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14. April 2010

Für Erik Schulz erfüllt sich ein Traum

Das Triathlon Team unterstützt die Teilnahme des 30-Jährigen im Juni/ Trotz der schweren Unfallfolgen Start in der Volksdistanz.

  1. Erik Schulz freut sich sehr auf seinen Start beim Triathlon-Team. Foto: privat

  2. Die ersten 250 Teilnehmer haben sich für den Rheinfelden-Triathlon bereits angemeldet. Foto: Ingrid Böhm-Jacob

RHEINFELDEN. Erik Schulz kommt seinem Jugendtraum einen entscheidenden Schritt näher. Der 30-Jährige, der vor zehn Jahren Opfer eines tragischen Verkehrsunfalls wurde und in der Reha lernen musste, ein neues Leben zu führen, geht beim Triathlon Rheinfelden am 13. Juni an den Start. Der Verein Triathlon Team und Tripower-Chef Günter Kunze unterstützen ihn dabei nach Kräften. Er und Reinhard Börner sehen als erfolgreiche Ausdauersportler in der Teilnahme von Erik Schulz ein "sehr positives Beispiel für den starken Willen" und Ansporn für andere, sich nicht aufzugeben.

Am Samstag hat Erik Schulz sich zum Naturenergie-Triathlon für die Volksdistanz angemeldet und sein Startgeld bezahlt. Gunter Kunze engagiert sich jetzt persönlich für die erfolgreiche Teilnahme des 30-Jährigen, nachdem dessen Arzt und Physiotherapeut erklärt haben, dass seinem Start aus medizinischer Sicht nichts im Wege stehe.

Kunze fördert Erik Schulz vertraglich mit der Ausrüstung. Dazu gehören ein maßgeschneidertes Rennrad, das zwecks sicherer Handhabung der Bremsen mit einem geraden Lenker ausgestattet ist, Helm und Neopren-Anzug fürs Schwimmen und T-Shirt für die Siegerehrung.

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Kunze sieht in Erik Schulz ein Vorbild, das anderen Ansporn gibt "nicht aufzugeben, egal was passiert". Er wünscht sich, dass auch andere Sportler sehen "der kann es auch". Denn nach seiner Erfahrung sind viele zögerlich, wenn es um die Frage geht, ob sie sich eine Triathlon-Teilnahme zutrauen können.

In der Volksdistanz zu starten, stellt sich für erfahrene Triathleten als machbar für jeden dar, der sportlich ist. Dennoch ist es für den noch immer durch die Unfallfolgen in seiner Bewegung eingeschränkten Erik Schulz eine große Herausforderung, sich auf die 500 Meter Schwimmen im Rhein, 24 Kilometer Radfahren und 5,2 Kilometer Laufen einzulassen. Doch der 30-jährige, der gerade einen Ausbildung zum Informatik-Kaufmann im Berufsbildungswerk Neckargemünd begonnen hat, unternimmt alles, dass er in seiner Heimatstadt erfolgreich teilnehmen kann. Erik Schulz, der nach seinem Abitur mit einem Notendurchschnitt von 1,8 gerade sein Medizinstudium aufnehmen wollte, wurde wenige Tage, bevor es in die Uni ging, in der Innenstadt vor der Haustür von einem Auto überfahren.

Der Fall hat im September 2000 großes Entsetzen ausgelöst, weil das Auto von einer Frau gefahren wurde, die mit Alkohol am Steuer saß. Noch immer beschäftigt der Unfall die Rechtsanwälte. Lebensgefährlich verletzt lag Erik Schulz zunächst drei Wochen im Koma, danach mehrere Monate im Wachkoma, er wurde mehrfach operiert und hat nach jahrelanger Reha nun wieder soweit Fuß gefasst, wenn auch mit Einschränkungen, dass er auch viel Energie in den Sport steckt. Das Laufen fällt ihm, wie er sagt, noch immer etwas schwer, aber der Wunsch habe nach dem Unfall "gegärt" an einem Triathlon teilzunehmen. Schon mit 16 träumte er davon, hatte aber stets so viel zu tun und war auch durch seine DLRG-Arbeit in der Freizeit voll ausgelastet, dass er dazu nicht gekommen sei. Durch die Reha-Maßnahmen ist Erik Schulz ständig in Bewegung. Im Schwimmen, das er in der Triathlon-Abteilung des SV Heidelberg zweimal die Woche trainiert, bringt er es schon auf stolze 1,5 Kilometer im Wasser. Radfahren bestreitet er bisher im Fitness-Studio. Im Juni beim Inseli in den Rhein zu steigen und Richtung Hertener Loch zu schwimmen bereitet ihm große Vorfreude. Bevor er hier an den Start geht, wird Erik Schulz aber bereits Anfang Mai die Probe aufs Exempel machen und in Rüdesheim am St. Vincent-Triathlon für Menschen mit Behinderung seine Leistung testen.

Börner, der mit Kunze demnächst wieder beim Südafrika-Triathlon antritt, freut sich für den Rheinfelder Verein, dass Erik Schulz an den Start geht und erinnert daran, dass beim Iron Man auf Hawaii und in Südafrika Sportler mit Behinderungen teilnehmen. Dass im Ausdauersport vieles möglich ist, dafür sieht sich der Eichsler Ortsvorsteher als bestes Beispiel. Mit 50 Jahren habe er überhaupt erst angefangen zu Laufen und mit 60 seinen ersten Triathlon bestritten, ein Erlebnis, das er nicht mehr missen möchte.

Autor: Ingrid Böhm-Jacob