Das Großprojekt liegt im Zeitplan

Dieter Erggelet

Von Dieter Erggelet

Mo, 09. Juli 2018

Reute

Das Försterhaus in Reute soll zum Kultur- und Begegnungszentrum werden / Richtfest gefeiert.

REUTE. Es ist eine Gratwanderung zwischen zeitgemäßen Anforderungen und dem Erhalt historischer Bausubstanz. Jetzt wurde Richtfest gefeiert beim Bauprojekt Försterhaus im Dorfkern von Reute. Dabei war Planern und Handwerkern die Freude über den schon weit fortgeschrittenen Umbau zum künftigen Kultur- und Begegnungszentrum anzumerken – am meisten wohl den Mitgliedern des Vereins "Kultur im Försterhaus" unter der Federführung von Christina Schmitz.

Bürgermeister Michael Schlegel dankte den Architekten Susanne Pietsch, Kathrin und Hubert Maier-Lenz sowie den Planern, Ingenieuren und Handwerkern für ihre Geduld und das hohe Maß an Feingefühl. Im Januar hatten die Bauarbeiten in dem historischen Gebäudekomplex begonnen. Oft mussten einzelne Türrahmen oder Mauerschichten in Augenschein genommen werden, um zu entscheiden, was nach den Verordnungen des Denkmalschutzes bleiben kann oder erneuert werden muss. Dennoch, so Schlegel, lägen die Arbeiten im Zeitplan – und seien glücklicherweise ohne Unfälle verlaufen.

Die wesentlichen Arbeiten sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein, so dass Fördermittel in Höhe von 51 Prozent der rund 1,8 Millionen umfassenden Bausumme in vollem Umfang in Anspruch genommen werden können. Im Mai 2019 soll der Gebäudekomplex dann so weit eingerichtet sein, dass die Eröffnungsfeier stattfinden kann, verkündete der Rathauschef. Der erinnerte auch daran, wie er kurz vor Weihnachten 2010 vom Eigentümer die überraschende Nachricht erhalten hatte, dass der das Anwesen verkaufen wollte.

Es folgten lebhafte Beratungen und heftige Diskussionen, erzählte Schlegel. Bauträger hätten schon bei Behörden angefragt, den Denkmalschutz aufzuheben – um dort Wohnungen zu bauen. "Nachdrückliche Überzeugungsarbeit war auf allen Ebenen zu leisten. Gemeinsam mit den Gemeinderäten wurde dann im Lauf der Jahre eine zukunftsweisende Lösung ausgearbeitet", schilderte Schlegel.

Im Försterhaus soll unter anderem ein Puppenmuseum entstehen. Die Reuter Bürgerin Hiltrud Münker sammelt seit mehr als 40 Jahren Puppen und Puppenstuben, ihre Exponate zählen nach Gutachten von Kulturwissenschaftler Wolfgang Knapp zu den bedeutendsten in Deutschland. Die Werke von Kunstmaler Reiner Strub, der 47 Jahre lang in Reute lebte, werden im Dachgeschoss der alten Scheune zu sehen sein. Im Erdgeschoss wird ein Veranstaltungsraum entstehen.

Direkt nebenan, im ehemaligen Wagenstall, findet das neue Heimatmuseum Platz. Anschaulich wird dort gezeigt, wie schweißtreibend das Landleben der vergangenen 150 Jahre war – und wie die Menschen den Alltag bewältigten. Im rückwärtigen Teil des Areals wird ein frei zugänglicher Museumsgarten angelegt. "Es soll ein Ort der Begegnung sein", sagt Christina Schmitz.

"Denkbar ist auch ein Trauzimmer in rustikaler Umgebung", sagte Michael Schlegel bei einer Besichtigung der Baustelle mit den Gästen. Dann war es höchste Zeit, dass die Zimmerer Nils Klauser und Uwe Blattmann von der Reuter Zimmerei Mario Heiny auf das künftige Dach stiegen und nach launigen Richtsprüchen das Glas nach dem Jahrhunderte alten Brauch mehrmals leerten – und zielgenau zerdepperten.

Beim anschließenden Umtrunk wurden schon weitere Pläne für diese Begegnungsstätte diskutiert. Vielleicht, lautete einer der Anregungen, könnte es im Försterhaus ja auch einmal einen "Verzellowe" geben.

Weitere Informationen im Netz: http://www.kultur-im-försterhaus.de