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08. Dezember 2017

Intensive Probenarbeit der Kantorei

Kantor Rainer Marbach ist mit den Sängern sehr zufrieden / "Oratorio de Noel" von Camille Saint-Saens und "Messe" von Igor Strawinsky.

  1. Die evangelische Kantorei studiert für ihr Konzert das Weihnachtsoratorium von Saint-Saens und die Messe von Strawinsky ein. Foto: Roswitha Frey

  2. Kantor Rainer Marbach Foto: Roswitha Frey

  3. Die evangelische Kantorei studiert für ihr Konzert das Weihnachtsoratorium von Saint-Saens und die Messe von Strawinsky ein. Foto: Roswitha Frey

RHEINFELDEN. Nach dem intensiven Probentag im Gemeindezentrum der Johannesgemeinde in Karsau war Kantor Rainer Marbach voll des Lobes für seine 40 Sänger: Hochkonzentriert widmete sich die Evangelische Kantorei den zwei geistlichen Werken, die beim Konzert am 6. Januar in der Christuskirche aufgeführt werden: das "Oratorio de Noel" von Camille Saint-Saens und die "Messe" von Igor Strawinsky.

Es war der Wunsch der Kantorei, einmal das Weihnachtsoratorium des französischen Spätromantikers Camille Saint-Saens für Soli, Chor, Orgel und Harfe aufs Programm zu nehmen. Chorleiter Rainer Marbach hat diese Idee gerne aufgegriffen: "Der Chor hat da offene Türen eingerannt." Saint-Saens‘ "Oratorio de Noel", in dem die Freude über Jesu Geburt ausgedrückt wird, ist geprägt durch Klangschönheit, romantische Harmonik und liebliche Melodien. In diesem Werk seien "Wohlklang" und "stimmliche Qualität" gefordert, so der Chordirigent, der bei den Proben von der Kirchenmusikerin und Lehrerin Birgit Tittel am Klavier unterstützt wurde.

Da das Weihnachtsoratorium des französischen Komponisten mit 40 Minuten nicht abendfüllend ist, hat Marbach ein weiteres sakrales Werk gesucht, das vor allem Gedanken von Epiphanias unterstreicht. Seine Wahl fiel auf die Messe des Komponisten Igor Strawinsky für Chor und doppeltes Bläserquintett, die 1948 uraufgeführt wurde. Strawinsky hat es ausdrücklich als geistlich-liturgisches Werk für Sakralräume bestimmt.

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Die Kantorei hat vor einigen Jahren Strawinskys "Psalmensinfonie" interpretiert, ist also durchaus "Strawinsky-erprobt". Nun wagt sich der Chor an die Messe heran. "Das Stück spukt mir schon lange im Kopf herum", sagt Marbach über diese "Messe", die vom Gestalterischen und Stimmtechnischen her "eine Mega-Herausforderung" für die Sängerinnen und Sänger sei. "Der Chor hat gleich mitgezogen und toll mitgemacht, das ist nicht selbstverständlich", weiß er die Offenheit der Kantorei zu schätzen. Strawinskys Komposition für Chor und zehn Bläser würde eher in Konzerten von Rundfunkchören oder Kammerchören vermuten, für eine Kantorei sei es schon ungewöhnlich, dieses Werk zu erarbeiten. Die Chorsänger seien "extrem gefordert". Sich in Strawinskys Klangsprache und Tonvorstellung einzufühlen, verlangt sehr geübte Chorkräfte. Und auf solche überaus fähigen, erfahrenen Kantoreimitglieder kann Marbach zählen. "Man braucht ganz viel Konzentration", so der Chorleiter, "Chapeau vor dem Chor!", sagt er. Im Zentrum des Konzerts stehe der Epiphanias-Gedanke, das Mysterium des Erscheinens des Erlösers, fernab des üblichen Weihnachtsfest-Geschehens.

Dieses Mysterium des Göttlichen werde in dem freitonalen Stück von Strawinsky viel deutlicher abgebildet. Das Werk mit seinem offenen Klang stelle auch Fragen, passe sehr gut zum Epiphanias-Gedanken. Für Strawinsky sei Musik wie ein Gefäß, in das wertvoller Inhalt gegossen werde. Und doch habe die Messe auch sehr emotionale Elemente und eine ganz eigene Art von Expressivität. "Man muss sehr nah am Notentext bleiben", sagt Dirigent Marbach, "der Chor muss extrem auf den Punkt genau sein." Wieder und wieder feilt er bei den Proben am "Kyrie" und "Agnus Dei". "Es kann schon sein, dass man für zwei Minuten 20 Stunden probt", so Marbach über diese sorgfältige Probenarbeit.

Sehr dicht und konzentriert läuft die Chorarbeit nicht nur bei der vierstündigen Sonderprobe in Karsau, sondern auch bei den regulären Mittwochabend-Proben im Paulussaal.

"Das innere Ohr muss anspringen", fordert Rainer Marbach seinen Chor im "Kyrie" auf: "Mir geht es um die Linie", sagt er, "das darf noch etwas entschlossener kommen." Präzise wird an bestimmten Stellen gearbeitet. "Es geht darum, dass wir den Klang noch verfeinern." Auch im Agnus Dei achtet Marbach auf die chorischen Feinheiten: "Der Strom darf nicht unterbrochen werden." Als Nächstes nimmt man sich eine Stelle aus dem Weihnachtsoratorium von Saint-Saens vor, bis Chorleiter Marbach zufrieden ist mit dem wohlklingenden Chorgesang.

Auch die "Young Voices" wirken bei dem Konzert mit, sie haben einen Auftritt zwischen den Hauptwerken. Zehn junge Sängerinnen werden "A Ceremony of Carols" des britischen Komponisten Benjamin Britten aufführen, ein Werk für Chor und Harfe von ästhetischem Klang. "Es ist wie eine Art Glockengeläut, das im Sopran aufgebaut wird, so muss man sich das vorstellen", sagt Marbach den Young Voices am Ende des anstrengenden Probentages. "Das muss blitzsauber sein", motiviert er die Sängerinnen.

Für das Konzert hat Marbach neben seinen beiden Chören namhafte Vokalsolisten aufgeboten, mit denen er schon in früheren Projekten zusammengearbeitet hat: die Sopranistinnen Eva Maria Hofheinz und Cornelia Winter, die Altistin Daniela Bianca Gierok, den Tenor Sebastian Hübner und den Bassisten Ekkehard Abele. Die instrumentalen Parts übernehmen ein Kantatenorchester, zehn Bläser aus der Region, Birgit Tittel an der Orgel und Yvonne Deusch an der Harfe.

Info: Konzert Christuskirche Rheinfelden, 6. Januar, 17 Uhr. Vorverkauf bei Optik Eisenmann

Autor: Roswitha Frey