trägt er Karohemd, Kniestrümpfe und Mütze. Begeistert erzählt Hell von seinen Ziegen, für die Züchter von weither anreisen. Und von seinen täglichen Wanderungen, sieben Stunden, auf denen er über die hundert Kühe und die Handvoll Pferde auf der riesigen Alm wacht.

Es erfordert starken Willen, sich von Bodo Hell und seiner Alm loszureißen. Aber es lohnt sich. Denn es kommt noch das ungemein fotogene Friedenskircherl am Stoderzinken. Die folgenden Tage geht es bildhübsch weiter: Über das Seenplateau der Tauplitzalm, durch die Wörschachklamm und entlang der Enns zum Stift Admont, durch den Nationalpark Gesäuse mit seinen wilden Bergen, zu den Bergwerken bei Eisenerz und hinauf auf den Hochschwab, weiter und weiter.

"Aber natürlich werden die Wenigsten den ganzen Weg gehen", sagt Hannes Nothnagl. Der 47-Jährige hat die acht Etappen durch die Hochsteiermark mit entworfen. Neue Wege wurden dafür nicht angelegt, es ging vielmehr darum, bestehende Pfade auf möglichst schöne und sinnvolle Weise zu verbinden. Auf der Etappe nach Leutschach durch die Südsteiermark gibt es auf jedem der steilen Hügelchen ein Weingut, und fast jedes hat Gästezimmer.

Wer Chardonnay, Muskateller oder den ausgezeichneten Sauvignon Blanc vom Pößnitzberg kosten möchte, sollte das dringend in die lauen Abendstunden verschieben. Und vielleicht auf den letzten Tag der Tour.

Auskunft: Steiermark Tourismus,

St. Peter Hauptstraße 243, 8042 Graz,

Österreich, Tel. 0043/316/40030, E-Mail: info@steiermark.com, http://www.steiermark.com

Autor: Florian Sanktjohanser (dpa)