Kneippen im Kindergarten

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Di, 11. Januar 2011

Rheinfelden

In Minseln wird künftig das Gesundheitskonzept des bayrischen Priesters umgesetzt.

RHEINFELDEN. Den Minselner Kindern machen ihre Großeltern bald nichts mehr vor in Sachen Kneippen. Der katholische Kindergarten St. Elisabeth startete gestern als erste südbadische Einrichtung südlich von Bad Peterstal/Ortenau damit, sich am Kneipp'schen Gesundheitskonzept zu orientieren – "Uhhh, ist das kalt", stellten die Kleinen bei ihrer ersten Berührung damit, dem Wasserarmbad, fest. Sie ließen sich aber zur Freude der Präsidentin des Kneipp-Bundesverbands, Marion Caspers-Merck, vom ersten Eindruck nicht abschrecken.

Bereits 280 Kindergärten folgen den fünf Kneipp-Grundsätzen, die der Minselner Kindergartenleiterin Nadja Bausch bereits vor der von der Krankenkasse IKK classic und dem Lörracher Kneipp-Verein mit jeweils 500 Euro bezuschussten Ausbildung der Erzieherinnen vertraut waren. Bausch war bereits Kneipp-, Gesundheits- und Ernährungsberaterin, als sie im vergangenen Frühjahr vom Engagement in den Kindergärten nach der Lehre des 1897 gestorbenen bayrischen Priesters Sebastian Kneipp erfuhr, und bewarb sich dafür. "Die Chance ergriff ich gerne." Bausch hob hervor, dass alle neun Erzieherinnen sich ausbilden ließen. Nur mindestens die Hälfte müssen dies, um später die Zertifizierung der Sebastian-Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen/Bayern zu erhalten.

Diese möchte Bausch im Jahr 2012 beantragen. Wie bereits bei der Ausbildung bekommen die Minselner dann Besuch aus Bayern. Die Leiterin verspricht sich von der Umsetzung des Konzepts eine effektive gesundheitliche Prävention für die Kinder, "die auch eine Lebenserfahrung machen". Die Eltern hätten sich bei der Vorstellung der Idee als sehr aufgeschlossen gezeigt, bei einem Elternabend am Dienstag, 18. Januar, werden sie umfassend darüber informiert werden.

Den gesundheitlichen Nutzen unterstrich auch Caspers-Merck: Erwiesenermaßen gäbe es in Kindergärten mit dem Kneipp-Konzept weniger Infektionskrankheiten. "Es stärkt das Immunsystem." Vier Schulen in Bayern und ein Pflegeheim sind dem Konzept des 160 000 Mitglieder zählenden Bunds angeschlossen. Caspers-Merck räumte ein, der Lörracher Verein habe bis vor kurzem auf der Kippe gestanden. "Deshalb freue ich mich, dass wir mit dem Vorsitzenden Alfred Metzenroth und Schatzmeisterin Clivia von Hopffgarten zwei neue Mitarbeiter gefunden haben." Sie wolle das alte europäische Heilkonzept wiederbeleben und den Kneipp-Bund "entstauben und zukunftssicher machen". Der Lörracher IKK-Geschäftsführer Jürgen Vogt lobte die Vorbeugung: "Lieber nasse Füße am Bach als virtuelles Plätschern am Bildschirm."

Die Kneipp'schen Grundsätze fließen in den Wochenplan der Kinder ein: Wasseranwendungen, Ernährung, Heilkräuter, Bewegung und Lebensordnung, an die man sich laut Bausch erst später heranwagen werde, eventuell mit Yoga und Meditation. Ernährung, Bewegung und Kräuter waren schon Bestandteile des Kindergartenkonzepts.