Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. November 2008

Leserbriefe

KKH Rheinfelden

Mutwillig in den

Dreck gefahren

Leserbrief zum Artikel: Notoperation für die Innere Abteilung vom 21. November 2008
Mit Grauen habe ich den Artikel über die Zukunft des KKH Rheinfelden gelesen. Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Die Darstellung der Geschäftsführung, dass die Nichtbesetzung der internistischen Chefarztstelle einen Beitrag zum Erhalt aller drei Klinikstandorte ist, gleicht einer bodenlosen Unverschämtheit. Wenn man die Historie des KKH der letzten Jahre Revue passieren lässt, jagt es mir einen Schauer über den Rücken. Nach Schließung der Chirurgie, Schließung der Küche, Schließung des Labors, Streichung des Bereitschaftsdienstes der Anästhesie, Nichtbesetzung der vakanten Stelle des hochkompetenten Verwaltungsleiters, Kündigung der orthopädischen Chefärztin etc., soll jetzt die Chefarztstelle der inneren Abteilung nicht mehr besetzt werden. Auch für die weitere Betreuung der Rheumapatienten im Landkreis gibt es keinerlei Konzept. Die im Artikel erwähnten geplanten Maßnahmen strotzen vor Hilflosigkeit.

Werbung


Entgegen der Darstellung von Herrn Albrecht ist die stationäre Versorgung der Bevölkerung eben jetzt schon nicht immer gesichert (was zahlreiche Beispiele verdeutlichen) und wird es in Zukunft noch viel weniger sein. Auch das Personal im KKH Lörrach arbeitet mit dem Rücken zur Wand. Scheinheilig wird das Problem der Gesundheitspolitik angelastet, dabei ist es so, dass qualifiziertes Pflegepersonal natürlich über Datamed zu schlechten finanziellen Bedingungen und mit befristeten Arbeitsverträgen nicht zu bekommen ist. Wenn die Arbeitsbedingungen in Grenznähe nicht stimmen, eben zweimal nicht.

In Wirklichkeit geht es nur noch um Fallpauschalen und nicht mehr um Menschen. In egoistischer Sichtweise werden aus rein wirtschaftlichen Gründen Patienten immer früher mit den Worten "den Rest macht dann der Hausarzt" entlassen. Dies kann von den niedergelassen Ärzten aber nur begrenzt geleistet werden.

Wenn immer mehr Patienten sich z.B. ihre Gelenke trotz guter medizinischer Qualität nicht mehr in Rheinfelden operieren lassen, weil die Versorgung nach der OP nicht mehr gewährleistet ist, sind hier klar die Folgen des Missmanagements zu erkennen. Da es sich hier meistens um Wahleingriffe handelt, kann der mündige Patient sich ja eine andere Klinik aussuchen, wie es zunehmend praktisch auch passiert.

Existenziell bedrohlich wird es für die Rheinfelder Bevölkerung jedoch wenn jetzt die innere Abteilung praktisch kurz vor der Schließung steht und der Träger dies mit insuffizienten Personalentscheidungen noch forciert. Der Krankenhausträger hat aus meiner Sicht das ehemalige Flaggschiff und betriebswirtschaftlich am besten geführte Haus der GmbH mutwillig in den Dreck gefahren.

Wenn man sieht, wie andere Kliniken, wie z.B. Bad Säckingen, Mülheim, Breisach etc. am Gesundheitsmarkt bestehen, ist es für mich klar ersichtlich das hier Geschäftsführung und die politischen Entscheidungsträger in höchstem Masse versagt haben.

Sicherlich wird man in kürzester Zeit über eine Schließung der kleinen Häuser im Landkreis nachdenken, da sie sich ja dann finanziell nicht mehr halten lassen werden. Daran ist dann aber auch die große Gesundheitspolitik Schuld und der "Lörracher Weg" wird seinem Namen gerecht: Es wird nur noch eine Lörracher Klinik geben. Anders lautende Stellungnahmen des Krankenhausträgers würde ich als Lehre aus der Vergangenheit sehr kritisch beleuchten, da man in der Vergangenheit einen sehr lockeren Umgang mit der Wahrheit pflegte.

Dr. med. Wolfgang RütschlinRheinfelden

Autor: bz