Es darf gelacht werden – und wie

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 19. Januar 2019

Rheinfelden

200 Besucher im Bürgersaal vergnügen sich beim Auftritt von fünf Comedians und Kabarettisten.

RHEINFELDEN. Zweieinhalb Stunden geballte Comedy, Alltagssatiren, Gags und Pointen erlebten 200 Zuschauer bei der vierten Lachnacht im Bürgersaal. Fünf Comedians und Kabarettisten wechselten sich auf der Bühne ab: Ein Format, das sehr erfolgreich ist. Denn wo kriegt man sonst einen so bunten und abwechslungsreichen Mix aus verschiedensten Humor-Stilen an einem Abend geboten?

Die Konstante in dem illustren Stelldichein ist der baumlange Moderator Ole Lehmann, der seine Kollegen nacheinander ans Mikro bittet und auch eigene Nummern aus seinem aktuellen Programm "Homo fröhlich" bringt. So kokettiert der bald Fünfzigjährige mit dem Alter und parodiert bissig eine Szene vom Einkaufen an der Käsetheke im Bioladen. "So ist Berlin. Das ist besser als ein Film auf Netflix", kommentiert der Wahlberliner, der mit Mann und Hund in der Hauptstadt lebt, diese skurrile Episode.

Als Erste entert Vera Deckers das Podium. Die Kabarettistin, die im November im Theater im Zehnthaus in Wyhlen für Lachstürme sorgte, hat Auszüge aus ihrem neuen Solo "Wenn die Narzissten wieder blühen" dabei. Mit viel Ironie nimmt sie den Alltag unter die Lupe, vergleicht frühere Zeiten mit hippen Trends von heute, wo jeder etwas über sich in den sozialen Medien postet. Alles betrachtet die Diplom-Psychologin auf ironisch-witzige und selbstkritische Art.

Quirlig kommt Roberto Capitoni daher, der als Schwabe mit italienischen Wurzeln die Klischees, Eigenheiten und Unterschiede beider Kulturen und Mentalitäten aufs Korn nimmt. Die typisch schwäbische Sparsamkeit und das "Schaffe, schaffe" auf der einen Seite, das heißblütige südländische "Amore"-Temperament auf der anderen, diese Gegensätzlichkeiten spielt Capitoni humorig und lebhaft aus.

Zum ersten Mal in Rheinfelden zu erleben ist der Schweizer Liedermacher Roger Stein, der sich an den Flügel setzt und Abgründe hinter den alltäglichen Fassaden besingt. Der charmante Musikkabarettist hat für die Lachnacht "lustigere" Stücke herausgepickt, die gleichwohl sarkastisch, hintergründig und schwarzhumorig klingen. Etwa das Lied "Reihenhausgesicht", das von geplatzten Träumen, einem Klassentreffen, dem Wiedersehen mit der Jugendliebe und der Monotonie des tristen Alltags erzählt.

Zum Finale furioso lässt es Patrizia Moresco ordentlich krachen. Die energiegeladene Vollblutkabarettistin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, war kürzlich mit ihrer Weihnachtsshow zu Gange. "Ich such mir hier eine zweite Wohnung", frotzelt die "italienische Schwäbin" zum Einstieg und legt mit erfrischender Selbstironie und lautstarker Verve los über das Älterwerden, Fitnesswahn und Hormonyoga. "Das Fitnessstudio ist der neue Jakobsweg", lästert die freche Brünette über sächselnde Muskelprotze, Muskelkater und Schwerkraft, die immer gewinnt. "Welche Frau will eine Hipster-Lusche?", ereifert sie sich über Kerle mit Taliban-Bart und Ganzkörpertattoo. "Hattet Ihr Spaß mit uns?", fragte Moderator Lehmann nach diesem unterhaltsamen Mix. Der Applausstärke und den Lachern nach zu urteilen, hatten die Besucher jede Menge Spaß.