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06. Oktober 2009

"Lehrer zu sein, wird immer spannender"

BZ-Umfrage unter Rheinfelder Schulleitern am Weltlehrertag: Würden Sie sich mit der Erfahrung von heute noch einmal für den gleichen Beruf entscheiden?

  1. Margarete Hundorf Foto: Ralf H. Dorweiler

  2. Klaus Weber Foto: Privat

  3. Rolf Dockweiler Foto: privat

  4. Hubert Wischnewski Foto: Christoph Spangenberg

  5. Karlfrieder Schmidt Foto: Pascal Waldszus

RHEINFELDEN. Überfüllte Klassen, schlechte Pisa-Ergebnisse und immer wieder Kritik – der Beruf des Lehrers ist nicht leichter geworden im Laufe der Zeit. Am gestrigen Weltlehrertag fragte Arne Bensiek Rheinfelder Schulleiter, ob sie ihren Beruf heute noch einmal ergreifen würden und was sie sich für ihren Berufsstand wünschen.

Margarete Hundorf (Dinkelbergschule): Natürlich gibt es für Lehrer frustrierende Momente. Trotzdem bin ich gerne Lehrerin und würde es auch noch einmal werden, wenn ich vor der Entscheidung stünde. Es ist schade, dass Lehrer in der Gesellschaft nur als Halbtagsarbeiter gelten. Und immer wenn irgendetwas bei den Kindern oder Jugendlichen nicht funktioniert, sind die Lehrer schuld oder sollen es richten. Für die erzieherische Leistung von uns Pädagogen wünsche ich mir mehr Anerkennung.

Karlfrieder Schmidt (Schillerschule): Ich würde sofort wieder Lehrer werden, auch wenn immer mehr auf uns einströmt. Es geht heute weniger als früher ums Unterrichten, sondern mehr ums Erziehen. Viele Lehrer engagieren sich über das gewöhnliche Maß hinaus. Dennoch hat gleichzeitig die Kritik an uns zugenommen. Ganz viele Eltern sind heute überkritisch. Alle sind sie selbst zur Schule gegangen und halten sich deshalb für Schulspezialisten. Von dem, was heute in den Schulen passiert, haben viele aber keine Ahnung. Früher haben Schüler nach einer Dummheit ihren Lehrer angefleht: Bitte sagen Sie es nicht meinem Vater! Heute verlangen die Eltern mitunter, dass man ihnen die Verfehlung ihres Kindes erst einmal nachweist. Ich wünsche mir für die Schulen insgesamt mehr Ruhe und mehr Zeit für Lehrer und Schüler. Das kostet Geld. Aber Bildung darf nicht als Kostenfaktor gesehen werden.

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Hubert Wischnewski (Georg-Büchner-Gymnasium): Die Arbeit mit jungen Leuten macht mir immer noch großen Spaß, auch wenn ich als Schulleiter heute weniger unterrichte als früher. Die Gesellschaft würdigt unsere Arbeit als Lehrer mittlerweile auch wieder mehr. In den vergangenen Jahren hat ein Umdenken stattgefunden: Die Menschen sehen wieder, wie sehr der Lehrerberuf fordert.

Rolf Dockweiler (Scheffelschule): Die Anforderungen an uns Lehrer werden immer größer. Man muss viel mehr können, als das, was man im Studium gelernt hat. Gleichzeitig halte ich Hauptschullehrer für unterbezahlt und ihre Arbeit weder vom Staat noch von der Gesellschaft ausreichend gewürdigt. Eine bessere finanzielle Unterstützung für die Schulen würde Lehrern die Arbeit erleichtern und ruhigere Verhältnisse schaffen. Stattdessen gibt es immer wieder neue Baustellen, wenn die alten noch nicht einmal geschlossen sind.

Klaus Weber (Christian-Heinrich Zeller-Schule): Ob ich nochmal Lehrer werden würde? Oh, eine schwierige Frage. Ich würde sagen: ja. Meine prinzipielle Motivation ist es, soziale Arbeit zu leisten. Das ist eine Grundeinstellung, die sicher mit meiner eigenen Erziehung zu tun hat. Natürlich ist unsere Situation als Lehrer nicht immer leicht, weil wir in der Öffentlichkeit und in den Medien viel gescholten werden. Jeder Lehrer sollte sich aber fragen: Welche Kritik ist wirklich real, das heißt, vor Ort? Meist sind die Schüler und Eltern viel zufriedener als es uns die öffentlich verbreitete Meinung glauben machen will.

Rudolf Schick (Eichendorffschule): Ich bin sehr zufrieden mit meiner Berufswahl. Lehrer zu sein, ist eine Aufgabe, die immer spannender wird. Wer bereit ist, lebenslang dazuzulernen und nicht nur Inhalte aus dem Studium verbreiten will, findet für diesen Beruf auch genug Motivation. Einzig das Bild des Lehrers in der Öffentlichkeit gefällt mir nicht: Viel Ferien und Halbtagsunterricht – nur wenige sehen, wie anstrengend und anspruchsvoll diese Arbeit in Wirklichkeit ist. Die meisten denken an ihre eigene Schulzeit zurück und bewerten die Arbeit der Lehrer aus der lockeren Haltung und Perspektive eines Schülers von damals. Deshalb fehlt es bei vielen auch an Respekt und Anerkennung für die tägliche Arbeit der Lehrer.

Carmen Kromer (Goetheschule): Schüler lernen zu sehen, und diesen Prozess zu gestalten, gefällt mir sehr. Ich würde sofort wieder Lehrerin werden. Wir erfahren heute leider nicht mehr eine ähnliche Wertschätzung wie früher – da war der Lehrer angesehen wie der Pfarrer. Dabei müssen wir heute all das leisten, was in den Familien nicht passiert. Lob dafür gibt es nicht. Höchstens Kritik, wenn etwas mal nicht funktioniert. Mehr Unterstützung von den Eltern würde unsere Arbeit erleichtern.

Autor: abe