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19. Juni 2017

Ein Parcourschef, der die Reiter fordert, aber gut aussehen lässt

Der international renommierte Peter Schumacher schätzt die Lage der Waldreitanlage in Ichenheim sowie die besonders guten Bodenverhältnisse.

  1. Peter Schumacher legt selbst Hand an. Foto: Bettina Schaller

REITEN. Selektiv und sportlich muss er sein. Zudem so angelegt, dass er über die Pferde aufbaut und steigert. Außerdem muss auf dem Platz eine gute Linie gefunden werden. Wenn all diese Vorgaben perfekt aufeinander abgestimmt sind, dann ist Peter Schumacher zufrieden mit dem Percours. Der Koblenzer ist Parcourschef bei den Ichenheim Classics.

Schumacher hat sich schon im Voraus Gedanken über den Parcoursbau der wichtigsten Prüfungen für den Großen Preis, das Qualifikationsspringen für das BW-Bank-Hallenchampionat in Stuttgart gemacht und für das Bundeschampionat gemacht. Er kennt die Springreiterelite von Baden-Württemberg, ist auch regelmäßig Parcourschef bei den Baden Classics in Offenburg und beim CHI in Donaueschingen. "Die Springreiter in Baden-Württemberg haben einen hohen Leistungsstandard ähnlich denen in Westfalen und Weser-Ems, sehr beachtlich", sagt Schumann.

Bei den Ichenheim Classics ist er bereits zum vierten Mal und "kennt das Material". Er weiß, welche Stangen, Planken und Ständer er in welchen Farben und Mengen er zur Verfügung hat. "Die BW-Mauer gehört im S-Springen auf jeden Fall dazu. Den Wassergraben bringe ich erst zum Großen Preis am Sonntag", sagt er und verweist darauf, dass das Qualifikationsspringen für das BW-Bank-Hallenchampionat in Stuttgart nur eine Matte als Andeutung für einen Wassergraben brauche.

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Schumacher ist der Chef im Ring, aber ohne seine Assistenten läuft nichts. In Ichenheim hat er mit Markus Roll, Werner Rode und Konrad Schindler deren Drei, die ihm beim Aufbau helfen. Schumacher hat am Computer den Parcoursverlauf bereits festgelegt. Die Maße sind vorgegeben. So gilt bei einer S**-Springprüfung für die Hindernishöhe ein Richtwert von 1, 45 Meter, die Oxer müssen in der Tiefe 1,50 Meter haben, können auch schon mal eine Tiefe von 1,60 Meter haben, "wenn sie gut anzureiten sind".

"Bei Prüfungen mit

Stechen sollte ein Viertel

der Teilnehmer ins

Stechen kommen."

Peter Schumacher
Während der Ichenheimer Turniertage hat Schumacher zirka 30 Parcours geplant, vom einfachen A-Springen bis zum S**-Springen. Bei den schweren Springprüfungen schaut er darauf, dass bei den Kombinationen, ob Dreier oder Zweier, immer ein Handwechsel geritten werden muss.

"Bei Prüfungen mit Stechen sollte ein Viertel der Teilnehmer ins Stechen kommen, wobei die Zahl der Null-Fehler-Ritte nicht so wichtig ist", erklärt Schumacher. Der Parcourschef legt Wert darauf, dass "viele Reiter nicht zu schlecht aussehen, der Parcours trotzdem selektiv ist und die Zuschauer guten Sport sehen können."

Um dieses Ziel zu erreichen, muss er das Starterfeld kennen, die Lage des Platzes und die Bodenverhältnisse. Außerdem muss er bei schönem Wetter den Sonnenstand in den Aufbau der Hindernisse miteinbeziehen. "Bei Kombinationen darf das Pferd nicht in die tief gehende Sonne springen müssen", erklärt Schumacher und verweist auf die besonderen Verhältnisse der Wassergräben, wo das Sonnenlicht reflektieren könne. Zudem sollten diese immer Richtung Ausgang geplant werden.

In Ichenheim schätzt der Parcoursbauer die Lage der Waldreitanlage sowie die besonderen Bodenverhältnisse, die sehr gut seien. Da er schon öfter in Ichenheim gewesen sei, hab er den Platz maßstabsgetreu auf seinem Computer und könne so den Parcours computergestützt gut planen.

"Wo setze ich die dreifache, wo die zweifache Kombination, wie soll die Linie verlaufen, damit sie flüssig zu reiten ist und die Pferde nicht überfordert werden?" Mit dieser Frage beginnt Schumacher die Planung eines S-Springens. Denn der Kurs müsse rund und ohne Haken sein. Im Stechen allerdings plant der Parcourschef kurze Wendungen nach rechts und links sowie Galoppstrecken, denn da entscheide oft die Zeit. Bei den Distanzen zwischen den Hindernissen zeige sich das Galoppiervermögen und die Durchlässigkeit des Pferdes.

Was reizt Schumacher am Parcoursbau? Immerhin hat er vor 15 Jahren bereits damit begonnen. "Als Springreiter hat mich das schon immer interessiert, dann habe ich mich als Turnierfachmann für den Parcoursbau reiten ausbilden lassen und jetzt genieße ich, dass ich viel rumkomme." Heute in Ichenheim, morgen in Tschechien bei einem Internationalen CSI*** als Parcourschef für die Weltcup-Qualifikation der Ostliga. Dann nach Luxemburg, wo der Nationenpreis der B-Liga stattfindet. Nicht Parcourschef, aber Assistent des ganz großen deutschen Parcourschef Frank Rothenberger ist er beim CSIO in Aachen. Und sein Traum? Parcourschef bei einem Championat oder A-Liga Nationenpreis.

Autor: Bettina Schaller