Dinkelberg bietet Pflanzen besondere Bedingungen

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Mi, 27. August 2014

Rheinfelden

Mit dem Nabu auf Exkursion zu Farnen, Moosen und Halmen.

KARSAU. Auf einer Bank am Karsauer Waldfriedhof hat Matthias Grupe bunte Döschen ausgebreitet, allesamt fein säuberlich von Hand beschriftet. Im Inneren befinden sich Sporenpflanzen, Proben, die Grupe selbst am Dinkelberg gesammelt hat. Daneben stapeln sich Fachbücher und folierte Grafiken zu Farnen, Moosen und Schachtelhalmen – diese Pflanzen sind Thema der Exkursion, die die Lörracher Kreisgruppe des Nabu angeboten hat.

An einer Schnur um Grupes Hals hängt eine kleine Lupe. Der studierte Biologe ist Vorstandsmitglied in Lörrach. Grupe ist neu bei der Kreisgruppe des Naturschutzbundes, die sich in der Vergangenheit vor allem mit Vögeln und Amphibien, wie der Gelbbauchunke befasst hat. Seine Begeisterung für Sporenpflanzen, über die die wenigsten Bescheid wissen, möchte er heute mit den etwa 25 Teilnehmern der Exkursion teilen. Grupe beginnt die Exkursion mit einem Vortrag über die Entstehung des Dinkelberges vor 250 Millionen Jahren.

"Der Dinkelberg ist wegen seines Kalkbodens einzigartig und bietet Pflanzen ganz besondere Bedingungen", sagt Grupe. Bei seinen Ausführungen gibt er sich große Mühe, sein Wissen allgemein verständlich zu vermitteln, auch wenn die Materie kompliziert ist. Aber die Zuhörer sind alle interessiert, sie haben viele Ergänzungen und Nachfragen parat, um deren Beantwortung Grupe nie verlegen ist.

Sporenpflanzen vermehren sich nicht wie die Blütenpflanzen über Samen, sondern über winzige Sporen, die nur mit dem Mikroskop erkennbar sind", erklärt er. "Moose sind sehr ursprüngliche Pflanzen, das Lebermoos ist vor etwa 420 Millionen Jahren entstanden."

Den Moosen widmet er sich als Erstes, "ein schwieriges Thema", wie er sagt. "Es gibt über 1000 verschiedene Arten. Viele davon sind sehr winzig und nur mit dem Mikroskop erkennbar ". Die Experten auf dem Gebiet könne man an einer Hand abzählen – er selbst gehöre nicht dazu, sagt er bescheiden. Grupe stammt aus Nordrhein-Westfalen nahe der belgischen Grenze. In Belgien hat er anderthalb Jahre als Naturführer gearbeitet. "Das ist eine moosige Gegend, und deswegen spielen Moose dort eine wichtige Rolle", sagte er.

Anhand seiner mitgebrachten Folien erklärt Grupe deshalb zunächst am Beispiel der Moose ganz genau, wie die Fortpflanzung bei Sporenpflanzen funktioniert. Nachdem Grupe die Teilnehmer anhand seiner mitgebrachten Pröbchen in die Bestimmung der Sporenpflanzen eingeführt hat, geht es für sie auf die eigene Suche. An der Friedhofsmauer freut sich Grupe ganz besonders, als er ein Moos mit dem ausgefallenen Namen "Sparriger Runzelpeter" entdeckt. Entgegen gängiger Annahmen sei der Schaden, den Moose an Bausubstanz von Mauern anrichten gering und mache sich erst nach Jahrhunderten bemerkbar, erklärt Grupe einer Teilnehmerin auf Nachfrage.

Die Suche nach Farnen und Schachtelhalmen führt die Exkursion bergab zum Sägebächle. Die Teilnehmer zerstreuen sich jetzt zunehmend, aber wenn jemand etwas gefunden hat, stecken sie die Köpfe zusammen, während Grupe sie bei der Bestimmung der gefundenen Pflanzen unterstützt.

Für allgemeine Begeisterung sorgt dabei eine Schweizer Taschenmesser-Applikation, die ein Teilnehmer der Exkursion auf seinem Mobiltelefon dabei hat. Das digitale Taschenmesser hat nämlich eine Lupenfunktion, anhand derer sich die Geschlechtsmerkmale von Farnen wunderbar erkennen lassen. Einem Exkursionsteilnehmer wird der Trubel um das digitale Taschenmesser, an dessen weiteren Funktionen plötzlich großes Interesse entfacht ist, jedoch zu bunt: "Mich beschleicht das Gefühl, dass die moderne Technik die eigentlichen Themen verdrängt", sagt er schmunzelnd.

Das eigentliche Thema, das ist für die ehrenamtlichen Naturschützer des Nabu die Menschen an die Natur heran zu führen. Deshalb bietet die Lörracher Kreisgruppe immer wieder Naturführungen in der Region an, mit einem besonderen Hintergedanken: "Wer die Natur kennt, der ist eher bereit, sie zu schützen, sei es durch Spenden oder eigenes Engagement", sagt Grupe.

Weitere Infos und Exkursionstermine: http://www.nabu-loerrach.de