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23. Januar 2017

Die Innenstadt geht alle an

Gustav Fischer warnt für den Gewerbeverein vor neuer Fußgängerzonen-Diskussion / Diana Stöcker plädiert für Kompromisse.

  1. Interessiert und anerkennend nahmen die Teilnehmer beim Empfang die Reden auf. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  2. Für den Gewerbeverein sprach Vorsitzender Gustav Fischer für die Stadt Bürgermeisterin Diana Stöcker. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

  3. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Das Thema Innenstadt und ihre weitere Entwicklung stand im Mittelpunkt der Betrachtungen beim Gewerbeverein. Vorsitzender Gustav Fischer appellierte beim Empfang am Freitagabend an die Mitglieder aus Einzelhandel, Gewerbe und Dienstleistung, sich zu engagieren, und in den Anstrengungen um Attraktivität zur Kaufkraftbindung nicht nachzulassen. Bürgermeisterin Diana Stöcker sprach sich dafür aus, Kompromissfähigkeit zu entwickeln für den Bereich Fußgängerzone. Die Innenstadt gehöre nicht nur einer Interessengruppe.

Die Sparkasse Lörrach-Rheinfelden erwies sich erneut als guter Gastgeber. Filialdirektor Klaus Schäuble eröffnete den Abend mit einem überschaubaren Teilnehmerkreis, zu dem auch die Vertreter der vier Fraktionen im Gemeinderat zählten. Dabei erinnerte er die Gäste, die noch unter dem zwiespältigen Eindruck von der Einführungsrede des neuen US-Präsidenten standen, dass es bei allen Schwierigkeiten viel Positives gebe, denn: "Uns geht es gut" in der Region und der Stadt. Er appellierte an Zuversicht und mit Selbstvertrauen, Mut und Willen zu agieren. Mehr Gelassenheit und lösungsorientierte Diskussionen führen zu Konzepten, denen auch Taten folgen.

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Keine neue Fußgängerzone
Der Vorsitzende Gustav Fischer betonte für den Gewerbeverein, dass ein "erfolgreiches bewegtes Jahr" hinter Rheinfelden liege, aber "die Anstrengungen aller Beteiligten haben sich gelohnt." Seine Anerkennung für privaten Einsatz, damit die Stadt "aus dem Tal der Tränen" herauskommt, galt auch Rolf Brugger, der mit dem Hochrheincenter den "Zündfunken" für die gute neue Entwicklung gegeben habe. Positiv bewertete Fischer die im Zentrenkonzept nachgewiesene gestiegene Kaufkraft in Rheinfelden.

Mit Blick auf geplante neue Geschäftsprojekte in der Güter- und Kapuzinerstraße appellierte er an die Stadtverwaltung, weiterhin "so aufgeschlossen" zu begleiten und die Projekte "nicht einer Zäsur" zu unterziehen. Fischer warnte vor einem "ständigen Zündeln mit der Fußgängerzone." In der Festigungsphase des Hochrheincenters und vor dem Start in die zweite Bauphase sei dies ein "vergiftetes Geschenk." Er warnte davor, die Forderung Fußgängerzone zur "strukturellen Stärkung der Innenstadt hoch zu jazzen."

Schwachstellen beseitigen
Dem Einzelhandel schrieb Gustav Fischer ins Stammbuch, die Zeit zu nutzen und sich den im "Zentrenkonzept dargelegten Schwachstellen" zu widmen. Dazu gehören ansprechende Geschäftsfassaden, einheitliche Öffnungszeiten und Internetauftritte. Das Zentrenkonzept lobte der Vorsitzende als Überblick über Stärken und Schwächen, es stelle einen "Almanach" für die am Wirtschaftsleben Beteiligten dar. Für die Kommunalpolitik liefere die Analyse "verbindliche Hilfen für Entscheidungen". Dass immer mehr Investoren sich für Rheinfelden interessieren, wertete er als ein gutes Zeichen und Auftrag an Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung im "Dreiklang" Rechnung zu tragen. Begrüßt wurde der Flächenzuwachs mit dem Gewerbegebiet "Einhäge" im Sommer. Zufrieden kommentiert Fischer, dass die Diga auf Schloss Beuggen weitergeht, womit das Unternehmen Süma ein Alleinstellungsmerkmal für Rheinfelden geschaffen habe.

Kompromiss Fußgängerzone
"Wir sind gut, können aber noch besser", betonte Bürgermeisterin Diana Stöcker im Fazit zur Strukturanalyse des Zentrenkonzepts. Die Informationen bilden eine "wichtige Leitlinie bei der städtebaulichen Entwicklung." Dabei vertrat sie auch eine klare Linie, wie die Innenstadt aussehen soll. Bei einem prognostizierten Verkaufsflächenwachstum auf 23 000 Quadratmeter bis 2025 sprach sich Stöcker für mehr Angebot aus. "Das ist keine Konkurrenz, sondern Bereicherung". Um zu punkten, lohne es sich in eine gepflegte Atmosphäre zu investieren, denn wer auf Qualität schaue, gehe weiter in seiner Stadt einkaufen. Deshalb müsse das "Gesamtpaket stimmen".

Unter diesem Gesichtspunkt setzte sich die Bürgermeisterin auch mit den vielfältigen Ansprüchen von Geschäftsleuten, Kunden, Passanten und Jugend auseinander: "Jeder hat ein Recht auf die Innenstadt". Im Alltag sieht das so aus: Die einen möchten einkaufen, andere beobachten, sich aufhalten, wieder andere eine schnelle Zulieferung, Parkplätze vor der Ladentür. Um die Interessenkonflikte zu lösen, könne es nur Konsens im Kompromiss geben. Ziel müsse deshalb sein: "eine Lösung, mit der alle leben können". Das übergeordnete Interesse der Allgemeinheit sei dabei auszuhalten.

Eindrücke mit Fotos vom Empfang des Gewerbevereins sind unter: http://mehr.bz/gewerbe17

Autor: Ingrid Böhm-Jacob