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24. Dezember 2010

Feiern zwischen Kanzel und Küche

Die Pfarrer der evangelischen und katholischen Kirchen sind an Weihnachten beruflich im Dauereinsatz und haben dabei Freude.

  1. Siegfried Huber (links), Matthias Wößner Foto: ingrid Böhm-Jacob

  2. Andreas Bücklein, Regine Klusmann Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Die Vorbereitung auf Weihnachten beginnt für Regine Klusmann schon vor den Sommerferien. Je früher die Gottesdienste gedanklich in Arbeit genommen werden, umso besser für alle. Die Erwartungshaltung der Gemeinde an die Kirche ist hoch. Sie beginnt beim Krippenspiel und endet beim Predigtgottesdienst, der Denkanstöße geben will. Die Aufgabe der Pfarrer besteht darin, die frohe Botschaft so zu verbreiten, dass das christliche Fest bei Jung und Alt ankommt. Die Feiern stellen die Pfarrer beider Konfessionen vor Herausforderungen. Doch sie empfinden die Arbeit an den Feiertagen nicht als Last, sondern als Freude.

"Die Gottesdienste sind nicht stressig, das ist wie Ernte", meint Andreas Bücklein, wenn er an die gut gefüllten Kirchen denkt. Der evangelische Pfarrer der Paulusgemeinde teilt sich mit seiner Frau an drei Tagen im Wechsel den Einsatz zwischen Kanzel und Küche. Das private Feiern in der Familie mit vier Kindern kommt dabei nicht zu kurz.

Pfarrer Anton Frank von der katholischen Pfarrei St. Joseph freut sich, dass "Weihnachten nicht nur ein Fest von Egoisten" ist, sondern der Gemeinschaftsgedanke über allem steht. Dazu gehört die Bereitschaft zum Helfen und Spenden. "Etwas Besonderes" sind für den Stadtpfarrer noch immer die Gottesdienste, die er schon seit 27 Jahren im St. Josefshaus in Herten für die Behinderten hält.

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Pastoralreferent Matthias Wößner, seit wenigen Wochen Familienvater und an Heiligabend zur Krippenfeier in Nollingen sowie danach um 18.30 Uhr zur Christmette im Einsatz, trennt nicht zwischen Beruflich und Privat. "Für mich beginnt Weihnachten mit der Krippenfeier", das Kirchliche betrachtet er nicht losgelöst vom Persönlichen.

Siegfried Huber, der seit Sommer in der katholischen Seelsorgeeinheit im Dienst ist, freut sich ebenso auf die Gottesdienste. Zwischen Heilig Abend und Stephanstag absolviert der Vikar acht liturgische Feiern in Rheinfelden, Nordschwaben, Nollingen und Karsau. Sie sind interessant für ihn, da viele Menschen in die Kirche kommen, "die ich übers Jahr nicht treffe". Bis er seine Familie und Verwandten sieht, wird es aber Sonntagnachmittag.

Die Gottesdienstbesucher möchten vor allem die klassischen Weihnachtslieder singen. Selbstverständlich gehört überall die Weihnachtsgeschichte dazu. Die Erwartungshaltung unterscheidet sich kaum von Kirche zu Kirche, nicht einmal zwischen katholisch und evangelisch.

Regine Klusmann (46) macht seit 15 Jahren die Erfahrung, dass wer an Weihnachten in die Kirche geht, "Bekanntes wieder finden" möchte und die Weihnachtsbotschaft in einer verständlichen Sprache erleben. Die Erwartungen aller Gemeindeglieder zu erfüllen, lasse sich aber nicht leisten. Andreas Bücklein sieht, dass es für Familien ein emotional feierliches Ereignis ist, "Impulse zum Nachdenken" werden eher nicht erwartet, wohl aber, dass Musik und Worte ineinandergreifen. Während viele Familien heute um 15 Uhr noch den Tannenbaum im Wohnzimmer schmücken, beginnt bereits der Krabbelgottesdienst in der Christuskirche.

Um 16.30 Uhr leitet Regine Klusmann am Heiligabend dann den Familiengottesdienst mit Quempas Singen. Die Pfarrerin weiß, dass es um diese Zeit "unheimlich laut" zugeht in der Kirche, denn die Kinder warten sei Wochen schon auf die Bescherung. Weil es "mühsam" sein kann, eine so große Gemeinde mit bis zu 600 Leuten zu fesseln, erweisen sich die Krabbelgottesdienste zuvor als "hilfreich".

