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31. Dezember 2014

Bekenntnis zu Toleranz und Hilfe

Großer Beifall für die Verleihung des Bürgerpreises an den Freundeskreis Asyl / Vorsitzender Norbert Dietrich lobt das Engagement.

  1. Großer Augenblick: Herwig Popken (rechts) nimmt aus der Hand von Norbert Dietrich (Vorsitzender der Bürgerstiftung) die Bürgerpreis-Stele für den Freundeskreis Asyl entgegen. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  2. Jörg Hinderer reicht die Bürgerpreisurkunde an die Gruppe weiter. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  3. Feierliche Note: Ein Violin-Trio der Musikschule Rheinfelden gestaltete den musikalischen Rahmen. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Der Applaus von über 100 Teilnehmern bei der Bürgerpreis-Verleihung fiel überzeugend aus: Er bestätigte die Entscheidung, die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung dem Freundeskreis Asyl zu geben. Angesichts der Flüchtlingsproblematik versteht sich die Würdigung auch als gesellschaftliches "Zeichen". Der Preis stärkt das große ehrenamtliche Engagement. Norbert Dietrich betonte als Vorsitzender der Bürgerstiftung die "ethische Pflicht" Flüchtlingen zu helfen und freute sich, dass Rheinfelden sich mit gutem Beispiel offen und tolerant zeigt und Integration fördere.

Der aktive Kern der Ehrenamtlichen, die im Freundeskreis Aufgaben erfüllen, umfasst etwa 30 Personen. Einige aus der Gruppe waren am Montag zur Preisverleihung gekommen und freuten sich über die Anerkennung ihrer Arbeit. Norbert Dietrich skizzierte die "große Bandbreite". Die Leistungen des Freundeskreises bestehen aus materieller und ideeller Unterstützung durch Hilfe bei Beratungen, Integrationsmaßnahmen und Feste, "die Menschen einander näher bringen". Der Freundeskreis ist vernetzt mit Volkshochschule, Diakonie, sozialen Einrichtungen und Ämtern. Dabei finanziert sich die Arbeit "allein durch Spenden", betonte Dietrich in seiner Laudatio.

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Gegenpol zu Protesten
Die 2500 Euro sollen die Fortsetzung der Arbeit unterstützen und die Motivation stärken und profilieren. Der Vorsitzende verband die Verleihung auch mit der Botschaft, dass der Preis einen "Gegenpol zu den Protesten" darstelle, die vor Überfremdung warnen und Angstmacherei vor einer Islamisierung verbreiten.

Der Bürgerpreis verstehe sich, so Dietrich, außerdem als Beitrag zur öffentlichen Anerkennung, der zu gesellschaftlichen Bewusstseinsbildung beitrage. Dietrich betonte, dass der Freundeskreis Asyl alle Vorgaben nach den Statuten der Bürgerstiftung durch vorbildliches bürgerschaftliches Engagement erfülle und wünschte sich mit Dank für das "große menschliche Engagement", dass die große Gemeinschaft weiter durch die Aufgabe zusammengehalten wird. "Niemand in Europa kann sich vorstellen, dass es eine solche Barbarei geben kann und doch gibt es sie", erinnerte Dietrich an Völkermorde und dass Menschen anderer Gesinnung weltweit dahingemetzelt werden. Dass der Freundeskreis Flüchtlingen beisteht, die größtenteils keine Abenteurer sind, sondern "aus Verzweiflung ihre Heimat verlassen", ehre die engagierte Schar von Hilfswilligen. Auch Bürgermeister Rolf Karrer lobte den Freundeskreis als "Gesicht der Stadt auf diesem gesellschaftlichen Segment".

Dank an die offenen Bürger
"Vorgestern war ich im Heim", schilderte Herwig Popken in seiner Dankesrede sein Erlebnis mit einem syrischen Jungen, das freudig motiviert: Der Kleine sah zum ersten Mal Schnee, war begeistert und zugleich entsetzt, dass er kalt war und erstaunt, dass er schmilzt. "Solche Momente können Sie erleben, wenn Sie mitarbeiten", gab Popken den Gästen im Saal mit und dazu ein Bild, das die Arbeit des Freundeskreises symbolisch beschreibt: Er ist ein Schlitten, den man nur noch zu steuern braucht, um anzukommen.

Popken bezeichnete den Freundeskreis als "urdemokratische Gruppe", die seit zehn Jahren gleichberechtigt ohne Vorstand und Vorsitzenden zusammenarbeitet. Die Freude über den Preis ist groß, weil sie "unsere Arbeit" anerkennt, sie helfe, mit "mehr Enthusiasmus weiterzumachen". Die 2500 Euro als "finanzielle Spritze" sind sehr willkommen, denn der Freundeskreis braucht laut Popken monatlich etwa 500 Euro für die Flüchtlingsarbeit für Sprachkurse bei der VHS oder Fahrtkosten. Freude bereite der Preis auch, weil er dazu beitrage, dass "weitere Leute" dazukommen. Popkens Dank ging auch an "die Bürger, die hier offen sind". Er äußerte die Hoffnung, dass es weiter gelingt, dass Ämter ihren "Ermessensspielraum" nutzen. "Wir haben fast alle Bastionen der Bürokratie mit unserem Charme überwältigt", erinnerte er als Voraussetzung zur erfolgreichen Arbeit.

Weitere Fotos von der Feierstunde sind online unter: mehr.bz/Buergerpreis14.

Freundeskreis Asyl

Mit der Glasstele und 2500 Euro zeichnete die Bürgerstiftung bereits zum achten Mal eine Gruppe für ein herausragendes bürgerschaftliches Engagement in der Stadt aus.

Der Freundeskreis Asyl als aktueller Preisträger setzt sich aus einer Kerngruppe von etwa 30 Aktiven zusammen, wird aber von weiteren 100 Personen ehrenamtlich unterstützt.Die Gruppenarbeit wurde 2004 durch den Abschiebefall der syrischen Familie Murad intensiv und löste eine Initialzündung auf breiter Basis aus. 750 Mahnwachen mit bis zu 250 Teilnehmer gab es seither.  

Autor: ibö

Autor: Ingrid Böhm-Jacob