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16. November 2010

Provokation am Panzergraben

Ein Gebinde mit einer antifranzösischen, revanchistischen Aufschrift an der Gedenkstätte erregt Unmut bei der Gedenkfeier.

  1. Panzergraben Bunt statt Braun Kundgebung zum Volkstrauertag Foto: Josef Budai

RHEINAU (job/obe). Das Rheinauer Bündnis "Bunt statt braun" hat am Volkstrauertag wieder zu seiner Kundgebung "Für Frieden, Toleranz und Völkerverständigung" in die Nähe des "Ehrenmals Panzergraben" auf Rheinauer Gemarkung eingeladen. Ein Gebinde der "Volksdeutschen Elsass-Lothringen" am Mahnmal sorgte bei etlichen Kundgebungsteilnehmern für Unmut.

Mit seiner Aktion zum Volkstrauertag, an dem traditionell an die Oper von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert wird, will das Bündnis "Bunt statt braun" Zeichen setzen, gegen die Präsenz von Neonazis, die in den Vorjahren am Ehrenmal ihr so genanntes "Heldengedenken" abhielten. Beim Ehrenmal Panzergraben wird deutscher Soldaten gedacht, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs hier in einem letztlich sinnlosen Gefecht gegen französische Truppen ihr Leben verloren hatten. Dass hier nicht auch der französischen Gefallenen gedacht wird, ist ein Kritikpunkt des Bündnisses "Bunt statt braun". Vor allem war der jahrelang unbemerkte Aufmarsch der NPD am Panzergraben mit der wichtigste Grund für die Gründung von "Bunt statt braun". Mit seinen Aktionen vertrieb das Bündnis zuletzt die Rechten erfolgreich.

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Einen rechten Aufmarsch gab es auch dieses Jahr nicht. Für Unmut sorgte aber ein dort abgelegtes Gebinde, dessen Absender laut Aufschrift eine Vereinigung "Volksdeutsche Elsaß-Lothringen" sein soll. Vertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierten, dass das Gebinde bei der offiziellen Schweigeminute der Rheinauer Rathausspitze und Vereine geduldet worden sei.

Nach einer Änderung der Friedhofsordnung durch die Stadt Rheinau waren Aufmärsche von größeren Gruppen am Ehrenmal unterbunden worden, so dass im Vorjahr keine Besonderheiten registriert wurden. Unterstützt wurde die Aktion des Bündnisses "Bunt statt braun" in diesem Jahr durch die Ausstellung "Neofaschismus in Deutschland" der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V. (VVN-BdA)", die umfassend über die aktuelle Bedrohung durch den Neofaschismus informiert.

GEW: "Das ist kaum im Sinne einer aktiven Verständigungspolitik"

Beteiligt am Aktionstag waren auch Abordnungen der DGB-Ortsverbände Achern und Kehl-Hanauerland, des DGB Kreisverbandes Ortenau, der Verdi-Gewerkschaftsjugend, der Evangelischen Arbeitergemeinschaft Baden, der Linken-Ortenau, der GEW sowie die AKB Bühl. Bei einer Ansprache forderte Andreas Kirchgeßner, Sprecher des Rheinauer Aktionsbündnisses, zu entschiedenem Vorgehen gegen den Neofaschismus in Deutschland und zum Schutz von Frieden und Völkerverständigung auf. Unterstützt wurde er durch Liedbeiträge von Martin Schütt, Anita Pirrmann und Traudel Kern, die zu friedlichem Miteinander aufriefen.

Bis zum Nachmittag verzeichnete die Polizei, die mit einigen Beamten vor Ort war, keine besonderen Vorkommnisse durch die Aktion. Die Besucherzahl wurde auf 80 bis 100 Personen geschätzt.

Die Nachricht vom niedergelegten Kranz der "Volksdeutschen Elsaß-Lothringen ", wie auf einer Schleife zu lesen war, machte indes schnell die Runde. "Es ist völlig unverständlich, dass eine derart revanchistische, letztlich deutlich antifranzösische Botschaft angesichts eines demokratischen Totengedenkens toleriert wurde", erklärte Barbara Becker, Vorsitzende der GEW Fachgruppe Gymnasien Kreis Rastatt/Baden-Baden gegenüber dieser Zeitung nach der Gedenkveranstaltung. Es könne "kaum im Sinne aktiver Versöhnungs- und Verständigungspolitik sein, solche Symbole zu ignorieren und damit letztlich – wenn auch sicher ungewollt – zu legitimieren".

Der Panzergraben war zuletzt im September dieses Jahres in den Schlagzeilen, als Unbekannte das große zentrale Sandsteinkreuz umgestürzt hatten. Die Täter sind bislang nicht ermittelt.

Autor: obe