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14. Mai 2011
Ortenauer Kommunen verlassen Rechenzentrum
Überraschender Wechsel zu einem Stuttgarter Unternehmen.
ORTENAU (rob). Fünf steigen aus: Meißenheim, Sasbach und Lauf sowie Rheinau und Renchen verlassen gemeinsam zum 1. Januar 2012 das Dienstleistungsangebot des Kommunalen Rechenzentrums Freiburg. Am Donnerstag unterzeichneten sie Verträge mit einem anderen Anbieter für kommunale Software, der Stuttgarter Firma "Data Plan".
Die Kommunalen Rechenzentren sind von Kreisen und Kommunen finanzierte Zweckverbände für die haushaltsmäßige Buchführung von Kreisen, Städten und Gemeinden. Zwar sei der Wechsel auch mit finanziellen Vorteilen verbunden, erklärt Meißenheims Bürgermeister Alexander Schröder. Die Einsparungen liegen bei etwa 30 Prozent, so dass die Umstellung sich in drei bis vier Jahr rechnet.
Das Finanzielle sei aber nicht der Hauptgrund für den Wechsel. Rheinaus Kämmerer Uwe Beck formuliert es diplomatisch: Man sei mit den Dienstleistungen des Rechenzentrums nicht vollumfänglich zufrieden gewesen. Schröder konkretisiert, wo die Probleme liegen. Man sei mit den angebotenen Programmen unzufrieden. Die Software sei auf größere Städte zugeschnitten, für kleinere Gemeinden jedoch zu umständlich in der Handhabung: "Für eine große Verwaltung mit zehn Spezialisten ist das Angebot des kommunalen Rechenzentrums prima, für uns kleine ist es schlecht." Das von Data Plan angebotene System mit dem Namen "Finanz+" sei auf kleinere Verwaltungen ausgelegt. Da es weniger komplex sei, brauche man weniger Personal und weniger Bedienzeit.
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Zugleich könne man mehr Personal in diesem Programm schulen, da es eben nicht so aufwändig sei. Damit seien Urlaubsvertretungen ohne Probleme zu machen. "Wir müssen nicht unsere Bürger vertrösten, weil der zuständige Sachbearbeiter nicht da ist." Gebhard Graf, Kämmerer von Sasbach: "Ein einziger Datenplan reicht aus, um all das in der Gemeinde abzubilden, was mit Geld zu tun hat." Man brauche nicht mehr wie bislang verschiedene komplexe Programme gleichzeitig zu öffnen und zu bedienen: "Das heißt auch, dass meine Mitarbeiter entlastet und zufriedener sind." Wichtig für die Kämmerer ist auch, dass die Anwendung sowohl in der bisherigen Art der Buchungsdarstellung wie auch in der vieldiskutierten künftigen Darstellung, der "Doppik", möglich ist. Dies gewinnt an Bedeutung vor dem Hintergrund, dass die neue Landesregierung nicht die Doppik als verbindlich durchsetzen, sondern den Kommunen eine Wahlmöglichkeit lassen will, wie Uwe Beck erklärt. "Die bisherige Darstellung ist für kleinere Kommunen sinnvoll, weil sie weniger aufwändig ist."
Für seine Stadt – Rheinau hat 11000 Einwohner – sieht Beck ein Einsparpotenzial von 18 000 Euro jährlich. Heinz Woll, Kämmerer von Renchen (7300 Einwohner), spricht von 10 000 Euro, Graf für das 5500 Einwohner große Sasbach von etwa 8000 Euro. Lauf und Meißenheim, mit rund 3800 Einwohnern etwa gleich groß, rechnen zwischen 3000 und 4000 Euro, die jährlich gespart werden. Wichtiger für die "Rebellen"-Gemeinden ist jedoch die größere Bedienerfreundlichkeit.
Der gemeinsame Wechsel bringe den Vorteil, dass man sich im gegenseitigen Austausch mit der Anwendung des Neuen vertraut mache und die Schulung der Mitarbeiter gemeinsam in der Ortenau stattfinden könne. Data Plan agiert bundesweit. In Baden-Württemberg arbeiten mittlerweile 100 Kommunen mit Systemen der Firma. Meißenheim, Lauf, Renchen, Rheinau und Sasbach sind die ersten aus dem Ortenaukreis, die dem kommunalen Rechenzentrum Freiburg den Rücken kehren.
Autor: rob
