Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
21. Mai 2008
Premiere in der Ortenau
Der neue Impfstoff gegen die Blauzungenkrankheit kam gestern in Rheinau erstmals zum Einsatz
RHEINAU-FREISTETT. Gestern ist in der Ortenau die erste Impfung landesweit gegen die bei Rindern auftretende Blauzungenkrankheit erfolgt. Peter Hauk, baden-württembergischer Landwirtschaftsminister, war eigens nach Rheinau-Freistett auf den Hof des Milchbauern Friedrich Paulus gekommen. Wie Hauk erklärte, steht der Impfstoff erst seit dem Vortag zur Verfügung.
Ein neuer Impfstoff, so der Minister, sei ein Wagnis, das man jedoch angesichts der 1500 erkrankten Tiere landesweit seit dem erstmaligen Auftreten der Krankheit vor rund zehn Monaten eingehen müsse. Ohne Impfung sei ein rasanter Ausbruch der Krankheit zu befürchten. Laut Landestierarzt Klaus Gossger werden zunächst die Tiere in der Region Karlsruhe und längs der Rheinschiene bis Lörrach geimpft. Die Erstimpfung soll hier bis Mitte Juni abgeschlossen sein.Die bei Rindern notwendige zweite Impfung muss in einem zeitlichen Abstand von vier Wochen erfolgen. Sie soll bis Mitte Juli abgeschlossen sein. Man habe in der Ortenau begonnen, weil hier im Sommer 2007 die ersten Fälle in Baden-Württemberg aufgetreten sind: "Und weil diese Region besonders gefährdet ist", so Gossger.
Werbung
Übertragen wird das Blauzungenvirus durch die Gnitze, eine zwei Millimeter große Mückenart. Deren Larven leben im Wasser. "Es ist möglich, dass kühlere und höhere Lagen als natürliche Barriere dienen", hofft Gossgen. Dennoch werde man den Schwarzwald und ganz Baden-Württemberg komplett durchimpfen, 800 000 Rinder, dazu über 400 000 Schafe und Ziegen. Letztere müssten nur einmal geimpft werden, allerdings mit einem anderen Serum, das laut Minister Hauk binnen einer Woche ebenfalls vorliegen soll. Dann werde man auch hier unverzüglich mit der Impfung beginnen, ebenfalls in der Ortenau, mit einer Schafherde.
Man werde dann in die Täler gehen und auch kleine Koppeln mit nur drei oder vier Tieren mit dem Serum immunisieren. Die Impfung muss von Tierärzten durchgeführt werden, die Impfstoffe werden über das Veterinäramt des Landkreises verteilt.
Die Blauzungenkrankheit befällt ausschließlich Wiederkäuer. Für Menschen sei sie ungefährlich. "Dennoch wäre eine Seuche schlecht für die Vermarktung wie auch für das Image der Landwirtschaft insgesamt", erklärte Hauk. "Wir müssen Schaden an den landwirtschaftlichen Betrieben verhindern." Die Kosten für den Impfstoff von rund sechs Millionen Euro teilen sich das Land und die Tierseuchenkasse. Der Impfstoff, so Hauck, reiche aus: "Wir haben genügend bestellt."
Den bislang nur in Spanien und Südfrankreich auftretenden "Serotyp 1" der Krankheit beobachte man, nicht zuletzt, weil Südbaden und somit auch die Ortenau über die Burgundische Pforte generell ein Einfallstor für Krankheitserreger aus dem Mittelmeerraum sei.
Gossgen strebt in absehbarer Zeit nach einem Impfstoff, der alle relevanten Typen der Blauzungenkrankheit abdeckt. Paulus, zugleich BLHV-Kreisvorsitzender der Region Kehl, regte eine Entschädigung der betroffenen Betriebe an. Selbst jene Tiere, welche die Krankheit überlebten, hätten nach wie vor beziehungsweise wiederkehrende Klauenprobleme. Befallene Rinder fressen nicht mehr und verlieren die Klauen, so dass sie nicht mehr gehen können.
Laut Bartenbach trat die Blauzungenkranheit in Deutschland erstmals 2006 in Niedersachsen auf, der erste Fall in Baden-Württenberg wurde im Sommer 2007 festgestellt. Das Kinzigtal sei besonders betroffen gewesen, später auch die Rheinebene. In 155 Betriebe in der Ortenau sei die Krankheit bislang aufgetreten. Sechs der 35 verendeten oder notgeschlachteten Tiere waren Schafe.
Autor: Robert Ullmann
