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13. März 2010

Im Gewächshaus ist schon Frühling

Die Stadtgärtnerei zieht die Pflanzen, die bald überall in der Stadt blühen sollen, noch selbst / Experimente mit Süßkartoffeln.

  1. Buntes Blütenmeer im Gewächshaus der Stadtgärtnerei Foto: Daniela Krása-Meyer

  2. Zwei Lehrlinge in Aktion Foto: Daniela Krása Meyer

RHEINFELDEN. Gärtnermeister Martin Knoll stapft durch den Schnee. Dieses Jahr will der Winter kein Ende nehmen. "Mir hän’s Frühjohr scho im G’wächshuus”, verrät er und öffnet eine Glastür. "Ohhhh” – kann man da nur ausrufen, wenn man plötzlich in einem Meer blühender Stiefmütterchen steht. Da fällt es gar nicht mehr auf, dass die Sonne nicht scheint und draußen wieder dicke Schneeflocken vom Himmel fallen.

In Töpfen stehen die kleinen Pflanzen ganz eng zusammen. Tausende von Blumen, nach Farben sortiert, bilden leuchtende Blütenteppiche. Hier in den Gewächshäusern der Rheinfelder Stadtgärtnerei hält sich wirklich der Frühling versteckt. Die Stadtgärtnerei stehe in den Startlöchern und bräuchten dringend den Platz, erzählt Martin Knoll und ist in Gedanken schon bei den Geranien und Begonien, die man im Mai/Juni auspflanzen will. In diesem Geschäft muss man immer mindestens drei oder vier Monate vorausdenken, weiß der Experte.

Während man noch überwältigt ist von dieser Farbenpracht und in den Blüten der Stiefmütterchen hin und wieder Gesichter erkennt, spürt man plötzlich, dass in diesem Raum keine tropischen Temperaturen herrschen. "Mir renne nit mit de Badhose umme”, lacht Martin Knoll und erklärt, dass die Stiefmütterchen bei 2 bis 3 Grad gut gedeihen können. Sogar ein kurzer Frost kann ihnen nichts anhaben, nur den Schnee mögen sie nicht. Da stellen Geranien schon höhere Ansprüche, sie brauchen mindestens 16 bis 18 Grad. "Sonst sind sie nicht fertig bis im Mai.” Für Begonien sind 20 bis 25 Grad optimal, dem Weihrauch genügen 20. Bei 70 bis 80 verschiedenen Pflanzen bedeutet das eine Gratwanderung für die Gärtner.

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Aber um Energiekosten einzusparen, dauert es manchmal zwei Wochen länger, bis die Pflanzen zum Auspflanzen bereit sind. Mit der Natur zu leben sei das Los des Gärtners, sagt Martin Knoll ehrfürchtig und wendet sich wieder den Stiefmütterchen zu. Oft werden heutzutage Jungpflanzen angeliefert, aber die Stadtgärtnerei Rheinfelden sät als Ausbildungsbetrieb selber aus.

Was jetzt so leuchtend blüht, ist schon im August ausgesät worden. Aus der Saatkiste werden die kleinen Pflänzchen vereinzelt (pikiert) und dann getopft. Je nach Temperatur und Licht erscheinen bei einem Stiefmütterchen Anfang Februar die ersten Blüten. Sobald das Wetter mitmacht, geht es ans Auspflanzen. Geschmückt werden die Kreisel als Visitenkarte der Stadt, die roten Kisten, verschiedene Beete und der Stadtpark. Geplant wird im Team, ein halbes bis ein Jahr im voraus. Wichtig sind den Gärtnern energiekompatible Pflanzen. So sind zum Beispiel im März schon blühende Rosen möglich, aber sie brauchen entsprechend (zu)viel Energie, weil sie höhere Temperaturen beanspruchen.

Für die Gestaltung sind natürlich besonders die Farben wichtig, aber auch das Kleinklima der Pflanzen muss beachtet werden: Braucht eine Pflanze Schatten oder mag sie lieber pralle Sonne? Verträgt sie gar Spätfröste? Gern greift man da auf Bewährtes zurück und ist vorsichtig bei Exoten. Natürlich wird auch experimentiert. Zum Beispiel mit Süßkartoffeln. "Nur wegen des Zierwertes”, beteuert Martin Knoll, die Süßkartoffeln gäben keinen neuen Wirtschaftszweig.

"Alle 10 Jahre erfrieren unsere Eukalyptusbäume” bedauert Martin Knoll, aber er weiß, die Pflanzen vertragen keine extremen Temperaturstürze. Die Auswahl der Pflanzen richte sich übrigens auch nach dem Standort. Wenn die Bürger ständig mit 50 Stundenkilometern an einem Beet vorbeifahren, nehmen sie nur die Farbe wahr und sehen die Pflanze gar nicht.

Zusammen mit den Lehrlingen entwickelt Knoll Ideen

Unterstützt wird Produktionsleiter Martin Knoll von drei Lehrlingen. Gemeinsam entwickeln sie Ideen. Trends zeigen sich bei Ausstellungen und Messen oder in Fachzeitschriften. Für die erste Anpflanzung in diesem Jahr stehen etwa 12 000 Stiefmütterchen, Primeln und Bellis (Gänseblümchen) zur Verfügung. Auch Vergissmeinnicht ist dabei. "Mir hän g’schummelt", beichtet der Gärtnermeister. Damit das Vergissmeinnicht schneller blüht, sind die Pflänzchen belichtet worden. Während er sich wieder an die Arbeit macht, hört man Vogelgezwitscher. Ein Zaunkönig, der im Gewächshaus überwintert und sich wohl zu fühlen scheint. Kein Wunder, bei dieser Pracht.

Autor: Daniela Krása-Meyer