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22. November 2010
Schwarz-grüne Mühlenkoalition
CDU und Grüne wollen fürs alte Henco-Inventar Zeit gewinnen.
OFFENBURG. Weder ein Museum noch die Hochschule Offenburg haben Interesse an den noch vorhandenen Teilen der alten Henco-Ölmühle. Auch eine Rekonstruktion der Ölmühle scheidet aus, weil diverse Teile aufgrund unsachgemäßer Lagerung längst verrottet sind. Das geht aus der jüngsten Verwaltungsvorlage für den Gemeinderat hervor, der heute ab 17 Uhr im Salmen tagt und sich einmal mehr mit dem Mühlen-Inventar befassen muss, das die Gemeinde Willstätt als derzeitiger Eigentümer gerne loswerden würde.
Bürgermeister Christoph Jopen hat mehrfach klar gemacht, dass Offenburg kein Interesse an den Mühlenteilen hat. Allenfalls die Übernahme von ausgewählten Einzelstücken als Teil der stadtgeschichtlichen Dokumentation scheint vorstellbar. Auch der Kulturausschuss folgte bislang mehrheitlich der Einschätzung, dass ein Erhalt der Mühlenteile für Offenburg wenig Sinn macht. Wie berichtet hat die CDU-Fraktion eine erneute Debatte über das Henco-Inventar gefordert, weil sie sich im Kulturausschuss von Bürgermeister Jopen überfahren fühlte: Er habe die mehrheitliche Ablehnung einer Übernahme der Mühlenteile mit "einer gewissen Überrumpelungstaktik" (Fraktionschef Kurt Feger) hergestellt. Die CDU brachte eine Einlagerung der Mühlenteile im alten Munitionsdepot im Waltersweirer Wald ins Spiel, um Zeit zu gewinnen.Werbung
Schützenhilfe bekommt die CDU nun durch die Grünen. Ihre Sprecherin Angelika Wald forderte gestern im Vorfeld der heutigen Sitzung, dass die Stadt "das gesamte in Willstätt gelagert Inventar der Henco-Mühle übernimmt". Zudem solle die Stadt für eine sach- und fachgerechte Lagerung sorgen und die Rahmenbedingungen dafür schaffe, dass "eine für alle offene Gruppe" Überlegungen und Planungen zum weiteren Umgang mit dem Mühleninventar aufnehmen könne. Bis spätestens Ende 2012 solle diese Gruppe ihre Überlegungen dem Gemeinderat vorstellen. "Bevor der Gemeinderat nicht über diese Vorschläge beraten hat, wird kein Teil der Sammlung verschenkt oder verkauft", so Wald. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende reagiert damit auf den jüngsten Verwaltungsvorschlag, der, wie am Samstag kurz berichtet, zwei Alternativen vorsieht. Alternative eins steht für die Ablehnung einer Rekonstruktion der Ölmühle, einer Aufstellung von Einzelstücken sowie einer Komplettübernahme des Mühleninventars.
Alternative zwei sieht vor, dass zwar eine Rekonstruktion und Aufstellung von Einzelteilen abgelehnt wird, die noch in Willstätt gelagerten Teile aber gemäß dem CDU-Vorschlag im Munidepot in Waltersweier zwischengelagert werden. Das Museum solle sich in den nächsten vier Jahren darum bemühen, Technik-Liebhaber zu finden, die die Gegenstände erhalten und sinnvoll verwenden wollen. Dabei solle auch die Abgabe von Teilen möglich sein. "Nach Ablauf der vier Jahre werden die Teile entsorgt", schreibt Wolfgang Gall in der Vorlage für den Gemeinderat. Zugestimmt werde indes einer Teilübernahme von Objekten. Der Leiter von Stadtarchiv und Museum macht deutlich, dass das Mühleninventar seit zehn Jahren ungeordnet in Willstätt lagert und wichtige größere Teile seit 1999 ungeschützt im Freien lagern: "Dazu gehören auch wichtige Holzteile, die zwischenzeitlich verrottet sind."
Insgesamt gehe es um etwa 50 Paletten und einen Lagerflächenbedarf von 80 bis 100 Quadratmeter. Das Museum habe sich um Lösungen bemüht, seit klar ist, dass die Gemeinde Willstätt ihre ursprünglichen Pläne für ein Technikmuseum aufgegeben hat. Im Ergebnis sei jedoch keine Lösung gefunden worden. Von "der" Ölmühle Henco könne schon deshalb nicht mehr gesprochen werden, weil wichtige Teile fehlen. Eine Rekonstruktion würde nach Einschätzung der Hochschule einen Millionenaufwand erfordern. Will das Museum für eine "historische Inszenierung" Teile übernehmen, sind dafür zwischen 10 000 und 20 000 Euro erforderlich. Denkbar sei eine Lagerung im Munidepot in Waltersweier, allerdings nicht "auf ewig". Der erforderliche Schwertransport würde rund 5000 Euro kosten: "Sollte sich nach vier Jahren keine Verwendung gefunden haben, würden die Technischen Betriebe mit der Entsorgung beauftragt."
Autor: Helmut Seller
