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13. Juni 2012

"Die Brücke ist nicht wegzudenken"

BZ-UMFRAGE: Zum Jubiläum fallen vielen Rheinfeldern Geschichten ein, die sie auf, bei und wegen der alten Steinbrücke am Rhein erlebt haben/.

  1. Roland Kistner Foto: Martina Proprenter

  2. Enrico Lamano Foto: Martina Proprenter

  3. Patrick Gantenbein Foto: privat

  4. So sieht der Brückenschlag über den Rhein zum Schweizer Ufer von Rheinfelden/Baden aus. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  5. Sabine Diezinger Foto: Martina Proprenter

Hundert Jahre ist das Objekt der Feierlichkeiten alt und hat schon einiges mitgemacht. Auf der Rheinbrücke wurde gekämpft, sie Stand Modell für Fotografen und Künstler und hat fünf (Ober) Bürgermeister kommen und gehen sehen. Kurz vor dem Jubiläum erstrahlt sie frisch saniert. Die Brücke nimmt im Leben der Bürger eine wichtige Rolle ein uns ist mit Erlebnissen verbunden.

Günter Friedlin (Stadtbusfahrer)
Die Brücke ist etwas Wunderbares. Seit 1995 fahre ich schon für den SBG, seit die Brücke für den privaten Verkehr gesperrt ist, fährt es sich viel angenehmer. Sie ist wie ein Magnet, das kann ich täglich beobachten, in der Frühschicht überfahre ich sie siebenmal. Es geht immer zu wie in einem Bienenstock. Ich komme aus dem Kleinen Wiesental, zu Fuß bin ich eher selten auf ihr unterwegs, mein tägliches Brot ist es, darauf zu fahren und das mache ich sehr gerne. Ich schaue mir im Schritttempo den Rhein an, beobachte das Hochwasser oder brütende Schwäne. Jeden Tag gibt es ein neues Ereignis zu sehen, vielleicht gehe ich auch zum Brückenfest, ich fühle mich als Teil von ihr.

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Rolf Brugger (Geschäftsführer)
Ich verstehe mich als Bürger beider Rheinfelden, habe 30 Jahre in Rheinfelden-Schweiz gelebt, bevor ich wieder nach Rheinfelden gezogen bin, daher spielt die Brücke für mich eine große und spezielle Rolle. Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge darauf. Lachend, weil ich ganz nah wohne und mich über wenig Verkehr freue. Weinend, weil der Umweg über die Autobahnbrücke eine üble Wegstrecke ist, um auf die Schweizer Seite zu kommen. Zu Fuß gehe ich oft und gerne über die schön modernisierte Brücke. Ich erinnere mich, wie ich als Kind bei der Brückenöffnung 1948/49 als einer der Ersten mit meiner Mutter in die Schweiz gehen durfte.

Roland Kistner (Künstler)
Ich bin 200 Meter flussabwärts der Brücke geboren und lebe nun 300 Meter flussaufwärts von ihr. Am Wochenende gehe ich oft darüber, wenn ich mit meinem Hund eine große Runde, vorbei am Fischaufstiegsgewässer und auf Schweizer Seite zurücklaufe. Ich bin schon unter der Brücke durchgeschwommen und getaucht. Wer in Rheinfelden geboren ist, kann sie sich gar nicht wegdenken, sie ist einfach da, wie der Fluss auch. Brücken haben immer etwas Verbindendes und zeigen die Leistung eines Menschen, der sie konstruiert hat. Was die wenigsten wissen: Auf den Euroscheinen sind nur Brücken zu sehen.

Karlheinz Hoppe
(Haus Salmegg Verein)

Brücken sind primär die Möglichkeit zur Überwindung von Hindernissen und Grenzen oder Aufbruch zu neuen Zielen. Unsere Rheinbrücke ist für mich das Tor in ein benachbartes und befreundetes Land und in unsere Nachbarstadt, die Geschichte hat, Stil und interessante Menschen und Freunde. Sie ist - ohne Verkehr jetzt - Begegnungsstätte zu besonderen Anlässen und kulturellen Höhepunkten beider Städte am Rhein. Sie ist insofern eine wirkliche Brücke.

Hubert Peitz (Gründungsmitglied
Kulturförderkreis)

Für mich als Bewohner in nächster Nähe sind die lauten Veranstaltungen, die bis in die Nacht gehen nicht schön, aber das Problem haben sicherlich auch Anwohner beim Trottoirfest. Ich benütze die Brücke oft und gerne, auch als die Baustelle war und besorge in Rheinfelden (Schweiz) Einkäufe, die es bei uns nicht gibt, oder wir machen Spaziergänge bis zum Kraftwerk. Wenn wir Besuch haben, gehen wir über die Rheinbrücke und zeigen die schöne Altstadt von Rheinfelden (Schweiz). Bedauerlich ist nur, dass ich bei schlechtem Wetter mit dem Auto den Umweg fahren muss, weil die Brücke für Verkehr ja gesperrt ist. Eigentlich ist das Verbot gut, durch die Modernisierung hat die Brücke auch enorm gewonnen, für mich ist sie insgesamt sehr angenehm.

