Ein sehr gutes Storchenjahr

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Mi, 15. August 2018

Reute

245 Jungstörche im Umkreis gezählt – 34 davon sind in der Storchenstation aufgewachsen und wurden jetzt in die Freiheit entlassen.

REUTE. So viele Störche wie noch wie wurden in der Storchenstation in die Freiheit entlassen. 34 Jungtiere bedeuten für Martin Kury und seine Helfer einen neuen Rekord.

"Das war ein sehr gutes Storchenjahr", erzählte Storchenvater Kury, "auch wenn die Sache mit unserem Uhu eher für negative Schlagzeilen sorgte". Wie bundesweit in den Medien berichtet, hatte sich ein an Grauem Star leidender Greifvogel in seiner Not auf Störche als Beutetiere verlegt und im späten Frühjahr mit seinem Schlagverhalten für große Aufregung rund um die Storchenstation in Reute gesorgt. "Ansonsten war das Jahr für Störche nahezu ideal", meinte auch der Vorsitzende, Gustav Bickel. "Es war ein warmes Frühjahr mit viel Regen, im Mai gab es keinen Kälteeinbruch, keine Starkregen. Diese optimalen Bedingungen schlugen sich in der Zahl der Jungtiere nieder. 2018 haben wir fast doppelt so viele Tiere wie im bereits guten Vorjahr gezählt, nämlich 245", so Bickel. Viele Horste seien mit drei oder vier Jungen besetzt gewesen. Selbst im höher liegenden Elzach seien es vier Jungtiere gewesen.

Mit der Hitze ging jedoch das Futterangebot zurück. Zumindest in der Region. Denn während die Breisgauer Störche auf ihre Regenwürmer verzichten mussten und ganz auf Mäuse und Insekten setzten, fraßen sich die Tiere im nördlichen Württemberg an den dort massenhaft auftretenden Heuschrecken satt. "Ich habe einen 4,7 Kilo schweren Vogel entdeckt, der war so dick, der konnte gar nicht mehr fliegen", erzählte die Weißstorchbeauftragte des Landes, Ute Reinhard. Sie habe aber den Verdacht, dass sich der Dicke hemmungslos in einer benachbarten Müllkippe bedient habe, meinte Reinbold. Nach einer kleinen Abmagerungskur sei es ihm deutlich besser gegangen. "Die meisten Jungtiere verunglücken bei ihrem Erstflug", erklärte Kury. "Die Eltern halten sich in dieser Zeit mit dem Füttern recht zurück, sodass die Tiere den Abflug vom Nest wagen". Dann wäre im Prinzip auch alles gut, nur allein ernähren könnten sich die Jungvögel noch nicht. "Gefüttert wird von den Eltern, aber nur im Horst", so Kury, und die Rückkehr dorthin sei oft sehr schwierig.

"Es ist bezeichnend, dass von unseren Jungtieren, die uns aus ganz Südbaden gebracht wurden, eines aus Haslach kommt, wo der höchste Storchenhorst Deutschlands ist, oder ein anderes vom Riegeler Brauhausschornstein", so Kury. Mitunter brächen sich die Vögel aber auch die Beine an Stromleitungen, dann stürzten sie ab und stürben meist.

Werden sie entkräftet oder verletzt nach Reute gebracht, wo Kury seit dem Jahr 2000 seine Station aufgebaut hat, gelte es, sie zu versorgen und wieder aufzupäppeln. Kury, der hauptberuflich Krankenpfleger ist, kümmert sich dabei um die Verletzten.

Alles Weitere drehe sich dann hauptsächlich ums Fressen. Mehrmals täglich gebe es männliche Küken, die sie tiefgefroren vom Zoohandel bezögen, jeden Tag sechs Eimer voll. Knapp eine Tonne verzehrten die 34 Jungtiere dieser Saison. Auch dies ein Rekord.

Mit einem letzten kleinen Imbiss wurden die Jungstörche gestärkt, dann näherte sich der große Moment, "der schönste Augenblick des Jahres", so Kury. Langsam und vorsichtig betraten Kury und seine Kollegen die Voliere und drängten die zart pfeifenden Störche zum offenen Verschlag.

Vor den gut 80 Zuschauern scheinen die Tiere doch deutlich aufgeregt zu sein. Vorsichtig stakend, schreiten sie aus, und dann ist es soweit, und einer nach dem anderen der prächtigen Flieger startet und schraubt sich mühelos in den makellosen blauen Sommerhimmel, immer höher, bis sie mit dem bloßen Auge kaum mehr zu sehen sind.