Bach mit ganz neuen Ohren hören

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 12. März 2018

Rheinfelden

Zum zweiten Mal veranstaltet die Musikschule Oboentage / Auftakt mit besonderen Inventionen.

RHEINFELDEN. Bühne frei und Ohren auf für ein ganz besonderes Instrument hieß es bei den zweiten Oboentagen der Musikschule. Den Auftakt zu dieser Konzertreihe machte der Abend unter dem Titel "Bach und die Moderne" im Lichthof des Georg Büchner-Gymnasiums, wo Schüler aus den Oboenklassen von Martin Fischer und Ingo Balzer teils zusammen mit ihren Lehrern in wechselnden Triobesetzungen Inventionen von Johann Sebastian Bach spielten.

Martin Fischer, der an den Musikschulen Rheinfelden und Lörrach unterrichtet, erzählte, wie es zu diesem ungewöhnlichen Programm gekommen ist. Zu seinem 40. Geburtstag habe er von zwei Schülerinnen alle Inventionen von Bach in Bearbeitungen für Oboentrio geschenkt bekommen. Davon profitierten die Oboenklassen heute noch, sagte Fischer. Die dreistimmigen Inventionen seien für die Ausführenden eine enorme Herausforderung an Konzentration, Rhythmus und Zählen, meinte der erfahrene Oboenlehrer zur pädagogischen und didaktischen Bedeutung dieser Stücke, die ursprünglich für Tasteninstrumente geschrieben wurden.

Bei den Oboentagen erklangen zwölf Inventionen, gesetzt für zwei Oboen und Englischhorn. Aufgeteilt wurden sie in vier Blöcke. Vier Trios spielten jeweils drei Inventionen. Insgesamt waren elf Mitwirkende beteiligt, vorwiegend fortgeschrittene erwachsene und jugendliche Oboenschüler aus Fischers Klassen in Rheinfelden und Lörrach, aber auch aus der Klasse von Ingo Balzer an der Musikschule Sissach.

Die Trios, bei denen teilweise Fischer und Balzer mitspielten, überzeugten durch sehr ausgefeiltes und präzises Spiel. Die Oboenstimmen waren klar und transparent durchhörbar und genau ausgeleuchtet. Es war imponierend zu hören, wie tonlich und gestalterisch hervorragend und rhythmisch prägnant die beiden Oboenpädagogen mit ihren Schülern den Bach’schen Klangkosmos erarbeitet haben. Die vier Trios schafften es, den Zuhörern diese dreistimmigen Sätze in aller Klarheit, Konzentriertheit und Sorgfalt nahezubringen und die polyphonen Klangwelten Bachs zu durchleuchten.

Einen interessanten und reizvollen Kontrast zu den vier Bach-Blöcken bildeten Solostücke aus dem 20. Jahrhundert, drei Metamorphosen nach Ovid von Benjamin Britten. Vom Treppenhaus herunter spielten Julia Rechsteiner und Tabea Kunde diese Stücke über "Pan", "Bacchus" und "Phaeton" für Solo-Oboe. Die solistischen Oboenstimmen klangen in diesen Metamorphosen mal meditativ, mal effektvoll und wirkten wie pointierte Intermezzi zwischen den mehrstimmigen Bach-Stücken. Auch der neue Musikschulleiter Bernward Braun war beeindruckt davon, wie man bei diesem Konzert "Bach mal mit ganz neuen Ohren hören konnte". Man sei an der Musikschule auch stolz darauf, so einen großen Oboenbereich zu haben. Der Auftakt mit Bach und Moderne sollte schon mal "Appetit" machen auf die weiteren Veranstaltungen der Oboentage. So wurden beim Werkstattkonzert junge Oboensolisten von Streichern begleitet. Beim Auftritt des von Fischer und Balzer geleiteten Orchesters "Swinging Auloi" versammelten sich gar 60 Oboisten und Fagottisten, um in einem bunten Programm zu zeigen, was sich an staunenswerten Klängen aus einer so gigantischen Oboenbesetzung herausholen lässt. Auch grenzüberschreitend waren bei einer Matinee in der Musikschule im schweizerischen Rheinfelden junge Oboentalente zu hören: ein Wochenende ganz im Zeichen dieses Blasinstruments, das so einen geschmeidigen und sprechenden Klang hat.