Hochrhein

Schloss Beuggen hat einen neuen Besitzer – was ändert sich?

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 22. April 2016 um 20:39 Uhr

Rheinfelden

Weil sie eine halbe Million Euro an Kosten für das Schloss Beuggen pro Jahr einsparen will, hat die Evangelische Landeskirche das 800 Jahre alte Gebäude nun verkauft. Der neue Besitzer kommt aus Waldshut.

Schloss Beuggen hat seit zwei Tagen einen neuen Besitzer. Kai Flender aus Waldshut hat die historische Anlage von der evangelischen Landeskirche Baden übernommen. Dem Freien Architekten und Generalunternehmer gehört bereits Schloss Tiengen. In der Anlage Beuggen ist zum Jahreswechsel Veränderung angesagt. Die evangelische Tagungsstätte wird schließen, das Haus der Kirchenmusik abwandern. Die entscheidenden Eckpunkte sehen Landeskirche und OB Klaus Eberhardt für die Stadt aber als gesichert an: Einige kirchliche Einrichtungen bleiben, der denkmalgeschützte Charakter wird garantiert und der öffentliche Zugang gesichert.

Ein konkretes Nutzungskonzept hat der Freie Architekt und Generalunternehmer, der in Tiengen bereits eine historische Schlossanlage besitzt, beim Pressegespräch am Freitag noch nicht vorgestellt. Er kündigt ein "hybrides Konzept" an, das unterschiedliche Nutzungen zulasse, die sich mit dem Charakter des Ensembles vertragen: Dieses "muss wachsen mit den Partnern". Es sei aber nicht nur "mit kleinen Pinselstrichen" zu rechnen. Vertraglich ausgeschlossen sind Einrichtungen, die dem Ansehen der Kirche schaden. Dazu gehören Casinos, Wettbetriebe oder Angebote des Rotlichtmilieus. Flender, der sich als Impulsgeber im Projekt sieht, möchte die Atmosphäre von Schloss Beuggen erhalten, und "die Charakteristik stärken", betonte er. Dabei handle es sich um Prozesse über Jahre.

Tagungsstätte schließt
Nachdem der Verkauf notariell und durch den Landeskirchenrat besiegelt ist, steht fest, was mit Sicherheit verlorengeht: Die evangelische Tagungsstätte mit Übernachtungsbetrieb wird zum Jahresende schließen und auch das Haus der Kirchenmusik nach Heidelberg abwandern. Ob ein anderer Hotelbetrieb in Zukunft eingerichtet wird, lässt Flender zunächst offen. Die Studienleitung mit Martin Abraham und die Angebote der kirchlichen Erwachsenenbildung bleiben. Flender steht über deren Unterbringung mit der Vorsitzenden des Vereins Schloss Beuggen im Kirchenbezirk, Dekanin Bärbel Schäfer, in Verhandlung: Alles soll sich im "kleineren Format" abspielen. Ob der Bagnato- Saal, den vom Freundeskreis unterstützten beliebten Schlosskonzerten weiter zur Verfügung steht, muss sich weisen. Grundsätzlich sieht das Investorenkonzept vor, dass Musik in der Luft liegt. Gesichert ist der Verbleib der diakonischen Jugendhilfeeinrichtung Tüllinger Höhe und der Kommunität als christliche Lebensgemeinschaft, deren Gelände im Eigentum der Landeskirche bleibt. Auch die großen Publikumsveranstaltungen wie Kunsthandwerkermarkt und Diga-Gartenschau möchte der Investor grundsätzlich "nicht ausbremsen". Er ziele insgesamt auf ein breites Spektrum ab, mit der Absicht eine "ganze Marke zu produzieren". Auch weitere Bauten können dazugehören.

Neue Kapelle im Pfarrhaus
Bestandteil des Kaufvertrags ist der Bau einer neuen Kapelle im Gewölbe des alten Pfarrhauses, die immer zugänglich zum Beten bleibt. Für die Schlosskirche sind Nutzungen für kirchliche Feiern an Ostern, Weihnachten, an einem Adventssonntag und die monatlichen Taizégottesdienste im Kaufvertrag verankert. Der Investor möchte ansonsten dort Ausstellungen, Kulturveranstaltungen und private Hochzeitsgesellschaften abhalten. Die öffentliche Zugänglichkeit des Schlossareals wurde beim Kauf vertraglich abgesichert, bisher hat es diese Garantie nicht gegeben.

So sehen es Kirche und Stadt
Oberkirchenrat Stefan Werner (Liegenschaft und Bau) begrüßte die Einigung mit dem Investor. Sie biete "Perspektiven für alle" und beziehe alle Nutzer ein. Er bedauerte den Verkauf der "wunderschönen Anlage", verteidigte sie aber als Notwendigkeit für die Kirche. Es gebe dennoch ein gutes Gefühl, denn Kai Flenders Konzept "hat am meisten überzeugt". Einen Eigentümer, der eine "private Residenz" aus Schloss Beuggen mache, wolle die Kirche nicht. Ähnlich äußerte sich OB Klaus Eberhardt, der Beuggen als "ganz besonderen Ort für die Stadt" bezeichnete. Die Schenkungsurkunden seien juristisch geprüft, so dass die Stadt ihre Forderungen an den "Dreiklang" Denkmalschutz, kirchlicher Ort und Öffentlichkeit erfüllt sehe, da der Investor den Geist des Ortes erfasse. Der Besitzerwechsel schlage somit eine neue Seite im langen Geschichtsbuch von Schloss Beuggen auf.
Infobox: Schloss Beuggen

In der Anlage, die im ältesten Teil auf den Deutschen Orden (1246 bis 1806) zurückgeht, befinden sich verschiedene bauliche Anlagen: das alte Schloss, die Firmarie, der Storchenturm, Säckinger Tor, Kapitelhaus, doppelter Wall, im Zentrum das neue Schloss (mit Tagungsbetrieb), Schlosskirche, Bogenhalle, Stall, Zehntscheune und Schütte (Kommunität), Mühle und Ringmauer. Die Gebäude sind dabei im Halbrund zum Thein angeordnete, was dem Kulturdenkmal besondere Atmosphäre gibt.

Einen Sitz haben folgende landeskirchlichen Institutionen: Tagungsstätte mit Hotel, Erwachsenenbildung, Mission und Ökumene, Haus der Kirchenmusik und als unabhängige Einrichtungen: Kommunität, Tüllinger Höhe.

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