Platznot

In der Freiburger UB gibt's jetzt Lernplätze nur für Juristen

Christian Engel

Von Christian Engel

Fr, 19. Januar 2018 um 12:47 Uhr

Freiburg

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät ist zufrieden, die Fachschaft hält sie für eine Notlösung: Sticker, die auf UB-Lernplätze für Juristen hinweisen. Weitere Veränderungen sollen folgen.

Die Universitätsbibliothek (UB) kommt nicht zur Ruhe. Das liegt vor allem an ihrer Anziehungskraft. Im Januar 2016 schaffte die UB-Leitung zusätzliche Stühle an. Einen Monat später trat eine Art Parkscheinregelung in Kraft, die den Andrang entzerren soll.

Aufkleber weisen auf die Plätze hin

Derzeit strömen die Studierenden in die Unibibliothek, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. Die Leitung hat nun einen weiteren Versuch gestartet, um die angespannte Platz-Situation für die Juristen etwas erträglicher zu gestalten. Auf den Tischen im zweiten Stock, dem "Juridicum", kleben seit Montagmorgen grün-gräuliche Sticker. "Arbeitsplatz für Mitglieder der Rechtswissenschaftlichen Fakultät" steht darauf. Rechts oben auf dem Aufkleber prangt noch ein Paragrafenzeichen in Weiß, damit alle wissen, für welche Fakultät hier reserviert ist.

Das Problem für die angehenden Juristen war und ist, dass sie seit dem Auszug aus dem sanierungsbedürftigen Kollegiengebäude (KG) II keine eigene Fachbibliothek mehr haben. Das zweite Obergeschoss in der neuen UB soll diese quasi ersetzen. Dort stehen die dicken Wälzer, mit denen die Studierenden arbeiten. Im KG II gab es noch knapp 600 Lernplätze, in der UB sind es aktuell 365. Insgesamt studieren in Freiburg fast 2700 Menschen Jura.

1000 Studierende hatten eine Petition der Fachschaft für mehr Sitzplätze unterzeichnet

Die Fachschaft der Rechtswissenschaftlichen Fakultät hatte im September eine von 1000 Studierenden unterschriebene Petition eingereicht. Vor allem zwei Forderungen an die UB-Leitung standen im Vordergrund: nachverdichten und deutlich machen, dass der zweite Stock für Juristen reserviert ist. Ersteres sollte durch mehr Arbeitsplätze geschehen. Letzteres mit Hilfe von Hinweisschildern – und damit waren keine Sticker auf dem Tisch gemeint.

Diese Aufkleber hält die Fachschaft für eine Notlösung. Viel wichtiger, sagt Julian Zimmermann von der Studierendenvertretung, seien Schilder oder Tafeln, auf denen klargemacht werde, dass der zweite Stock die Fachbibliothek der Juristen sei. "Mit den Stickern entsteht nur wieder sozialer Druck", sagt Zimmermann. "Was, wenn ich bemerke, dass an einem dieser Arbeitsplätze ein Studierender eines anderen Fachs sitzt, gehe ich dann hin und verscheuche ihn?"

Die Juristen bekommen 130 Arbeitsplätze mehr

Ulrich Haltern, stellvertretender Leiter der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, sieht das Problem, hofft aber auf die Vernunft der anderen Studierenden, die Situation zu akzeptieren. Die Stickervariante hält er für einen ersten guten Schritt, um den Platzmangel in den Griff zu kriegen. Prodekan Haltern sagt aber auch, dass noch viel getan werden müsse, um den Lernort für Juristen zu verbessern. "Da gibt es aber auch schon konkrete Pläne."

Und die sehen laut Haltern so aus: In den kommenden Wochen sollen etliche Regale abgebaut, die Bücher dichter aufgestellt werden. Auf die gewonnene Fläche kommen dann Stühle und Tische, natürlich auch wieder mit Sticker. Rund 130 Plätze könnten so entstehen, sagt Haltern. Bei diesen Maßnahmen sei man auf den letzten Metern, es fehle nur noch ein Gutachten für Fluchtwege.

Außerdem seien bereits Aufsteller geordert. Sie sollen die UB-Besucherinnen und -Besucher darauf aufmerksam machen, dass die zweite Etage für Juristen gedacht ist. Ob auf den Schildern das Wort "Juridicum" auftaucht, bei dem manch Fachfremder vielleicht eher an einen Zauberspruch aus Harry Potter als an ein juristisches Seminar denkt, ist noch nicht klar. Die Fachschaft fordert eine Umbenennung.

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