Anerkennung für eine Gesamtleistung

Rolf Reißmann

Von Rolf Reißmann

Di, 11. Dezember 2018

Rheinfelden

Kreishandwerkerschaft Lörrach ehrt in Rheinfelden rund 140 Altmeister mit goldenen, diamantenen und eisernen Meisterbriefen.

RHEINFELDEN. Einmal im Jahr lädt die Kreishandwerkerschaft ihre Senioren ein. Am Sonntag wurden im Bürgersaal Rheinfelden erneut Handwerker geehrt, die vor 40, 50 oder gar 60 Jahren ihren Meisterbrief erwarben. Kreishandwerksmeister Michael Schwab stellte dies als Anerkennung für die Gesamtleistung der Senioren dar, die sie sowohl in ihrem Gewerk als auch mit ihrem Wirken in der Gesellschaft insgesamt erbrachten.

So gehört es zum langen Arbeitsleben vieler Handwerker, in den Kommunen oder Vereinen aktiv zu sein. Schwab erinnerte an den Wandel, den es im Laufe der aktiven Tätigkeit der heutigen Altmeister gab. So sei es in jenen Jahren, als sie ihre Firmen eröffneten oder übernahmen, noch üblich gewesen, Bestellungen per Telefon zu erledigen und Aufträge per Post zu versenden. Termine wurden überwiegend im persönlichen Gespräch an der Haustür der Kunden oder in der Werkstatt vereinbart und bezahlt wurde bar. Dies zeige auch, wie umfangreich sich Abläufe und Möglichkeiten in den Betrieben veränderten.

Geblieben sei die Hand- und Kopfarbeit, aber in völlig anderer Form. "Heute kommunizieren nicht nur die Menschen miteinander, heute verständigen sich Maschinen untereinander über den Arbeitsverlauf", beschrieb Schwab. "Wo früher der Vorlauf für ein Angebot oder die Auftragsbearbeitung ein bis zwei Wochen betrug, ist dies auf einen Zeitraum von wenigen Stunden geschrumpft." Ruhezeit könne man sich nicht mehr erlauben und wohl auch nicht mehr vorstellen.

Gerade deshalb sei die Leistung all jener Handwerker besonders zu achten, die die Jahre des Umbruchs aktiv mitgestalteten. Auch Rheinfeldens Bürgermeisterin Diana Stöcker verwies auf die hohe Flexibilität der Handwerksfirmen. Für nahezu alle kommunalen Projekte werden örtlich ansässige Handwerksbetriebe benötigt, sie seien es, die erhebliche Anteile an Sanierungen oder Neugestaltungen der Städte und Förderer ausführen, sehr schnell das Funktionieren notwendiger Abläufe gewährleisten oder wiederherstellen. Kommunalverwaltungen sei bekannt, wie auch die Handwerksfirmen unter dem Fachkräftemangel leiden. "Gerade deshalb kommt der anspruchsvollen Nachwuchsausbildung hohe Bedeutung zu, der Kreis hat mit seiner Neustrukturierung der Berufsschulen gute Voraussetzungen dafür geschaffen", sagte sie.

Johannes Ulrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, verwies auf die Tradition vieler Familienbetriebe. Erfolg sei in kleinen Firmen vor allem deshalb zustande gekommen, weil die gesamte Familie mit zupackte. Dies bleibe auch wichtig. Handarbeit werde eben so wenig aussterben wie auf fachliches Können und lebenslange Qualifikation verzichtet werden könne.

Etwa 140 Handwerksmeister erhielten die goldenen, diamantenen oder eisernen Meisterbriefe. Dabei fielen auch Gewerke auf, die inzwischen nur noch in geringer Zahl betrieben werden, so etwa Schuhmacher-, Modisten- oder Glasinstrumentenmachermeister.