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22. November 2014

100 Flüchtlingen droht Abschiebung

Freundeskreis Asyl erwartet eine neue Welle / Sparkasse soll für Asylbewerber Bankkonten einrichten.

  1. Herwig Popken wünscht sich, dass Banken für Asylbewerber Konten einrichten. Foto: Martina Proprenter

RHEINFELDEN. Der Freundeskreis Asyl hat in seiner monatlichen Sitzung am Dienstag zahlreiche Neuerungen und erfreuliche Entwicklungen angesprochen, erwartet aber auch eine Abschiebungswelle.

Einen Monat früher als gedacht, nämlich bereits von Januar an, werden die Sodexo-Schecks für Asylbewerber abgeschafft. "Wir begrüßen das sehr", unterstreicht Sprecher Herwig Popken, der die Schecks als entmündigend ansieht. Ideal wäre es für ihn nun, wenn das Geld direkt auf ein Konto ausgezahlt würde, doch das gestaltet sich schwierig. "Die Banken sträuben sich, Konten einzurichten", so seine Erfahrung, sie berufen sich dabei auf das Geldwäschegesetz: "Wenn die Identität unklar ist oder kein Reisepass vorliegt, wird kein Konto eröffnet", so Popken, der Landratsamt und Politik in der Pflicht sieht, zu helfen.

Gerade die Sparkassen als öffentlich-rechtliche Anstalten sollten seiner Meinung nach verpflichtet werden, Konten für Asylbewerber einzurichten. "Ohne Konto geht es heute kaum noch", ist auch die Erfahrung von Christina Wallasch. Eine junge Asylbewerberin hat kürzlich eine Ausbildung zur Arzthelferin begonnen, der Lohn sollte ihr überwiesen werden, was ohne Konto natürlich nicht geht. "Das diskriminiert sie", so Popken.

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Der Freundeskreis möchte zudem ein neues Projekt anstoßen: Um die Integration zu erleichtern, sollen alle Asylbewerber Wörterbücher bekommen, sei es ein Bild-Wörterbuch oder eines in ihrer jeweiligen Muttersprache. "Deutsch ist der Einstieg in die Integration", so Wallasch, "die Asylbewerber sollen von Anfang an die Erfahrung damit machen." Nun hofft der Freundeskreis auf zahlreiche Geldspenden aus der Bevölkerung, damit einheitliche Wörterbücher gekauft werden können.

Als Hilfe zur Integration hofft Popken zudem darauf, dass eine zweite Klasse an der Gewerbeschule angeboten wird, die nur für Flüchtlinge ist. Seit rund einem Jahr haben Jugendliche schon die Möglichkeit, dort ihren Hauptschulabschluss zu machen und von der Berufsvorbereitung zu profitieren. Bisher fehlen für eine weitere Klasse noch Lehrer, auch die Finanzierung ist laut Popken noch unklar, allerdings habe das Schulamt seine Bereitschaft dazu signalisiert. Zwar sieht sich der Freundeskreis mit Deutschkursen im Kreis sehr gut versorgt, würde aber gerne noch einen weiteren Kurs anbieten, der speziell für Analphabeten gedacht ist. Dieser Alpha-Kurs würde besonders Frauen zugute kommen, so die Erfahrung.

Nach der umstrittenen Gesetzesänderung vom September, in der Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sogenannte sichere Herkunftsländer eingestuft werden, wodurch es einfach wird, Asylbewerber aus diesen Ländern zurückzuschicken, ist die Angst vor einer Abschiebungswelle allgegenwärtig. Etwa 100 der 420 Asylbewerber in der Schildgasse sind davon betroffen, so Popken.

Autor: Martina Proprenter