Bis Familie Bücklein-Klusmann zu Hause Bescherung macht, dauert es noch. Um 17.30 Uhr hält Andreas Bücklein erst einmal in der St.-Ubald-Kapelle in Degerfelden einen Predigtgottesdienst. Dort erwartet ihn eine andere Situation. Bei 60 Besuchern sitzen sich die Leute "quasi auf dem Schoß" oder stehen. Wer kommt, tut dies bewusst, auch wegen des guten Gesangs. Klar muss auch in diesem Gottesdienst "Oh du fröhliche" erklingen. Den 24. beginnt Bücklein gleich morgens im Dienst der Kirche mit der Waldweihnacht für Kinder, am Mittag wird dann am Paulussaal mit der Gemeinde das letzte Fenster im lebendigen Adventskalender geöffnet.

"Wir geben unser Bestes", meint Regine Klusmann, damit die Besucher aus ganz unterschiedlichen Gegenden und mit vielfältigen Biografien an Weihnachten ihre "verlorene Kindheit" finden und das Stück Heimat, das sie in der Kirche suchen. "Stille Nacht" darf als Lied dabei nicht fehlen.

Das Gute, meint Andreas Bücklein, ist, dass nicht jedes Jahr die komplette Botschaft erzählt wird, sondern einzelne Aspekte in den Evangelien aufgegriffen werden können. Dabei betrachtet er die Predigt an Weihnachten nicht unbedingt als Mittelpunkt, wonach der Rest Umrahmung ist.

Regine Klusman hält sich an die Devise: "Man muss den Inhalt der Predigt in einem Satz zusammenfassen können." In der Christmette um 23 Uhr in der Christuskirche wird sie nicht einmal dies tun. Sie ist für die Liturgie zuständig und kann ganz den Beiträgen der Young Voices zuhören und einen "meditativen Ausklang" erleben ohne Aufregung und Stress.

Zwischen den kirchlichen Einsätzen von 19 bis 22.30 Uhr gehört der Abend der Familie. Weil zum Christbaumschmücken am 24. keine Zeit bleibt, steht der schon mit echten Kerzen ausgestattet seit dem Vorabend im abgeschlossenen Zimmer – die Kinder freuen sich auf den Überraschungsmoment. Klassisch geht es bei Tisch zu: Putenbraten, Kartoffeln und Sauce hollandaise. "Wir kommen nicht zu kurz", meint Regine Klusmann lachend. Am Morgen des ersten Weihnachtstags wird mit Freunden gefrühstückt, dann geht es in die Kirche. Nach dem Atempausegottesdienst am zweiten Weihnachtstag fährt die Familie traditionell nach Freiburg, da lädt Andreas Bückleins Vater alle ins Theater ein.

Ein Gottesdienst reiht sich auch in der katholischen Seelsorgeeinheit an den anderen. Der Besuch der Christmette betrachtet Matthias Wößner dabei als persönliches Geschenk. Viel Zeit für Privates sei nicht, bestätigt Pfarrer Anton Frank. "An Weihnachten ist der Hauptpunkt in der Kirche." Elf Gottesdienste in unterschiedlichen Kirchen werden in der Seelsorgeeinheit allein am heutigen Heiligabend gefeiert. Dabei freut sich Anton Frank, dass er Weihnachten in der Kirche als Hochfest der Familie erlebt. Die Erwartungshaltung der Gemeinde hat sich über die Jahre nicht geändert: "Die Botschaft muss greifbar sein und allgemeinverständlich", ist sich Frank sicher.

Vikar Huber sieht in der Liturgie und Musik eine große Rolle und Pastoralreferent Wößner empfindet es immer wieder als überwältigend, beim Krippenspiel in "freudige Kinderaugen" zu blicken, die das Besondere erwarten.

Die Geistlichen der katholischen Seelsorgeeinheit sehen sich durch all diese Erlebnisse beschenkt und auch von dem nicht selbstverständlichen Erlebnis, dass die Kirchenbänke wie bei keinem anderen christlichen Fest besetzt sind.

Auch wer nur an Weihnachten kommt, ist willkommen, meint Matthias Wößner und Siegfried Huber freut sich, dass Gottesdienste zum Kommen einladen, denn "viele haben die Erfahrung gar nicht mehr".

KIRCHE AN WEIHNACHTEN

Zu den Krippenfeiern, Familiengottesdiensten und Christmetten in den Kirchen beider Konfessionen gibt es an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen auch besondere Feiern.

Am 24. Dezember, 23 Uhr, in der Christuskirche die Christmette mit dem Chor Young Voices und am Sonntag, 26. Dezember, um 11 Uhr den Atempause-Gottesdienst im Paulussaal.

In St. Joseph wird am 24. Dezember die Christmette um 22.30 Uhr von den Bläsern der Stadtmusik umrahmt.  

Autor: ibö

Autor: Ingrid Böhm-Jacob