Engagierter Fürsprecher der Artenvielfalt

Ingrid Böhm-Jacob

Von Ingrid Böhm-Jacob

Di, 26. August 2014

Rheinfelden

Trauer um Professor Karl Kuhn.

RHEINFELDEN (ibö). Er trat überzeugt auf und zugleich auf Interessensausgleich bedacht. Um im Konfliktfall eine ökologisch vernünftige Lösung zu erreichen, hat sich Karl Kuhn als promovierter Biologe dafür eingesetzt, dass Bauen nicht zu Lasten der Artenvielfalt geht. Als Professor für Biologie und deren Didaktik an der PH Freiburg hat er zuletzt beruflich gewirkt und im Ruhestand über Jahre weiter im Vorstand der Nabu-Kreisgruppe Lörrach. 2013 zeichnete ihn der Naturschutzbund Deutschland für seine Verdienste mit der goldenen Ehrennadel aus.

Er setzte sich für die Falken im Kirchturm der St. Galluskirche an seinem Wohnort Eichsel ein und begleitete ebenso große Bauprojekte des Gemeinderats, die immer einen Eingriff in den Naturhaushalt bedeuten. Sein besonderes Interesse von Jugend an galt der Vogelkunde.

Freundlich, aber bestimmt und ausdauernd mit der Zähigkeit eines Schwaben, der in Bad Urach am Rande der Alb geboren wurde, hat Karl Kuhn sich als Wissenschaftler in gesellschaftliche Entwicklungen eingemischt und dabei großen Respekt erworben. Er hatte noch einiges vor und sich zu Jahresbeginn in einem großen BZ-Interview für einen kurzen Steg über den Rhein ausgesprochen, der nicht zur Todesfalle für die Vögel wird. Ob sich dieses Projekt in seinem Sinne weiterentwickelt, erlebt er nicht mehr. Am Samstag ist Karl Kuhn, zwei Monate vor seinem 80. Geburtstag, gestorben.

Sogar in seinen letzten Tagen, die von schwerer Krankheit gezeichnet waren, sprach Karl Kuhn über das Leben mit der Abgeklärtheit des Naturwissenschaftlers. "Ich sterbe in aller Ruhe" und nach einem erfüllten Leben, teilte er im letzten Gespräch mit. "Ich weiß der Tag kommt für jeden, was danach kommt, weiß ich nicht".

Seine Verdienste für die Gemarkung Rheinfelden sind nachhaltig. Im September 2011 zeichnete ihn der Gemeinderat für seine Mitarbeit in der lokalen Agenda, der ökologischen Begleitkommission beim Bau des Kraftwerks und als Gründungsmitglied von IG Pro Steg mit der Verdienstmedaille in Silber aus. In seiner Dankesrede erinnerte der Geehrte daran, dass "Naturschutz nicht Sache eines Einzelnen" sei, und ermahnte im Industriegebiet Rheinfelden-Süd einen breiteren Grünkorridor zu planen, um Zugvögeln den Weg nicht zu verbauen. Seine Worte waren nicht umsonst. Mit Karl Kuhn verliert die Stadt ein "grünes Gewissen".

Die Beerdigung findet am Mittwoch, 27. August, um 14.30 Uhr von der St. Galluskirche in Eichsel aus statt.