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10. Februar 2012

"Die Vögel sind hungrig"

BZ-INTERVIEW: Vogelkundler Karl Kuhn informiert über das richtige Füttern im Winter.

  1. Ornithologe Karl Kuhn Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Draußen erstarrt die Welt in klirrender Kälte, doch diese Welt ist Lebensraum vieler Tiere, die nicht in die warme Stube gehen können. Wie geht es den einheimischen Vögeln bei diesen tiefen Temperaturen? BZ-Mitarbeiterin Danielle Hirschberger sprach mit Karl Kuhn, der im vorigen Jahr als engagierter Naturschützer mit der Verdienstmedaille in Silber ausgezeichnet wurde.

BZ: Wie geht es unserer Vogelwelt bei dieser Kälte?

Karl Kuhn: Trockene Kälte, so wie wir sie zurzeit haben, schadet den Vögeln nicht. Darauf sind sie von Natur aus eingerichtet. Gefährlich kann Eisregen werden, wenn das Gefieder nass wird, und die Äste und Zweige der Bäume und Sträucher mit einem Eispanzer überzogen sind, sodass die Vögel nicht mehr an Spinnen und Insekten kommen, die unter der Rinde und in Ritzen und Spalten verborgen sind. Neben der Kälte kann aber auch eine geschlossene, hohe Schneedecke für die Vögel problematisch werden. Zum Glück haben wir im Augenblick nur wenig Schnee, sodass die Vögel an offenen Stellen Nahrung finden.

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BZ: Wie sinnvoll ist eine Fütterung der Vögel im Winter?

Kuhn: Der Winterfütterung standen früher viele Naturschützer skeptisch gegenüber. Pro und Kontra wurden heftig diskutiert. Der Streit hat sich gelegt, und die meisten Ornithologen sehen den Vorteil und Nutzen der Winterfütterung, eine Einstellung, die auch der NABU vertritt. Am Futterplatz lassen sich die Vögel aus nächster Nähe beobachten. Es macht Kindern und Erwachsenen Freude, den Singvögeln zuzuschauen, sie kennen zu lernen und zu beobachten, wie sie sich verhalten. Aber auch die Vögel, die ans Futterhaus kommen, profitieren vom ausgelegten Futter. Die Kälte zehrt an den Kräften. Die Vögel verbrauchen viel Energie um die Körpertemperatur von 40° C aufrechterhalten. Eine Kohlmeise verliert in einer Kältenacht mehr als 10 Prozent ihres Gewichts. Morgens sind die Vögel hungrig, und wenn man füttert, dann sollte um diese Zeit das Futterhäuschen gefüllt sein.

BZ: Worauf ist beim Einrichten einer Futterstelle zu achten?

Kuhn: Beim Einrichten einer Futterstelle ist darauf zu achten, dass das Futter nicht nass wird und vereist. Ein breit ausladendes Dach hält die Futterstelle trocken. Die Vögel fühlen sich beim Fressen sicher, wenn der Platz um die Futterstelle im Umkreis von drei oder vier Metern überschaubar und übersichtlich ist, sodass Katzen sich nicht anschleichen und den Vögeln auflauern. Ideal ist es, wenn in der Nähe Bäume und Büsche stehen, in denen die Vögel bei Gefahr Zuflucht finden. Schließlich sollte die Futterstelle sauber gehalten werden, um zu vermeiden, dass sich die Vögel mit Krankheitserregen infizieren, die mit dem Kot ausgeschieden werden.

BZ: Wie geht es den Wasservögeln?

Kuhn: So lange die Gewässer offen sind, haben die Wasservögel kein Problem. Sie frieren im kalten Wasser nicht und finden genügend Nahrung. Wenn sich auf kleinen Gewässern wie dem Schlossweiher bei Minseln, der Wehrabucht oder dem Altrhein bei Wyhlen eine geschlossene Eisdecke bildet, dann weichen die Vögel auf den Rhein aus, der offen bleibt. Es muss schon ein Jahrhundertwinter kommen, damit auch der Rhein zufriert. In diesem Fall müssen die Vögel nach Südfrankreich oder nach Italien ausweichen. Wenn es sein muss, dann fliegt eine Möwe oder eine Ente 500 bis 1000 Kilometer an einem Tag. Die meisten der Möwen, Enten, Haubentaucher und Blässhühner, die wir im Winter auf dem Rhein sehen, kommen vom hohen Norden, von Skandinavien und Russland.

ZUR PERSON: PROF. DR. KARL KUHN

Geboren 1934 in Bad Urach. 1954 Studium am Pädagogischen lnstitut Weingarten, dann Studium der Naturwissenschaften mit Biologie als Hauptfach an den Universitäten Kiel, München und Tübingen. Dissertation 1965. Ausgiebige Lehrtätigkeit, zuletzt an der PH Freiburg bis zur Pensionierung 1998. Die Stadt Rheinfelden zeichnete ihn für seine Naturschutzarbeit mit der Verdienstmedaille aus.  

Autor: BZ

Autor: dhr