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05. Oktober 2011

Langsamer, aber stetiger Wandel

Rosenapotheke feiert Jubiläum: Seit 50 Jahren versorgen erst die Staufenbiels und nun die Giesbachs ihre Kunden.

  1. Alte und neue Besitzer der Rosenapotheke: Wilhelm (von links) und Barbara Staufenbiel, Jutta und Nicolas Gießbach Foto: Bianca Fritz

RHEINFELDEN. Seit 50 Jahren schon versorgt die Rosenapotheke am Oberrheinplatz ihre Kunden mit Medikamenten und Kosmetik. Zum Jubiläum blickt das Apothekerpaar Jutta und Nicolas Gießbach mit den früheren Besitzern Wilhelm und Barbara Staufenbiel zurück. Allein in den vergangenen 20 Jahren hat sich viel verändert im Apothekerdasein.

Wenn vom kommenden Montag an die Rosenapotheke ihre Jubiläumswoche feiert, wird auch Hildegard Staufenbiel immer wieder vorbeisehen. Die heute 88-jährige hat die Apotheke 1961 eröffnet und bis 1991 als Filialleiterin geführt. Schon in den 70er Jahren half ihr Neffe Wilhelm Staufenbiel mit. 1991 ging die Apotheke in den Besitz des ehemaligen Pächters der Löwenapotheke über. Bis 2007 leitete Staufenbiel die Rosenapotheke – ab 2002 auch mit seiner Frau Barbara. Vor vier Jahren kauften die heutigen Besitzer, Jutta und Nicolas Gießbach aus Freiburg, die Rosenapotheke.

Ein solcher Besitzerwechsel ist stets ein kritischer Moment: Viele Kunden haben jahrelang ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Apotheker aufgebaut. Ehepaar Gießbach löste es geschickt, indem sie nicht nur den gesamten, heute zehnköpfigen Mitarbeiterstamm übernahmen, sondern auch eine Freundschaft zu Staufenbiels aufbauten und die ehemaligen Besitzer verpflichteten, ihre Urlaubsvertretung zu übernehmen. So sieht es für den Kunden manchmal sogar so aus, als wäre alles beim Alten. "Ich bin überrascht, wie viele uns noch erkennen und sich freuen", sagt Wilhelm Staufenbiel.

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Neu einlernen müssen sich Staufenbiels nicht mehr, wenn sie als Urlaubsvertretung einspringen. Obwohl inzwischen in der Rosenapotheke vieles anders läuft als vor 50 Jahren, finden die Veränderungen doch langsam und stetig statt. Zum Beispiel die Sache mit den Rabattverträgen. Waren die Apotheker früher noch recht frei bei der Auswahl des Präparats, so lange der Wirkstoff stimmte, müssen sie sich heute an die Vorgaben der Krankenkasse des Patienten halten.

Mitunter arbeiten Krankenkassen für jeden Wirkstoff mit einer anderen Pharmafirma zusammen und ändern ihre bevorzugten Produkte manchmal monatlich. Für den Apotheker heißt das: "Viel in den Bildschirm schauen – und trotzdem nicht den Kontakt zum Kunden verlieren", sagt Nicolas Gießbach. Gerade ältere Kunden seien außerdem oft verunsichert, wenn ihr Medikament ständig in einer anderen Packung daher komme. "Der Apotheker ist stark gefordert, weil er viel erklären muss. Außerdem sind die monatlichen Software-Updates teuer und auch das Lager muss viel häufiger neu bestückt werden", sagt Jutta Gießbach.

Zudem hat die Apotheke vor Ort im Internet Konkurrenz bekommen. Während Wilhelm Staufenbiel noch überzeugt ist, dass die Apotheke zumindest in kleinen Städten so etwas wie "der letzte Tante-Emma-Laden" ist, bei dem es auf den persönlichen Kontakt ankommt, nehmen seine Nachfolger die Konkurrenz durchaus ernst: "Das ist eine schleichende Entwicklung. Es kommen Kunden in die Apotheke, lassen sich beraten und winken dann ab, wenn der Preis genannt wird, weil sie es im Internet billiger bekommen", sagt Nicolas Gießbach.

Den Preisunterschied erklären die Besitzer mit den unterschiedlichen Auflagen fürs Versand- gegenüber dem Vor-Ort-Geschäft. Außerdem entfällt im Internet so mancher Service. "2500 Kunden nutzen in Rheinfelden unsere Kundenkarte – so können wir sie zum Beispiel darauf aufmerksam machen, wenn ihre Medikamente in Wechselwirkung mit zuvor Bestelltem stehen", hebt Jutta Gießbach hervor.

Die Arbeit der Apotheker ist also intensiver und technisierter geworden, die Konkurrenz größer. Zahlt sich das immer noch aus? Sind Apothekenbesitzer reiche Leute? Jutta Gießbach lächelt milde und zieht ein Prospekt zur Hilfe: Darauf ist ein appetitlicher Kuchen zu sehen, der die Gewinnmarge veranschaulicht. Bei einem Medikamentenpreis von 100 Euro gehen demnach 8,59 Euro an den Apotheker. "Klar, kann man noch gut davon leben, wenn man seine Apotheke gut führt", sagen alle vier Apotheker. "Aber aufgrund gestiegener Kosten und gesunkener Gewinnmargen wird das immer härter – insbesondere für kleinere Apotheken", fügen Gießbachs hinzu.

Mehr zur Jubiläumsfeier der Rosenapotheke finden Sie im Internet unter http://www.rosenapotheke-rheinfelden.de.

Autor: Bianca Fritz