Klaviertage fürs Ohr und fürs Auge

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 11. Juni 2018

Rheinfelden

Drei Lehrer und sieben Schüler der Musikschule luden die Zuhörer zu einem gelungenen Experiment ein / Fortsetzung am Mittwoch.

RHEINFELDEN. Eine farbenreiche und stimmungsvolle Klang- und Bilderreise gab es zum Auftakt der dritten Klaviertage der Musikschule Rheinfelden. Drei Lehrer und sieben Schüler um den Fachbereichsleiter Carl-Martin Buttgereit hatten sich als Experiment etwas Außergewöhnliches ausgedacht. Im abgedunkelten Orffsaal zogen Bildprojektionen am Auge der Zuhörer vorbei, während sich hinter ihrem Rücken die Klavierspieler am Flügel abwechselten und passende Stücke und Klangimpressionen zu ausgewählten Fotografien von Matthias Haller spielten.

Durch das Zusammenspiel von Bild, Licht und Ton wurde eine poetische, träumerische Atmosphäre gezaubert, in der die Besucher abtauchen und entspannen konnten. Matthias Haller, ein Klavierschüler von Buttgereit, der leidenschaftlich gern fotografiert, stellte wunderschöne atmosphärische Naturaufnahmen zur Verfügung: Impressionen von Wäldern, Tälern im Nebel oder im Mondschein, Winter- und Frühlingslandschaften, blühende Wiesen, Bäume in Herbstfarben, Abendrot, Wasserfälle, Felsen, schneebedeckte Flächen, Eiszapfen, Wasserspiegelungen, Meer, Wolken, Seen oder Eindrücke aus bergigen Gefilden.

Diese Naturstimmungen griffen die Pianistinnen und Pianisten bei einem Streifzug durch die Jahreszeiten auf. Zu den Winterbildern von Schneelandschaften und Eis spielte Carl-Martin Buttgereit feinfühlig in zarten Nuancen lyrische Stücke von Schumann und Debussy. In Schumanns "Vogel als Prophet" kündigte sich zum Bild eines Vogels auf einem Zweig das Aufblühen des Frühlings im perlenden, leichthändig beschwingten Spiel an.

Die Klangmalereien am Flügel waren eng verwoben mit den Fotoimpressionen, etwa in einem eigenen Stück von Lucio Cortazzo, der auch mit klangschönem Chopin-Spiel aufhorchen ließ. Zusammen mit dem Geigenschüler Niko Kassubek führte Johannes Wieligmann zu einem idyllischen Flussbild den Donauwalzer von Strauß auf.

Unter den beteiligten Klavierschülern waren auch die drei Geschwister Haller: Der Jüngste, Dominik Haller, gefiel mit schwungvollem Spiel im "Fröhlichen Landmann" von Schumann. Die ältere Schwester Elisabeth zeigte ihr spieltechnisch hervorragendes Klaviertalent in Stücken von Chopin, Bach und in dem höchst effektvoll, rhythmisch akzentuiert und mit perkussivem Anschlag auf die Tasten gelegten "Ostinato" von Bartók, passend zur spektakulären Fotografie von einem Blitz über der Landschaft. Bruder Matthias Haller, der die Fotoideen lieferte, beeindruckte mit mächtig auftrumpfendem, vollgriffigem und wirkungsvollem Spiel in einem Rachmaninow-Prelude.

Nach diesen dramatischen Episoden ging es ins Land der Träume und Imaginationen mit einem von Paul Spitz einfühlsam gespielten meditativ-träumerischen Stück von Ludovico Einaudi zu Meeres- und Wolkenbildern. Lehrerin Myrta Bauer führte in ihrer Eigenkomposition "Auf Adlers Flügeln" zum Bild eines Vogelflugs am Himmel in die endlosen Weiten der Lüfte. Mit dem poetischen Klangzauber und sanften Mondlichtglanz von Debussys "Claire de Lune" beendete Joseph Nykiel diese traumhaften Klang- und Bildimpressionen.

Die Klaviertage an der Musikschule werden am Mittwoch, 13. Juni, 19 Uhr, mit "Klavierhits" im Orffsaal fortgesetzt.