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21. April 2011

Rettung der Badhofkapelle wird teuer

Sanierungskosten werden sich auf rund 168 000 Euro summieren / Auf Spenden und Zuschüsse angewiesen / Auch die Stadt muss mit ins Boot.

  1. Millimetergenau wurde die Badhofkapelle in einem Laser-Scan-Verfahren ausgemessen und sämtliche schadhaften Stellen präzise dokumentiert. Auf dieser Grundlage wurden die Sanierungsmaßnahmen geplant. Foto: Holzhaus GmbH

  2. Die Architekten Tobias Bartsch und Andreas Hübner von der Holzhaus GmbH sowie die Initiatoren des Freundeskreises zur Rettung der Badhofkapelle, Peter Marienfeld und Hansjörg Adler (von links) demonstrieren den aktuellen Sachstandsbericht der Kapellensanierung Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Während der zurück liegenden Wintermonate war es vordergründig zwar ruhig um die Sanierung der Badhofkapelle in Bad Boll. Im Hintergrund jedoch wurden viele Maßnahmen in die Wege geleitet und Entscheidungen getroffen. Die Initiatoren des Freundeskreises zum Erhalt der Badhofkapelle, Hans-Jörg Adler und Peter Marienfeld, stellten bei einem Pressegespräch gemeinsam mit den Architekten Tobias Bartsch und Andreas Hübner den aktuellen Stand der Dinge vor.

Das Stuttgarter Ingenieurbüro Peter und Lochner, das auch beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche mitgewirkt hat, untersuchte die Statik der Badhofkapelle und definierte die gebäudetechnisch notwendigen Maßnahmen für den Erhalt. Zuvor wurde die Kapelle in einem modernen 3-D-Laserscanverfahren millimetergenau abgetastet und vermessen. Jeder Riss im Mauerwerk, jede Deformierung in der Bodenfläche, ja sogar der Unterbau treten bei einer solchen Messung exakt zutage. Tobias Bartsch und Andreas Hübner, Architekten der Bonndorfer Holzhaus GmbH, erstellten auf dieser Basis eine detaillierte Bestandsaufnahme und Schadensanalyse, die wiederum Grundlage für die Ausschreibung der einzelnen Baumaßnahmen waren.

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Mittlerweile liegen Kostenvoranschläge für jedes Gewerk vor. Die voraussichtlichen Gesamtkosten der Sanierung liegen demnach bei 168 205 Euro und können nicht allein über Spenden finanziert werden. Einschließlich aller bisherigen Zusagen kamen bisher 40 000 Euro an Spenden für den Erhalt der Kapelle zusammen. Nun hofft der Freundeskreis auf weitere Spenden, beispielsweise durch konkretes Sponsoring für einzelne Elemente der Kapelle wie Fenster, Glocke Türen sowie Fußbodenfliesen. Wichtig für die Finanzierung der Kapellensanierung wären aber auch Zuschüsse und dazu braucht man die Unterstützung der Stadt.

In jüngster Gemeinderatssitzung war nun dieses Anliegen Thema und wie Bürgermeister Michael Scharf erläuterte, ist eine Landesförderung für die Kapelle schwierig, weil das kleine Gotteshaus dem Land gehört. "Das Land kann sich nicht selbst bezuschussen", sagte Scharf. Eine Möglichkeit, doch noch an entsprechende Zuschussmittel zu kommen, wäre aber, dass die Stadt die Kapelle pachtet. Ins Auge gefasst wurde eine Pachtzeit von 15 Jahren, somit wären die Sanierungsarbeiten zuschussfähig, nach Ablauf der Pachtzeit, ginge das Gebäude wieder zurück ans Land. "Ohne Zuschüsse ist der Erhalt des historischen Gebäudes sehr fraglich", sagte der Bürgermeister, der durch einen Pachtvertrag weder Kosten noch Risiken auf die Stadt zukommen sah. Der Pachtvertrag werde nämlich nur wirksam, wenn tatsächlich Fördermittel fließen, die Stadt gehe keine Verpflichtungen ein, so Scharf. "Wir haben jetzt die historische Chance, die Kapelle zu sanieren und zu erhalten", meinte Max Nägele, und seiner Meinung schlossen sich auch die Ratskollegen an. Dem Pachtvertrag für 15 Jahre wurde bei einer Gegenstimme zugestimmt. Damit ebnete der Gemeinderat den Weg für das Anzapfen von Zuschusstöpfen.

Dass die ursprüngliche Kostenschätzung um ein Drittel übertroffen wird, liegt übrigens größtenteils am labilen Untergrund der Kapelle. Die Hänge der Wutachschlucht sind ständig in Bewegung, demzufolge ist das Mauerwerk rissig und instabil. Die statische Instandhaltung des Gebäudes ist also teuerster Einzelposten der Sanierung. Die ganze Kapelle wird "verspannt", indem Löcher in das Natursteinmauerwerk gebohrt werden, um es anschließend mit 2,5 Zentimeter dicken Eisenstangen zu stabilisieren. Von außen ist diese Maßnahme nicht sichtbar. Die Risse in Mauern und Fensterstürzen werden einzeln behoben. Das Deckengewölbe wird ebenfalls an den einzelnen Schadstellen ursprungsgetreu saniert, da es sich aus Gründen des Denkmalschutzes verbietet, sie mit modernen Baumaterialien komplett zu erneuern.

Sobald ein Zuschuss bewilligt wird, werde man mit den Sanierungsmaßnahmen beginnen, zeigte sich Hans-Jörg Adler optimistisch und glaubt nach wie vor, dass das Projekt noch in diesem Jahr abgeschlossen werden könnte.

Was eine künftige Nutzung der Kapelle angeht, ist diese schon allein wegen ihrer Lage im Naturschutzgebiet beschränkt. Nach Mitteilung von Bürgermeister Michael Scharf könnte aber eine Ausstellung über Bad Boll oder die Wutachschlucht dort eine Heimat finden. Größere Veranstaltungen sind hingegen ausgeschlossen, weil sich nicht gleichzeitig viele Personen in der Kapelle aufhalten dürfen. Ist die Badhofkapelle saniert, so Bürgermeister Scharf, wird sich der Schwarzwaldverein um den Unterhalt des historischen Gebäudes kümmern.

Spenden für den Erhalt der Badhofkapelle sammelt der Freundeskreis unter dem Stichwort "Kapelle Bad Boll" über das Konto der Rotary Hilfe bei der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen, Bankleitzahl 680 512 07, Kontonummer 225 177.

Autor: Martha Weishaar und Juliane Kühnemund