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10. November 2011

Jandra und Tony sind im Hospiz gern gesehen

Gerlinge Böhringer schaut mit ihren beiden Hunden regelmäßig im Lörrach-Stettener Hospiz am Buck vorbei und erfreut so viele Bewohner.

  1. Gerlinde Böhringer mit ihren Hunden Jandra und Tony Foto: Petra Wunderle

NORDSCHWABEN. Seit sechs Jahren sind sie Familienmitglieder: Jandra und Tony. In Andalusien lebten sie auf der Straße, sie entkamen dank der Hilfe der Tierschutzorganisation "Arme Pfoten" einer Tötungsstation. Über Hannelore Nuß, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rheinfelden, kamen die Hunde nach Nordschwaben. Gerlinde Böhringer und ihrer beiden Töchter machten aus den einst misstrauischen, eingeschüchterten Tieren sozialisierte Familienmitglieder. Als "Besuchshunde" bringen sie im Hospiz am Buck sogar Bewohnern Freude und Leben ans Bett.

Gerlinde Böhringer hat ein großes Herz für Tiere, sie beherbergt verletzte Vögel, lässt Igel überwintern. Im idyllischen Garten mit zwei Teichen fühlen sich Mensch, Tier und Pflanzen im Einklang mit der Natur wohl. Viel Liebe gibt die Familie den Tieren und mit den beiden Hunden Jandra und Tony besucht Gerlinde Böhringer noch immer regelmäßig die Hundeschule Greiner in Ötlingen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, aus den verängstigten Hunden sind zwei fröhliche Gefährten geworden. Tony und Jandra sind zwar nach wie vor vorsichtig, wenn Besuch das Heim an der Lichsenstraße betritt, aber sie sind längst nicht mehr verängstigt. Neugierig begutachten die Vierbeiner alle Zweibeiner und mit respektvollem Abstand verfolgen sie es, wenn ihre Hundehalterin mit Freunden und Bekannten im Garten oder in der gemütlichen Wohnung sitzt und plaudert.

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Vor ein paar Monaten hat Gerlinde Böhringer damit begonnen, Jandra und Tony mit in die Hospizeinrichtung in Lörrach zu nehmen. Einmal in der Woche besucht das Trio Menschen, die dem Tod nahe sind. "Ich gehe ins Haus und bringe mit den Tieren all jenen Hospizgästen, die Hunde mögen, ein bisschen Abwechslung, ja Freude und Leben ans Sterbebett", erzählt die Buchhalterin.

Die zwei Tiere aus der Familie der spanischen Hirtenhunde sind frei von jeglicher Aggression und sie haben bei den Besuchen keinerlei antrainierte Aufgaben zu erfüllen. Sie gehen ohne Leistungsdruck zu den Menschen in der sozialen Einrichtung in Lörrach-Stetten. Dabei weiß Gerlinde Böhringer aus eigener Anschauung, dass Tiere die Herzen der Menschen öffnen und sie bedingungslos ihre Liebe geben. Wenn die Hundehalterin von ihren Erfahrungen mit den Besuchshunden berichtet, dann ist sie zu Recht stolz: "Plötzlich, wenn Tony und Jandra das Zimmer betreten, dann leuchten die Augen der Insassen. Sie werden hellwach und man spürt, wie sehr sie den Besuch wahrnehmen." Gerlinde Böhringer drückt es unspektakulär und doch vielsagend aus: "Es sind beeindruckende Szenen, diese Tiere spüren viel mehr als wir ahnen."

Besonders beeindruckend war die Begegnung mit einem Mann, der dem Hundebesuch anfangs skeptisch gegenüberstand. "Die Hunde setzten sich ruhig neben das Bett, der Mann fand eine tiefe Ruhe beim Betrachten von Jandra und Tony. Am Schluss sagte er: "Früher war ich ein Hundehasser, früher hätte ich sie aus meinem Garten gejagt, heute würde ich sie mit einem Leckerbissen willkommen heißen." Das war für Gerlinde Böhringer das größte und schönste Kompliment.

Wünschen Hospizgäste keinen Besuch von den Hunden, wird das selbstverständlich akzeptiert. Gerlinde Böhringer, deren Lebensmotto die Achtung vor jeder Kreatur und jedem Menschen ist, ist Gründungsmitglied des Förderkreises Hospiz am Buck und für die Buchhaltung des Hospizladens in Stetten zuständig.

Sie steht noch mitten im Arbeitsleben und neben ihrer Tätigkeit als Buchhalterin im Hospizladen bietet sie in ihrem "Paradies", wie sie sagt, in Nordschwaben Seminare und Meditationen zur Entspannung und Selbstfindung an. Wenn sie einmal pensioniert sein wird, kann sich die engagierte Frau gut vorstellen, mit ihren Hunden auch andere Menschen in sozialen Einrichtungen, wie Altenheime, zu besuchen.

Autor: Petra Wunderle