"Wir müssen uns international nicht verstecken"

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Sa, 13. Januar 2018

Reitsport

Hans-Dieter Dreher aus Eimeldingen geht beim internationalen Hallenturnier der Springreiter in Basel an den Start.

BASEL. Vor einem Jahr ist Daniel Deußer als Nummer eins der Weltrangliste zum internationalen CSI in Basel gereist. Daneben gab es noch zwei deutsche Springreiter weit vorne. Doch seither rutschten die erfolgsverwöhnten Rotröcke mit dem Bundesadler auf dem Sakko bergab. Beim 9. Fünf-Sterne-Turnier in der St.Jakobshalle zählt lediglich Christian Ahlmann, den Deußer seinerzeit an der Spitze ablöste, zu den Top Twenty. Der Sieger des Großen Preises von Basel 2016 wird an Position 17 geführt. Dichtauf folgen Deußer (22) und Marcus Ehning, (23) sowie mit Abstand Ludger Beerbaum (45), Felix Hassmann (46) und Philipp Weishaupt (47). Hans-Dieter Dreher aus Eimeldingen, im Vorjahr erstmals seit 2011 aus den Top 100 gefallen, meldete sich zuletzt mit guten Ergebnissen zurück in der Spitze und sprang von 97 auf Platz 79. 

Sind die deutschen Springreiter so viel schwächer geworden? Und ist dies nur eine Momentaufnahme oder hapert es an konkurrenzfähigem Nachwuchs? Dreher widerspricht. "Natürlich sieht das auf dem Papier etwas blöd aus", sagt der Sportliche Leiter des Gestüts Grenzland. Doch ist er sich sicher, "dass wir uns international nicht verstecken müssen". Es gebe hierzulande weiterhin vielsprechende Paare. Tatsächlich mangelt es nicht an gutem Nachwuchs. Dies belegen alljährlich viele Championatsmedaillen. Sicher ist aber auch, dass Bundestrainer Otto Becker gern mehr Toppferde zur Auswahl hätte. Zumal 2018 die Weltreiterspiele in den USA anstehen.

Zwar gewann Beckers Equipe 2017 in Barcelona das Finale der Nationspreisserie, als Ludger Beerbaum letztmals "für Deutschland" ritt, doch bei EM und Weltcupfinale gingen sie leer aus. Das junge, nahezu unerfahrene EM-Quartett mit Ehning als Leitwolf zeigte indes Lichtblicke. Vor allem Laura Klaphake, Nummer 155 der Welt, überzeugte mit couragierten Nullrunden ebenso wie später die deutsche Meisterin Simone Blum (94). Doch fällt es fast allen Talenten schwer, Jugend-Erfolge im Seniorenlager zu bestätigen. Um als Profi mitzumischen, bedarf es sprungkräftiger, teurer Pferde und der Unterstützung spendabler Sponsoren. Die Formdelle der deutschen Routiniers resultiert eher aus einem Umbruch in ihren Ställen. Die Erfolgsrösser sind in die Jahre gekommen und müssen durch neue ersetzt werden. Bis jene die nötige Klasse besitzen, bedarf es Geduld und Zeit. Vor allem müssen sie gesund bleiben.

Dies erfuhr auch Dreher, der seit 2016 langfristige Ausfälle mehrerer verletzter Pferde beklagte. Dazu gehörten neben Magnus Romeo, der ihm einst zum Durchbruch verhalf, der Holsteiner Colore, die beide 2017 aus dem Sport genommen wurden, sowie der Schimmel Cool and Easy, unter seinem neuen Schweizer Reiter Martin Fuchs in Basel am Donnerstag Vierter.

Zudem trennte sich der Eimeldinger im Vorjahr von seinem langjährigen Sponsor. Mit neuen Vierbeinern, erworben vom neuen Gönner Roland Zanotelli aus Basel, will der 45-jährige Profi an alte Erfolge anknüpfen. Große Hoffnungen setzt Dreher, Mitglied des nationalen Perspektivkaders, vor allem in die zehnjährige Stute Berlinda, mit der er 2017 die Großen Preise von Schutterwald, Ascona und Donaueschingen gewann. Gleiches gilt für den Wallach Nadal Z (9) als Grand-Prix-Sieger des Zwei-Sterne-CSI in Salzburg, und den Franzosen Tiopepe (11), in Basel zum Auftakt Zehnter. Überdies hofft er im Sommer auf ein Comeback seines Paraderosses Embassy (17). "Das ist der Plan", sagt Dreher, "aber ich nehme mir nichts Konkretes mehr vor, ein Championatsstart bleibt das Ziel: Wichtig ist aber, gut zu reiten und die Pferde in Schuss zu halten."