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21. März 2017

Großer sinfonischer Bogen

Die Thüringen Phiharmonie Gotha beschließt Saison der Rheinfelder Meisterkonzerte.

  1. Die Thüringen Philharmonie Gotha mit Violin-Solistin Yuki Manuela Janke Foto: Roswitha Frey

Tief in die Ausdruckswelt der Romantik führte das Abschlusskonzert der dritten Saison der Meisterkonzerte in Rheinfelden: Mit Mendelssohn, Brahms und Schumann hatte die Thüringen Philharmonie Gotha drei große Namen der Romantik auf dem Programm.

Das Traditionsorchester war zum ersten Mal in Südbaden zu Gast und hinterließ im Bürgersaal einen vorzüglichen Eindruck in der Klangkultur, im frischen, präzisen und sauberen Spiel und dem großen sinfonischen Bogen. Unter Gastdirigent Georg Mais, dem künstlerischen Leiter der Meisterkonzerte, eröffneten die Thüringer den Abend mit dem feierlichen Hochzeitsmarsch aus Mendelssohns "Sommernachtstraum". Schwungvoll an den Streicherpulten, pompös mit aufstrahlendem Blech und kraftvoller Pauke war dieser Marsch der ideale Ohrenöffner für das Programm.

Im Zentrum stand das Violinkonzert von Brahms, schwer zu fassen in seiner sinfonischen Anlage und den beträchtlichen spieltechnischen Schwierigkeiten im Part der Solovioline. In der international preisgekrönten deutsch-japanischen Geigerin Yuki Manuela Janke hatte das Orchester eine fabelhafte Solistin, die diesen Brahms tonlich, technisch und gestalterisch souverän im Griff hatte. Mit ihrem schönen, warmen, natürlich strömenden und sich frei entfaltenden Geigenton verlieh sie diesem Brahms-Konzert Wärme, Seele, lyrische Intensität und einen Ausdruck von Hingabe und Leidenschaft. Wie Janke im breit angelegten Kopfsatz die ornamentalen Figuren, die vertrackten Doppelgriffe und die kunstvolle Kadenz meisterte, war von einer uneitlen und unangestrengten Virtuosität. Sehr klangschön, voll und rund im Ton entfaltete sie die lyrisch-kantablen Themen im Adagio: ein expressiver Gesang der Violine, der schon in entrückte Sphären führte. Im ungarisch gefärbten Finalsatz brachte Yuki Manuela Janke energischen Gestus, dynamischen Impuls und Schwung ein und schürte gekonnt das Feuer und Temperament bis zur mächtigen Schlusssteigerung.

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Die von Georg Mais mit raumgreifender Gestik und Sinn für den großen sinfonischen Atem geleitete Philharmonie Gotha war ein aufmerksamer Partner für die Violin-Solistin. So kamen Orchester und Solistin sehr gut zusammen in dieser in sich stimmigen Brahms-Interpretation, die auf beiden Seiten von betont romantischem Klang, geschmeidiger Dynamik, weicher Tongebung in den lyrischen Passagen, zupackendem Schwung und fließenden Übergängen geprägt war. Immer und immer wieder klatschten die begeisterten Zuhörer die Solistin zurück auf die Bühne. Yuki Manuela Janke bedankte sich mit dem Largo aus einer Bach-Partita als Solo-Zugabe.

Nach der Pause die zweite Sinfonie von Schumann, nicht eben leicht zu deuten in ihren Stimmungswechseln und der Gefühlsskala von Schmerzensklängen, Resignierendem, Schicksalsmotiven, unruhiger Bewegung und leidenschaftlichen Ausbrüchen. Die Philharmoniker aus Thüringen legten eine rundum überzeugende und beeindruckende Interpretation dieser Sinfonie vor, von der behutsam entwickelten langsamen Einleitung mit den markanten Bläsereinsätzen bis zum großzügig aufgebauten Spannungsbogen. Das Scherzo mit seinen flüchtigen, dahinhuschenden Passagen hatte Leichtigkeit und Beweglichkeit im Orchesterklang. Im wehmütigen Adagio konnten die Streicher und Bläser ihren weichen Wohlklang, ihre kantablen Qualitäten, ihre zarten, sanften Seiten voll ausspielen. Energisch und bestimmt im Zugriff dann der vierte Satz, den Mais und seine Musiker zu wirkungsvoller Schlusssteigerung brachten. Starker Beifall.

Autor: Roswitha Frey