Enrico Lamano (Gastronom)
Wir sind in einer historisch glücklichen Lage, das älteste Haus der Stadt nutzen zu können. Das Haus Salmegg wird ja vor allem für die Kultur genutzt und die Gastronomie ist ja auch ein Teil der Kultur. Die Brücke gibt dem Ganzen einen zusätzlichen Touch, gerade jetzt, wo sie frisch renoviert ist. Bei der Zusammenarbeit beider Rheinfelden hat sie eine absolute Mittelrolle, beide Städte wollen ja näher zusammenrücken. Mich erinnert die Lage an den Süden, das Haus im Jugendstil auf Florentiner Art und die Brücke mit ihren Bögen, dazu dann natürlich auch noch das Wasser. Ich gönne mir immer wieder die paar Minuten, um über sie zu laufen, atme die Luft ein und reiße das Flair an mich. Wir schätzen oder sehen das, was direkt vor unserer Nase ist oft viel zu wenig. Gäste, die aus dem Ausland zu uns kommen, aus China oder Amerika, fällt die Kinnlade herunter bei unserem Ausblick.
Sabine Diezinger (Historikerin)
Als Historikerin sehe ich die Brücke mit einem anderen Blick. Ich denke gerne an die schönen Veranstaltungen, die grenzenüberschreitend auf ihr angeboten wurden, auch das Silvesterfeierwerk sieht man von der Brücke aus besonders schön. Mir kommt das Zitat von Hermann Steinegger in den Sinn, "Wenn wir die Geschichte so verfolgen, gibt es wohl kaum eine Rheinbrücke, die so viel mitgemacht hat, wie die Brücke in Rheinfelden". Heute ist die Rheinbrücke ein Symbol von Frieden und grenzenüberschreitender Zusammenarbeit. Von meinem Arbeitsplatz im Haus Salmegg aus habe ich einen tollen Blick auf den Rhein und die Brücke, meine Verbindung zu ihr resultiert vor allem aus meiner Arbeit heraus.

Rudi Vogel (Architekt)
Spontan würde ich sagen, die Brücke ist das Tor zur Welt, das Tor zu Deutschland. Ich war schon als Schuljunge auf ihr unterwegs, allerdings verbinde ich damit ein unangenehmes Erlebnis, ich musste zum Zahnarzt. Positive Besuche gab es natürlich auch, ich ging über sie, um Teile für meine Modelleisenbahn zu bekommen. Als Architekt bewundere ich die Brücke als Zeitzeichen der Brückenbaukunst, man sagt auch, sie wäre vor Basel die erste Brücke gewesen, die über den Rhein führt. Ich bin mir sicher, ohne die Brücke wäre die Stadt Rheinfelden nicht möglich gewesen und heute ist sie eine Chance für beide Nachbarstädte, zusammenzuwachsen. Gerade durch den Umbau und die Modernisierung auf deutscher Seite sind die Städte noch enger zusammen gewachsen, was ihr jetzt aber noch fehlt, ist ein direkter Zugang vom Brückenkopf zum Friedrichsplatz.

Patrick Gantenbein
(Schweizer Grenzwächter)

Als junger Grenzwächter habe ich in den 90er Jahren an der Brücke gearbeitet. Da sie nicht gradlinig verläuft, hörten wir zuerst die von Deutschland kommenden Fahrzeuge und erblickten diese erst ein paar Sekunden später. Zum Arbeiten war es nicht immer einfach, die Platzverhältnisse waren sehr eng. Bei Personen- und Zollkontrollen mussten wir die Autos praktisch um das Zollhaus herumstellen, damit der Verkehr noch weiter rollen konnte. Besonders gefordert waren wir während der Sommerferien, wenn viele ausländische Touristen mit Wohnanhängern über die Brücke fuhren. Wegen seiner Lage war unser Grenzposten von Überschwemmungen gefährdet, wir mussten mehrmals wichtige Gegenstände in Sicherheit bringen. So auch im März 1999, als sich wegen des Hochwassers ein kleiner See vor dem Zollgebäude gebildet hatte und die Grenzbrücke gesperrt wurde. Seit vielen Jahren arbeite ich in der Zentrale der Schweizer Grenzwache in Basel. Gelegentlich führt mich mein Dienst für Fotoaufnahmen oder Reportagen wieder zur ihr, dann bin ich immer wieder von ihr fasziniert. Für mich ist sie eines der schönsten Bauwerke in der Nordwestschweiz.

Autor: Martina Proprenter