Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. Februar 2009

Reise an die Grenze der Persönlichkeit

Zum ersten Mal konnten Zuschauer mit einem Filmregisseur im Müllheimer Kino diskutieren.

  1. Atemberaubende Bilder vom Gleitschirmfliegen und eindringliche Porträts von zwei Frauen, für die das Fliegen zur persönlichen "Reise an den Horizont" wird, zeigt der gleichnamige Dokumentarfilm von Thomas Latzel (rechts). Michael Karge (links) zeigte den Film jüngst im Kino in Müllheim im Rahmen eines Themenabends mit anschließendem Filmgespräch mit dem Regisseur. Foto: Martina Faller

MÜLLHEIM. Der Film selbst hatte zwar schon im vergangenen Herbst seine Erstaufführung, eine Premiere gab es am Dienstagabend im Kino in Müllheim dennoch zu feiern. Denn erstmals konnte Kinobetreiber Michael Karg zur Vorführung eines Films auch dessen Regisseur in seinem Kino begrüßen. Mitgebracht hat Thomas Latzel einen Dokumentarfilm über das Gleitschirmfliegen, seiner ersten Dokumentation in Spielfilmlänge.

Dass der Film "Reise zum Horizont" bei nur zwanzig Kopien im Eigenverleih ausgerechnet in Müllheim gezeigt wird, ist der Anregung der Gleitschirmflieger vom Hochblauen zu verdanken.Dass der Kinosaal dann auch noch gut gefüllt war, konnte sich der Regisseur nur so erklären: "Müllheim hat entweder ein tolles Kinopublikum oder einen tollen Kinobetreiber, oder vermutlich sogar beides ". Für Werbung   war, so Latzel, im Budget der 250 000 Euro-Produktion kein großer Posten vorgesehen. Stattdessen ging er mit seinem Film auf Tournee, um selbst die Werbetrommel zu rühren.

Inzwischen hat sich der Film einen Namen gemacht und das ist kein Wunder, raubt er doch mit grandiosen Bildern vom Gleitschirmfliegen in spektakulären Landschaften den Atem und berührt zutiefst mit der in einfühlsamen  Bildern und ruhigen Einstellungen erzählten Geschichte der beiden Protagonistinnen. Sie zu entdecken war für Latzel ein Glücksfall. Für Anträge auf Filmförderung war da keine Zeit mehr. Und da es für laufende Projekte keine Förderung gibt, musste er die Finanzierung selbst regeln.

Werbung


Eine Weltmeisterin und eine 69-Jährige, die abheben will

Die beiden Protagonistinnen könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Da ist Ewa Wisnierska, die in Polen aufgewachsene Profi-Fliegerin, die eine kurze und steile Karriere an die Weltspitze gebracht hat und  deren Leben nun geprägt ist vom Unterwegs-Sein zu Wettkämpfen rund um die Welt. Die Europameisterschaft in den französischen Alpen, der Weltcup in Brasilien und die Weltmeisterschaft in Australien sind Stationen der filmischen Reise, wie der Übungshang, an dem die 69 Jahre alte Flugschülerin Dörte Schwarz ihren Traum vom Fliegen verwirklichen will. Ihr Leben lang war sie durch Familie, Beruf und ihren behinderten Ehepartner gebunden, "erdhaft", wie sie im Film sagt. Jetzt aber will sie "abheben".

Doch der Weg zum Pilotenschein ist mühsam. Das Warten auf gute Wetterbedingungen stellt ihre Geduld auf harte Proben und die Schwierigkeiten beim Landen bringen die ehrgeizige Dame an ihre Grenzen. Und auf einmal merkt man, dass sich die beiden Frauen doch sehr ähnlich sind. Denn auch Ewa wird durch ihren Ehrgeiz auf dramatische Weise mit ihren Grenzen konfrontiert. Ein vom Blitz nur 500 Meter von ihr entfernt getöteter Pilot verändert ihr Leben. Und auch Dörte sieht in den Schwierigkeiten mit dem Landen Positives: "Mein Glück liegt nicht darin, esoterisch abzuheben, sondern wieder auf die Erde, mehr in meinen Körper zu kommen", erkennt sie. 

So wird das Fliegen für die beiden Pilotinnen zu einer inneren Reise an die Grenzen ihrer Persönlichkeit – eine Erfahrung, die Regisseur Thomas Latzel,  selbst Gleitschirmflieger, "noch nie so intensiv gemacht hat, wie beim Fliegen".

Autor: Martina Faller