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12. September 2009

"Eigenen Milchlieferstopp gestartet"

BZ-INTERVIEW mit Jörg Vollmer vom Hagenbacher Hof / Milch auf jeden Fall ein Minus-Geschäft.

RHEINFELDEN. Am Donnerstag protestierten Milchbauern in Paris gegen Milchpreise, die weit unter den Erzeugerpreisen liegen. Agrarökonom Jörg Vollmer, der auf dem Hagenbacher Hof mit 130 Kühen Milchwirtschaft betreibt, hat seine Milchlieferungen auch eingestellt. Über Verluste und private Boykottaktionen in Deutschland sprach mit ihm Ralf H. Dorweiler.

BZ: Wie kommt es zu Ihrem Boykott?

Vollmer: Landwirte aus ganz Europa haben in Paris gegen die niedrigen Milchpreise und hohen Quoten protestiert und einen europaweiten Lieferstopp ausgerufen. Ich habe beschlossen, mich mit den französischen Kollegen solidarisch zu zeigen und einen eigenen Milchlieferstopp gestartet.

BZ: Wissen Sie, ob auch andere Landwirte sich solidarisch zeigen?

Vollmer: In Rheinfelden dürften es etwa acht Betriebe sein, also der Großteil, der keine Milch mehr liefert. Viele Landwirte sehen das so wie ich: Wenn wir jetzt nichts erreichen, dann werden die meisten Betriebe dicht machen müssen.

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BZ: Wie lange können Sie einen solchen Milchlieferstopp durchhalten?

Vollmer: Breisgaumilch zahlt einen durchschnittlichen Preis von 24,8 Cent je Liter. Ohne selbst für meine Arbeit Geld zu bekommen, bräuchte ich 32 Cent. Bei 40 Cent pro Liter hätte ich einen Stundenlohn von 11 bis 12 Euro. Wenn wir Milch verkaufen, mache ich mit meinen täglich erzeugten 2500 Litern pro Tag ein Minus von 200 Euro. Und das ohne, dass ich einen Lohn bekomme. Wenn ich die Milch wie jetzt innerbetrieblich verwerte, beträgt der Verlust etwa 700 Euro pro Tag. Sie können es sich ausrechnen: Im Monat sind es rund 6000 Euro Verlust, wenn ich Milch liefere, 16 000 Euro, wenn ich es nicht tue. Die Frage ist also nicht, wie lange ich keine Milch liefern kann, sondern wie lange ich es mir leisten kann, Milch auf eigene Kosten zu produzieren, damit andere damit ein Geschäft machen.

BZ: Das Bundeskartellamt hat ja den Bund Deutscher Milchviehhalter, abgemahnt wegen des Aufrufs zum Boykott...

Vollmer: Wie gesagt, es handelt sich nicht um einen flächendeckenden Lieferstopp, sondern um eine private Entscheidung, mich mit den französischen Kollegen solidarisch zu zeigen. Auf jeden Fall muss etwas passieren. Ich habe einen Hof mit 300 Stück Vieh, davon 130 Milchkühe. Ich habe als studierter Landwirt immer gemacht, was die Regierung empfohlen hat: Expandiert und investiert. Ich halte mein Vieh vorbildlich, habe zwei Auszubildende. Wenn sich nicht etwas tut, dann muss ich dicht machen – und mir irgendwo eine Stelle als Agraringenieur suchen. Dabei liebe ich meinen Hof.

BZ: Was passiert mit der Milch?

Vollmer: Die wird an Kälber verfüttert, selbst verbraucht und als Dünger auf Felder gebracht. Am nächsten Dienstag gibt es eine Aktion auf dem Lörracher Marktplatz, wo mehrere Milchbauern die Milch verschenken werden. Ob wir sie verschenken oder mit Verlust verkaufen – es macht ja fast keinen Unterschied.

Autor: rs