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10. Juli 2012 00:48 Uhr

Olympische Spiele in London

Deutsche Reiter fahren optimistisch zu Olympia

Nach drei Ausfällen in sechs Tagen rückt Olympia-Ersatzreiterin Meredith Michaels-Beerbaum in den Blickpunkt. London hatte sie nicht eingeplant.

  1. Meredith Michaels-Beerbaum Foto: dapd

Am Ende rauchten in Aachen noch einmal die Köpfe. Ein Ersatzreiter für das Olympische Turnier der Springreiter musste her, und nach all den Ausfällen der vergangenen Woche fiel die Auswahl dann recht schwer. Es wurde schließlich Meredith Michaels-Beerbaum, die sich schon direkt nach ihrem dritten Platz im Großen Preis von Aachen begeistert von Olympia gezeigt hatte. "Man sieht ja gar nicht, wie wichtig der fünfte Reiter im Team ist. Aber der ist ganz wichtig und kann die anderen in allen Bereichen unterstützen", sagte die 48-Jährige.

Dass sie mit der erst neunjährigen Bella Donna überhaupt noch eine Olympiachance erhält, war bei all ihren Verdiensten aber dann doch dem Pech der anderen geschuldet. Carsten-Otto Nagel, Ludger Beerbaum, Marco Kutscher – nacheinander waren Bundestrainer Otto Becker in Aachen die London-Kandidaten abhanden gekommen. Und so wird Olympia mit Marcus Ehning, Christian Ahlmann sowie den Olympia-Neulingen Janne-Friederike Meyer und Philipp Weishaupt eine Reise ins Ungewisse. Der Eimeldinger Hans-Dieter Dreher war – trotz guter Resultate zuletzt – nicht mit einem Ticket bedacht worden.

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"Auf dem Papier sieht es gut aus", sagt Otto Becker seit Monaten, aber es standen dort eben auch viele Fragezeichen. Das Medaillen-Abo von einst scheint vor London ausgelaufen. Nur wenn wirklich alles perfekt zusammenpasst, sind Medaillen oder gar der Olympiasieg diesmal drin. Der zweite Platz im Nationenpreis von Aachen war immerhin noch mal etwas für das Selbstvertrauen, auch wenn Philipp Weishaupt mit Monte Bellini zum Beispiel gar nicht dabei war. Erst der Totalausfall von Kutschers Pferd Cornet Obolensky, der zuvor die Nase vorne hatte, brachte Weishaupt wieder ins Spiel.

Ein eher zufälliges Team also, das die deutschen Springreiter nach London bringen. Dass solche Zufälle aber auch Gold wert sein können, hoffen sie im Dressurlager klammheimlich. Dort wird nach dem Ausfall von "Wunderpferd" Totilas und dessen erkranktem Reiter Matthias Rath ein reines Frauen-Team für Deutschland an den Start gehen. Bundestrainer Jonny Hilberath nennt Helen Langehanenberg, Kristina Sprehe, Nachrückerin Dorothee Schneider sowie Einzelreiterin Anabel Balkenhol liebevoll "die Mädchen".

Und tatsächlich war die Stimmung im Team in Aachen prächtig, nachdem Sprehe (Grand Prix und Special) und Langehanenberg (Kür) alle wichtigen Prüfungen gewonnen hatten. Nur waren die Olympiafavoriten aus Großbritannien gar nicht erst am Start und die Niederlande schickten die zweite Garde. Wird Totilas den seit 1976 auf Gold gebuchten Dressurreitern also nicht doch in London fehlen? "Wir lassen uns von der Diskussion nicht irritieren, man weiß ja nicht, wie es mit Totilas gewesen wäre", sagt Langehanenberg. Vor allem die 30-Jährige auf Damon Hill und Sprehe mit Desperados stehen für einen klassischen, schönen Reitstil und heimsen dafür nicht nur Punkte, sondern immer wieder auch viel Lob in der Szene ein. Über die umstrittene Rollkur, Teil des Trainingsprogramms von Totilas, wurde in Aachen dagegen nicht geredet.

Autor: dpa