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08. September 2011

Chemikanten überraschen

Gewerbeschule richtet doch zweite Klasse ein / 23 starten ins TG / Metallfachschüler gesucht.

  1. Richard Krischak erwartet die neuen Schüler des Technischen Gymnasiums an der Gewerbeschule. Foto: Peter Gerigk

RHEINFELDEN. 23 Schüler bilden die erste Eingangsklasse des neuen Technischen Gymnasiums (TG) an der Gewerbeschule, deren neuer Leiter Jürgen Maulbetsch damit zufrieden ist: "Wir hatten ja wenig Zeit, auf das neue Bildungsangebot aufmerksam zu machen." Andere Schulen, die das TG einführten, haben seines Wissens kleinere Klassen. Maulbetsch ist zuversichtlich, nächstes Jahr wie gefordert zwei Klassen bilden zu können.

Zwei Züge werden vom Kultusministerium gefordert, damit das neue Profil sich wirtschaftlich rentiert und tragfähig angeboten wird. "Mit steigendem Bekanntheitsgrad", erwartet Maulbetsch, "werden wir ungefähr 40 Schüler erreichen."

Fast alle TG-Schüler leben am Hochrhein, die meisten in Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen. Auch aus Schwörstadt und Bad Säckingen haben sich einige angemeldet, die die allgemeine Hochschulreife absolvieren und vielleicht einmal Diplom-Ingenieur werden wollen. Das Profil Umwelttechnik ist in der Region ein Alleinstellungsmerkmal. Die nächste der zehn Gewerbeschulen, die in Baden-Württemberg den Zuschlag für das neue Profil bekamen, befindet sich in Freiburg.

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Um das TG an den Start zu bringen, wurde in Rheinfelden ein ziemlich großer Aufwand betrieben, besonders organisatorisch, betont Maulbetsch. Kurz vor dem ersten Unterrichtstag am Montag sieht er die Einrichtung personell gut aufgestellt: "Wir können uns wirklich nicht beklagen." 100 Prozent des Pflichtunterrichts werden abgedeckt, auch mit dem Wahlunterricht könne man zufrieden sein.

Etwa zehn Lehrer werden am TG unterrichten, nur einer von ihnen ist neu. Für Mathematik und Physik im Profil Umwelttechnik bekam das TG die beantragte Lehrkraft. Leiter des Technischen Gymnasiums ist Richard Krischak, der auch die Abteilung Metall leitet. Hohe Investitionen für die technische Ausstattung waren laut Maulbetsch nicht nötig.

Den Zuschlag für die neue Schulart bekam Rheinfelden aus mehreren Gründen: Hier lässt sich die Vorgabe der Landesregierung gut umsetzen, die Standorte breit zu streuen. An der Hardtstraße stimmt auch die Infrastruktur, und die Lehrkräfte sind in der Lage, den Stoff zu unterrichten. Zudem gibt es die Nähe zu den Firmen der Chemie und Umwelttechnik.

Im Tausch fürs TG gab die Gewerbeschule das einjährige technische Berufskolleg an Schopfheim ab, betrachtet den Standort aber dennoch als aufgewertet. "Personell wurde bei uns ersetzt, was verloren wurde", fasst Maulbetsch die Lehrersituation zusammen. Vier Lehrer gingen, drei kamen – in Deputaten gerechnet ginge dies genau Null auf Null auf.

Der Rückgang der Schülerzahl in der Ausbildung zu Laboranten, Chemiekanten und Pharmakanten ist gestoppt, der Trend zeigt leicht nach oben. Mit der Zahl der angehenden Chemiekanten ist Maulbetsch sogar sehr zufrieden – vor allem dank der Firma Evonik, die deutlich mehr ausbildet. Gerade musste der Stundenplan zur Überraschung der Lehrer nochmals umgeschrieben werden, weil es doch wieder zwei Eingangsklassen geben wird. "Das machen wir in diesem Fall gerne. Wir hoffen, wir haben die Talsohle durchschritten", sagt Maulbetsch.

Dagegen klemmt es am meisten bei der einjährigen Berufsfachschule Metall, den künftigen Installateuren – ein Beruf mit guter Perspektive: "Die bauen einmal, was unsere Umwelttechniker sich ausgedacht haben", erklärt Krischak, der gerne noch Anmeldungen annehmen würde.

Autor: Peter Gerigk