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24. Juni 2012 11:46 Uhr

Finalsieg

RHC Friedlingen ist Schweizer Rollhockey-Meister

Individuelle Klasse triumphiert über Teamgeist: Im kuriosen Rollhockey-Finale um die Schweizer Meisterschaft hat sich der RHC Friedlingen gegen den Stadtrivalen RSV Weil durchgesetzt.

  1. Neuer Meister im Schweizer Rollhockey: der RHC Friedlingen. Foto: Meinrad Schön

Der RHC Friedlingen ist Schweizer Rollhockeymeister 2012. Das mit südamerikanischen und spanischen Topspielern gespickte Team vom Weiler Rheinhafen nutzte am Samstag vor 600 begeisterten Rollhockeyfans den Heimvorteil und besiegte den kampfstarken Herausforderer RSV Weil auch im zweiten Finalspiel mit 4:2. Damit sicherten sich die Friedlinger bereits im dritten Jahr ihres Bestehens den ersten großen Meistertitel. Für den RSV, der vor vier Jahren das Schweizer Double geholt hatte, war es die dritte Vizemeisterschaft in Folge.

Fair, schnell, hochklassig

Von wenigen Ruppigkeiten Mitte der zweiten Hälfte abgesehen, sahen die Zuschauer im Friedlinger Rollerdrom eine faire, schnelle und hochklassige Partie. Dafür sorgte nicht zuletzt das gute helvetische Schiedsrichtergespann, das sich allerdings beim zweiten Friedlinger Treffer einen unfreiwilligen Assistpunkt verdiente: Eigentlich waren die Gäste in der Vorwärtsbewegung, als der Ball via Schiedsrichter zu Tobias Mohr sprang. Der Friedlinger Kapitän ließ dem Weiler Keeper Daniel Dietrich keine Abwehrchance.

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Damit hieß es schon nach acht Minuten 2:0 für Gastgeber Friedlingen. Beim furiosen Beginn stand dem RSV noch zweimal das Glück zur Seite, als Pfosten und Latte für den bereits geschlagenen Goalie Dietrich retteten. Doch das Team von Spielertrainer Enzo Lain zeigte in der Folge, dass der Halbfinalerfolg gegen Vorjahresmeister Genf kein Zufall war. Jede Chance zum Kontern wurde genutzt, und nach 13 Minuten war der 1:2-Anschluss durch den Spanier Jorge Novoa geschafft.

Ein Argentinier bringt Friedlingen auf Meisterkurs

Nach der Pause wogte das Spiel hin und her. Für hohes Tempo sorgten auch die Unparteiischen, die durch die Zeitspielregel den Akteuren kaum Zeit zum Luftholen schenkten. Der Treffer zum 3:1 durch den Brasilianer Michel Dantas brachte die Gäste nicht aus der Fassung: Max Bross, vorm eigenen Tor von Jordi Camps hart attackiert, vergab jedoch den fälligen Penalty gegen RHC-Keeper Philipp Leyer. Dann aber schloss Ignacio "Nacho" Sariego eine glänzende spanische Kombination auf Vorlage von Novoa zum erneuten Anschlusstreffer für den RSV Weil ab (28.).

"Wir haben alles gegeben. Die individuellen Fähigkeiten der Friedlinger waren allerdings stärker als unser Teamgeist." RSV-Keeper Dietrich
Auf Meisterkurs war Friedlingen erst nach dem 4:2 durch Fabricio Marimont. Der Argentinier schnappte sich die Kugel nach einem Weiler Fehlpass noch hinter der Mittelinie und vollendete den Konter mit einem platzierten Schuss. Fünf Minuten vor dem Ende war damit die erste Friedlinger Meisterschaft in trockenen Tüchern. Der vergebene Penalty von Sebastian Winkler, der in den Schlussminuten an RSV-Torhüter Dietrich scheiterte, war nur noch nebensächlich.

Dietrich zog nach dem Abpfiff die wohl zutreffendste Bilanz an diesem Samstag: "Wir haben alles gegeben. Die individuellen Fähigkeiten der Friedlinger waren allerdings stärker als unser Teamgeist", sagte der einzige Schweizer Spieler, der am Schweizer Finale teilnahm.

Versöhnliches von Schweizer Funktionären

So ackerte Marc Werner trotz schmerzhafter Knieverletzung über 50 Minuten und holte sich ein Sonderlob von Lain ab: "Marc hat sich heute bis an die Grenzen belastet. Wer in sein Gesicht gesehen hat, weiß, unter welchen Schmerzen er sich durchgebissen hat." Lain war enttäuscht über die verpasste Titelchance, zugleich aber stolz auf sein Team. "Immerhin haben wir mit unserer jungen Mannschaft in den Playoffs bis auf den neuen Meister alle Teams, die vor uns waren, schlagen können", so der Italiener.

Der Friedlinger Sponsor, Vereinschef und Trainer Roger Ehrler sieht den Meisterschaftsgewinn nur als Zwischenstation. Sein Ziel ist es, mit dem RHC Friedlingen auch auf internationaler Bühne Erfolge einzufahren. Daher will Ehrler weiter bei den europäischen Gremien für die Zulassung zum Europapokal und zur Champions League kämpfen. Er hoffe, das international besetzte Team in Friedlingen halten zu können. Siegtorschütze Marimont, mit dem Ehrler bei der Pokalübergabe eine dicke Zigarre paffte, stellte später klar: "Noch ist nicht entschieden, ob wir weiter für Friedlingen spielen."

Die Siegerehrung leitete ein Gremium des Schweizer Rollhockeyverbandes mit Präsident Willi Braun an der Spitze. Dabei gaben sich die Funktionäre versöhnlich. "Die beiden Kontrahenten waren würdige Finalpartner, und der RHC ist ein würdiger Titelträger", sagte Braun. Es ärgere ihn überhaupt nicht, dass zwei deutsche Mannschaften das Finale ausspielten. "Wir haben sie als grenznahe Vereine gerne bei uns aufgenommen. Sie sind Vollmitglieder, wir sehen sie daher auch nicht als Ausländer", so der Verbandspräsident.

Tore: 1:0 Marimont (7.), 2:0 Paéz (8.), 2:1 Novoa (13.), 3:1 Dantas (28.), 3:2 Sariego (28.), 4:2 Marimont (45.).

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Autor: Meinrad Schön, aktualisiert um 17.25 Uhr