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24. Oktober 2009
Bilder erzählen Geschichten
Angelika Billions liebstes Motiv ist der menschliche Körper / Ihre Menschen haben Format
REUTE. "Ich möchte schöne Bilder malen, die dem Betrachter etwas sagen, eine Geschichte vermitteln", sagt Angelika Billion über ihre Werke. So entstanden etwa der Raucher unter der Laterne, die Frau am Fenster, der junge Mann im Zug – schließt er traurig die Augen vor einem Abschied oder träumt er glücklich vor sich hin? Seit etwa zehn Jahren hat sich die gebürtige Endingerin, die seit 23 Jahren in Reute lebt, im zeichnerischen und malerischen Gestalten ausbilden lassen und das Ergebnis bislang vor allem im Freiburger Raum gezeigt, unter anderem bei Banken und dem Südwestrundfunk.
Gemalt hat sie schon als Kind gern, erzählt die 54-Jährige; sie hätte gern Kunst studiert. Doch sie war mit ihrer Mutter allein und die wollte, dass ihre Tochter einen Beruf lernte, der sie ernähren würde. Das war die Kunst nicht, "für eine Frau schon zweimal nicht", sagt sie. So lernte sie nach der Fachhochschulreife Industriekauffrau, heiratete, bekam zwei Kinder und war weiterhin voll berufstätig.
Ein Bild im Jahr gab’s immer, erzählt sie; doch erst als ihre Kinder aus dem Haus waren, konnte sie halbtags arbeiten und sich "die Zeit stehlen" für eine Ausbildung: VHS-Kurse, Kurse im Urlaub, Unterricht bei der Malerin Gerlinde Grund und schließlich intensive Schulung in der Kunstschule Freiburg durch Waldemar Kebleris: "Das ist kein Kurs, sondern ich sage etwa ’ich male den Raucher’ und er gibt mir dann Hilfestellung, meinen eigenen Stil weiter zu entwickeln." Sie malt wieder in Öl mit einer speziellen Mischtechnik für die Farben.
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Derzeit freilich zieht sie ihre Motive an. Hintergrund ist eine Ausstellung in der Sparkasse Freiburg; dort seien Aktbilder nicht erwünscht gewesen. Sie lässt sich von Menschen zu den Bildern anregen: Lachend erzählt sie, wie sie fasziniert war von der Ruhe und Zufriedenheit, die ein dicker, alter Mann auf einer Bank in einem französischen Einkaufszentrum ausstrahlte, und ihre Tochter drängte, dies fotografisch festzuhalten – als Gedächtnisstütze für ein späteres Bild. Sie selbst macht oft Aufnahmen per Handy. Die Qualität sei nicht sonderlich gut, aber da sie die Menschen erlebt habe, reiche ihr diese Gedächtnisstütze. Oder sie sieht ein Foto, das sie inspiriert, jüngst eines von einem Tabakpflücker. Ihr nächstes Projekt ist ein Spargelstecher. Und das übernächste müsste wohl mit Wein zu tun haben, überlegt sie. Genug Ideen hat sie, würde es gern auch mit abstrakten Werken probieren. Bislang war sie mit dem Ergebnis solcher Versuche unzufrieden: "Es zeigt nicht das, was ich sagen wollte". Denn es sollen nicht einfach nur blaue oder grüne Farbflächen sein.
Sie hat noch andere Träume: Sie würde gern eine kleine Galerie gründen, in der "No Names", noch unbekannte Künstler, ausstellen könnten. Und eine Kunstschule für Kinder gründen. Aber das ist eine Geldfrage; reich werden könne man mit der Kunst nämlich nicht, das gelte heute noch wie damals, als die Mutter zum Brotberuf riet. Zumal Angelika Billions Bilder nicht überall Platz finden: Ihre Menschen haben Format.
Autor: Sylvia-Karina Jahn
