Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
22. Juni 2011
Dorfverein als Talentschmiede
Spitze beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert".
RINGSHEIM/RHEINHAUSEN. Mit 24 von 25 Punkten haben drei Klarinettistinnen aus Ringsheim und Rheinhausen beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" einen ersten Platz geholt. Valerie Grußeck (19), Mira Kranz (18) und Amelie Schillinger (17) konnten in der Gruppe der ältesten Teilnehmer beim Finale in der Region Neubrandenburg und Neustrelitz punkten und sind nur noch von einem Saxophon-Ensemble (Ortenberg und Bietigheim-Bissingen) in einer Gruppe von 17 Ensembles getoppt worden.
Der Weg dahin war lang, und die Drei können es noch gar nicht richtig fassen, dass sie besser gespielt haben sollen als all die anderen, von denen viele in musikalisch geprägten Elternhäusern aufgewachsen sind, schon mit drei Jahren ein Instrument gelernt haben und auf einem hohen Niveau ihre Musikerlaufbahn beginnen. "Einige haben schon die Aufnahme an der Musikschule hinter sich", beschrieb Valerie Grußeck das hohe Niveau der Teilnehmer. "Wir dagegen kommen aus einem dörflichen Musikverein und wussten, die lachen uns alle aus", sagt Mira Kranz, die wie Valerie Grußeck in Ringsheim wohnt und das Gymnasium St. Landolin in Ettenheim besucht. Mit der dritten im Bunde, Amelie Schillinger aus Rheinhausen, Schülerin am Gymnasium in Kenzingen, haben die beiden Klarinette im Musikverein Ringsheim gelernt. Die drei Mädchen spielen seit rund zehn Jahren ihr Instrument, haben Freude am Musizieren im Verein und sind mit ihrem damaligen Dirigenten Markus Frieß an die Musikschule Schindler-Villa nach Herbolzheim gegangen, die Frieß seit einigen Jahren leitet. Seit drei Jahren spielen sie, wie sie sagen, auf einem hohen Niveau, weswegen sie es auch gewagt haben, sich beim Wettbewerb "Jugend musiziert" anzumelden.Werbung
"Es war bei Miras Geburtstagsfeier am 2. Juli, als wir uns dazu entschlossen haben", erinnert sich Amelie Schillinger. Valerie Grußeck hatte bereits 2009 am Bundesfinale in Essen teilgenommen und konnte berichten, dass der Wettbewerb höchst interessant sei. Nach der Anmeldung im Herbst ging es zunächst zum Regionalwettbewerb nach Lahr, den sie ebenso mit Bravour meisterten, wie die Entscheidung auf Landesebene in Ulm. Nun stand das Bundesfinale an und damit intensivere Proben.
Mit ihrer Lehrerin Andrea Nagy hatten sie drei Stücke ausgewählt, die ihnen lagen, eines aus der Romantik von James Waterson: Second Grand Trio Conzertante und zwei von modernen Komponisten: Das Terzetto von Marel Poot und das Klarinettentrio von Iwan Müller. "Wir haben die Stücke von Anfang an geprobt und sind damit durch die Wettbewerbe. Sie gut zu spielen, war nicht das Thema", sagte Amelie Schillinger. "Aber um eine gute Wertung zu bekommen, mussten wir nicht nur perfekt spielen, sondern auch ein wirkliches Ensemble sein, bei dem die Musik aus der Seele kommt." Der Blick von außen auf ihre Arbeit hat ihnen erlaubt, wiederkehrende Fehler zu vermeiden und die Stücke zu begreifen. Das habe ihnen der Aushilfslehrer an der Musikschule beigebracht, ein Oboist, der für die erkrankte Lehrerin eingesprungen sei, sagt Mira Kranz und Valerie Grußeck beschreibt wie das ging: "Wir stellen uns bei dem jeweiligen Stück ein Bild vor, eine Situation, oder gar ein Gedicht oder eine literarische Figur, die wir alle kennen. Damit kam Gefühl mit ins Spiel und wir wurden eine musikalische Einheit." Das habe ihnen auch den unerwarteten Erfolg beschert, das zusammen Agieren und nicht brillante Läufe von Solisten.
Zum Üben mussten sich die Drei die Zeit stehlen. Valerie stand im Abitur und die Wochen vor dem Finale im Feierstress. Mira hat eine Speiseröhrenentzündung bekommen und erst in letzter Minute erfahren, dass sie spielen kann, und bei Amelie war die Luft raus. "Die Nerven lagen blank", sagt sie. "Kurz vor der Prüfung muss man noch einmal Kraft schöpfen, es ist dann reine Kopfsache, die wir alle unterschiedlich meistern."
Und sie beschreiben die Minuten vor dem großen Auftritt: Valerie spielt wie besessen noch einmal alles durch, Amelie starrt apathisch vor sich hin und Mira versucht, die beiden zu beruhigen. "Deswegen werden uns auch die drei Elemente zugeschrieben: Feuer, Luft und Erde in der Reihenfolge", sagt Amelie. "Und deswegen harmonieren wir auch so gut."
Autor: Erika Sieberts
