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20. April 2012

Verrückte Hotels in Berlin: Schlafen im Sarg oder im Gefängnis

Verrückte Hotels in Berlin: Mit ungewöhnlichen, skurrilen und witzigen Ideen locken Hoteliers Besucher an.

  1. Mach’ mir den Löwen, Schatz! Im Käfig nächtigen, das geht im Propeller Island. Foto: dpa

  2. Ostalgisch: Walter Ulbricht grüßt von der Wand im Ostel. Foto: dpa-tmn

  3. Nichts für Nichtschwimmer: das Eastern Comfort Foto: dpa-tmn

  4. Immer trocken: der Hüttenpalast Foto: dpa-tmn

  5. Beklemmend: Das andere Haus VIII Foto: dpa-tmn

  6.        Für Eigenheimer: Scube Park Foto: http://scube-parks.de

Schlafen im Sarg, übernachten im Freibad, aufwachen im Ex-DDR-Gefängnis: Für Hotel-Liebhaber gibt es in Berlin viele ausgefallene Unterkünfte zu entdecken. Bei manchen ist sogar eine Geschichtsstunde inbegriffen (siehe auch: Neun ungewöhnliche Hotels) .

In Berlin gibt es etwa 10 bis 15 solcher Hotels, die völlig aus dem Rahmen fallen, schätzt Christian Tänzler von der Tourismusgesellschaft Visit Berlin. "Die witzigsten davon sind in den vergangenen zwei, drei Jahren entstanden", sagt er. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe: "Berlin ist der härteste Hotelmarkt der Welt, wer da eine Nische entdeckt, hat sicherlich bessere Überlebenschancen", erklärt Tänzler. Viele Touristen kämen mit der Erwartungshaltung, dass Berlin eine ungewöhnliche, kreative, etwas wilde Stadt sei – hier setzten Hotels wie das Propeller Island an.



Zimmer mit Gebrauchsanweisung

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Wer in der Propeller Island City Lodge eincheckt, bekommt eine Bedienungsanleitung für sein Zimmer in die Hand gedrückt. In dem bewohnbaren Kunstwerk, das nahe am berühmten Kurfürstendamm liegt, gleicht kein Raum dem anderen: Ein Zimmer ist vollständig verspiegelt, in einem anderen stehen zwei Löwenkäfige auf anderthalb Meter hohen Stelzen. Manche Gäste übernachten in den Särgen der Gruft, während sich andere für das Upside-Down-Zimmer entscheiden, in dem das Bett kopfüber von der Decke hängt. Sogar eine Gefängniszelle können Besucher buchen – die Toilette steht direkt im Zimmer.




Schlafen unter den Augen Honeckers

Zu den schrägsten Unterkünften gehört das Ostel. Das Hotel befindet sich in einem DDR-Plattenbau am Ostbahnhof – und schickt seine Gäste auf eine Zeitreise ins Ost-Berlin der 1970er und 1980er Jahre. Das Logo des Hotels ist politisch unkorrekt dem des sozialistischen Jugendverbands Freie Deutsche Jugend (FDJ) nachempfunden. Ausgestattet ist das Hotel mit originalen DDR-Möbeln wie der Schrankwand Karat und dem Multifunktionstisch. Die Gäste können zwischen einem Bett im Pionierlager oder einer DDR-Ferienwohnung wählen, an den Wänden hängen Bilder der Ex-DDR-Staatschefs Erich Honecker und Walter Ulbricht.





GefängnisZellen als Gästezimmer

Während sich das Ostel mit der Design-Geschichte der DDR beschäftigt, setzt sich ein weiteres Hotel ernsthaft mit der dunklen Seite der DDR auseinander. Das andere Haus VIII ist ein roter Backsteinbau, der früher als Krankenstation des DDR-Gefängnisses Rummelsburg diente. Einst wurde jede Zelle abgehört und war mit einer schweren Eisentür verriegelt. Für erschwerte Haftbedingungen existierte eine Dunkelzelle.

Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 wurden hier kurzfristig führende SED-Politiker wie Erich Honecker und Erich Mielke untergebracht. Heute kommen die Menschen freiwillig und übernachten in den Zellen des einstigen Gefängnisses. Im Keller gibt es einen "Raum der Stille", der die Geschichte des Hauses würdigt.





Schaukeln auf der Spree

An einem historischen Ort liegt auch das Hotelboot Eastern Comfort vor Anker. Von Deck aus kann man die Oberbaumbrücke sehen, die einst als Grenzübergang zwischen den Bezirken Friedrichshain und Kreuzberg diente. Nur ein paar Meter entfernt befindet sich zudem die international bekannte East Side Gallery.

Durch die Bullaugen hören die Gäste die Spree plätschern. Wer nur über ein kleines Budget verfügt, bringt seinen eigenen Schlafsack mit und übernachtet auf dem Schiffsdeck. Das Boot-Hotel hat keinen eigenen Antrieb, Nichtschwimmer, Haustiere und Kinder unter sechs Jahren dürfen aus Sicherheitsgründen nicht an Bord.





Übernachten im Freibad

Wer lieber in einem Freibad als auf der Spree übernachten will, sollte sich den Scube Park genauer ansehen: Er wurde unlängst im Columbiabad Neukölln neu eröffnet und besteht aus 40 Holzwürfeln. Diese stehen auf der 2000 Quadratmeter großen Liegefläche und sollen das ganze Jahr über bewohnbar sein. Bis zu vier Personen können in einem Würfel Platz finden. Nachts dürfen die Gäste allerdings nicht ins Schwimmbecken eintauchen – das wäre ohne Bademeister und Beleuchtung zu gefährlich.





Campen für Weicheier

Im Hotel Hüttenpalast muss sich niemand vor Krabbeltieren oder Frost fürchten: Stadtneurotiker können in der Produktionshalle einer ehemaligen Staubsaugerfabrik campen. Auf 200 Quadratmetern stehen für die Gäste Holzhäuschen und Campingwagen bereit, die aus den 1950er, 1960er und 1970er Jahren stammen und liebevoll renoviert wurden. Vor den Wagen sind jeweils ein Tisch und zwei Stühle aufgebaut, selbst im Winter kann man "draußen" auf der Hollywoodschaukel sitzen. Der Hüttenpalast soll das urdeutsche Schrebergartenglück parodieren – und das mitten im harten Kiez Neukölln.

Autor: Merle Schmalenbach (dpa)