10. November 2009

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit

Hannelore Nuß (hinten, rechts) mit Helfern | Foto: Valentin Ade
RHEINFELDEN. Der Himmel ist trübe, das Klima frisch. Die Bäume sind schon beinahe kahl, das Jahr neigt sich dem Ende zu. Theologisch wird diese Zeit mit den Themen Tod, Zeit und Ewigkeit in Verbindung gebracht. Bewusst wird daher seit 1952 zu dieser Zeit – zwei Sonntage vor dem ersten Advent – der Volkstrauertag begangen. In der Aussegnungshalle auf dem Rheinfelder Friedhof laufen dafür die Vorbereitungen.

Seit fünf Jahren zeichnet dafür Hannelore Nuß verantwortlich. Zusammen mit Patrick da Rugna und Eleonora Wirmsberger (beide 19) steht sie an der ersten Bank der Aussegnungshalle und blickt über verschiedene Schriftstücke. Neben ihnen ordnet ihr Mann Werner eine Gruppe von fünf jungen Mädchen – Laura und Katrin Rotter (12), Pauline Siebold (7), Mandy Nuß (9) und Rita Kero (8) – mit Fackeln in den Händen. Dann wird nochmal geprobt.

"Auf mein Zeichen laufen wir gemeinsam vor", sagt Hannelore Nuß. Dann gehen alle die Rede durch, die Patrick da Rugna, Eleonora Wirmsberger und Hannelore Nuß gemeinsam vor einigen Tagen ausgearbeitet haben. Es geht darum, gegen das Vergessen zu kämpfen.

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"Man kann nicht früh genug anfangen, über Geschichte nachzudenken"

Hannelore Nuß
An diesem Tag, an dem der Kriegstoten und der Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht wird, soll den Menschen, vor allem den jungen, so Hannelore Nuß, klargemacht werden, stets zu hinterfragen und sich den Folgen bewusst zu werden, was passieren kann, wenn man nicht wachsam ist. In ihren Beiträgen sprechen die drei auch Themen wie Gewalt im Alltag, Zivilcourage, Integration, Macht und Miteinander an.

"Es ist wichtig sich zu erinnern", sagt Eleonora Wirmsberger, "denn auch heute finden noch Kriege statt". Demokratie und Frieden sind für seine Generation heute selbstverständlich, so Patrick da Rugna, dies müsse man umso mehr wieder schätzen lernen, um sich nicht blindlings wieder in irgendwelche Konflikte zu stürzen.

Nach den Beiträgen in der Aussegnungshalle wird es am Volkstrauertag, angeführt von den kleinen Fackelträgern, zum Gefallenendenkmal gehen."Habt ihr das jetzt alles verstanden", fragt Nuß die jungen Menschen mit gestrengem Blick, nur um gleich danach ein breites Lächeln aufzusetzen. "Man kann nicht früh genug anfangen, über Geschichte nachzudenken", sagt Nuß, während die Kleinen nach und nach von ihren Eltern abgeholt werden. Deshalb gestaltet sie seit vier Jahren den Volkstrauertag mit jungen Menschen, in wechselnder Zusammensetzung von verschiedenen Schulen, von Goethe-, Hans-Thoma- und Realschule sowie dem Gymnasium. Musikalisch wird das Ganze von Realschullehrer Arno Birkert untermalt.

"Für mich ist das etwas ganz Besonderes", sagt Werner Nuß nachdenklich beim Blick auf die junge Gruppe. "Als ich in deren Alter war, war unser ganzer Alltag auf Krieg getrimmt".  

Autor: Valentin Ade



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