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20. August 2010 08:57 Uhr

Personalentwicklung

Diversity Management: Geldwerte Vielfalt

Der Nutzen gemischter Belegschaften ist nachgewiesen, aber deutsche Unternehmen tun sich schwer. Deshalb verwundert es nicht, dass hauptsächlich ausländische Firmen in ihren deutschen Niederlassungen positiv auffallen.

  1. Die Frau in der Mitte – ein seltenes Bild in deutschen Unternehmen. Foto: Fotolia.com - 12foto.de

Wenn ein Chef von Diversity-Management redet, meint er nichts anderes, als dass er darauf achtet, dass seine Belegschaft gut gemischt ist – was das Geschlecht angeht, die Herkunft, die Ausbildung, das Alter. Das lohnt sich für das Unternehmen.

Forscher haben zum Beispiel nachgewiesen, dass gemischte Teams aus Männern und Frauen effektiver zusammenarbeiten als reine Männerclubs. Das haben die US-Frauenorganisation Catalyst und die Unternehmensberatung McKinsey gezeigt. Catalyst untersuchte die 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA. Die Unternehmensberater von McKinsey verglichen die 89 europäischen Aktiengesellschaften, die die meisten Frauen in den höchsten Managementebenen hatten, mit dem durchschnittlichen Abschneiden gleich großer AGs. Ergebnis: Unternehmen mit mehr Frauen in den Spitzenpositionen erwirtschaften höhere Gewinne und ihr Erfolg ist dauerhafter. Die Eigenkapitalrendite der US-Firmen mit dem höheren Frauenanteil lag um 53 Prozent höher als die von Unternehmen ohne Frauen im Vorstand.

Bei den europäischen Unternehmen kamen diejenigen mit den meisten Frauen in der Chefetage auf einen Gewinn, der 48 Prozent über dem Schnitt lag. Allerdings: Damit sich der Frauenanteil tatsächlich in der Rendite bemerkbar macht, müssen mindestens ein Drittel der Vorstandsmitglieder Frauen sein.

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Die Nachhaltigkeit zeigt sich auch bei Unternehmensneugründungen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat 30 000 neu gegründete österreichische Unternehmen untersucht. Erhöht ein Arbeitgeber den Anteil weiblicher Kräfte in seiner Belegschaft um zehn Prozentpunkte, reduziere sich die Wahrscheinlichkeit einer Pleite um die Hälfte, so das RWI.

Inwieweit man solchen Zahlen im Detail glauben mag oder nicht – allein die Logik spricht für Diversity-Strategien. Wie sollen Unternehmen höchst unterschiedliche Kunden, deren Qualitätsansprüche und die sich rasch wandelnden Bedürfnisse befriedigen, wenn sie auf Gleichförmigkeit im eigenen Haus setzen?

Mit Diversity-Marketing lassen sich neue Kundengruppen definieren. Andere Sichtweisen bringen andere Ideen hervor, also letztlich neue Produkte und neue Vertriebswege. Mehr Frauen an entscheidender Stelle – dies ist allein deswegen sinnvoll, weil wegen der noch immer dominierenden konservativen Arbeitsteilung in vielen Familien die Frauen häufiger die Kaufentscheidungen treffen. Sie sind für 70 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage verantwortlich.

Außerdem begreift jeder umsichtige Personaler, dass der Kampf um die Fachkräfte in Zukunft noch stärker ein Kampf um die Frauen sein wird. Mehr Frauen als Männer schließen heute ein Hochschulstudium ab. Die Unternehmen wie die gesamte Volkswirtschaft werden es sich in Zukunft nicht mehr leisten können, diesen Schatz nicht zu heben.

Was Frauen in Spitzenpositionen betrifft, so hinkt die Bundesrepublik allerdings international noch hinterher. Der Frauenanteil im Topmanagement der 100 umsatzstärksten Unternehmen beträgt gerade 0,9 Prozent, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jüngst mitteilte. In den Aufsichtsräten der 100 größten Firmen stieg der Frauenanteil im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 10,1 Prozent. " Die weiblichen Aufsichtsratsmitglieder werden allerdings überwiegend von den Arbeitnehmern gestellt", erklärt DIW-Expertin Elke Holst. In Deutschland seien nur 20 Prozent aller Teamleiterposten von Frauen besetzt. Vorreiter sind innerhalb Europas demnach Schweden, England und Polen.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass hauptsächlich ausländische Firmen in ihren deutschen Niederlassungen positiv auffallen. Das schwedische Möbelhaus Ikea gilt als Musterbeispiel. Bei Microsoft Deutschland sind fünf von 13 Geschäftsführern und 70 Prozent der Trainees weiblich. In vielen deutschen Unternehmen dagegen stoßen Frauen bereits auf der mittleren Führungsebene an die sogenannte gläserne Decke. Zumindest einige große deutsche Unternehmen haben angekündigt, umzusteuern. Bis Ende 2015 will die Telekom 30 Prozent der mittleren und oberen Führungspositionen mit Frauen besetzt haben. Daimler-Chef Dieter Zetsche kündigte 2006 an, bis 2020 jede fünfte Führungsposition mit einer Frau besetzen zu wollen. Dass den Worten tatsächlich Taten folgen – darüber wacht beim Autobauer ein eigens eingerichtetes "Global Diversity Office".

Autor: Dominik Haubner