Reizvolle Klangfarben

Hans-Jürgen Becker

Von Hans-Jürgen Becker

Di, 17. Juli 2018

Klassik

Bläserkammermusik mit der Freiburger Holst-Sinfonietta.

Es war wie ein erfrischendes Bad – ganz, wie es das Motto versprach: "Von Wasser und Wind" – Bläserkammermusik der klassischen Moderne mit der Holst-Sinfonietta im Saal der Stiftung für Konkrete Kunst Freiburg. Unter Leitung von Klaus Simon, der teils an der Celesta mitwirkte, vereinte das Programm Werke von Ligeti, Eggert, Janácek und Messiaen. Dabei gaben die Musiker Julia Stocker (Flöte), Daniel Rodriguez Agúndes (Oboe), Lorenzo Salvá Peralta und Mariella Bachmann (Klarinette), Annette Winker (Fagott), Eda Pacaci (Horn), ihr Bestes in der fordernden Musik genannter Meister.

Kammermusik für Bläser hat lange Tradition. Von den ersten Partiten für Hörner, Oboen und Generalbass Telemanns bis zu den Serenaden Mozarts, Haydns und Rosettis im 18. Jahrhundert und endlich den Werken der späten Klassik und Romantik, etwa von Beethoven, Schubert und Kreutzer, schöpften die Komponisten gern aus dem Vollen reizvoller Klangfarben von Holz und Blech. So nicht minder im 20. Jahrhundert. Wie György Ligetis Sechs Bagatellen für Bläserquintett von 1953 belegten. Geistreich mit Witz geht es los im Allegro con spirito. Bunte Klangfarben vom Piccolo angeführt und mit scharfen Akzenten und hurtigen Rhythmen der übrigen Bläser. Im Rubato-Lamentoso eine Klage von Oboe und Fagott über dissonanten Akkorden, ein Aufschrei mit dynamischen Kontrasten. Fast eine Hommage an das 18ième ist das Allegro grazioso. Wenn Flöte, Horn oder Fagott wiegende Kantilenen zu plappernder Begleitung in Wohlklang anstimmen, alles aber mit ironischer Brille gesehen, erinnerte das durchaus an Strawinsky. Mit viel Pfeffer und fließend gespielt kam der Tanz des Presto ruvido. Ein Adagio mesto mit Bartók-Zitat, als Tombeau auf den Kollegen, ausdrucksvoll mit lamentierenden hohen Bläsern überzeugte. Endlich ein Kehraus mit strudelnden Melodien, das war Ligeti "for Winds". Anders dann Moritz Eggerts Hammerklavier-Piècen für Celesta solo von 2001. Fast minimalistisch wirken diese Ostinati. Dialogisierendes Spiel, das in vertrackten Rhythmen zueinander finden möchte und mit hellen Glockentönen von Klaus Simon zusammen geführt wurde. Autobiografisches in Tönen auf eine bewegte Jugend ist Leos Janáceks Suite für Bläsersextett von 1924. Im Finale zog die Holst-Sinfonietta mit buntem Kolorit das lebendige Fazit einer beschwingten Jugendzeit.

Abschließend erklang Messiaens "Fête des belles eaux", arrangiert von Klaus Simon. Selten zu hören, da für die Ondes Martenot verfasst, ein frühes E-Instrument, ist diese Suite. Die sieben Teile fließen direkt ineinander über. Ein Spiel von Wasser und Feuerwerk, das in den von Simon gewählten satten Bläserfarben und Glockentönen der Celesta nicht minder überzeugte.