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21. September 2015

Menschen verhalten sich so, wie man sie behandelt

Die Informationsausstellung "Asyl ist Menschenrecht" von Pro Asyl ist bis zum 7. Oktober im Foyer der VHS zu sehen.

  1. Tchabouka Beraia, georgischer Arzt, sorgte für herausragende musikalische Zwischenspiele. Foto: Sarah Nöltner

RHEINFELDEN. Die Ausstellung "Asyl ist Menschenrecht", die von der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl zusammengestellt wurde und bereits in vielen anderen Städten zu sehen war, ist bis Anfang Oktober im Foyer der Volkshochschule zu sehen. Am Samstag fand die Eröffnung der Informationsausstellung statt. Gezeigt werden 26 Plakate, auf denen Statements, Fotografien und viele Zahlen und Fakten (zum Teil aufgrund der tagesaktuellen Entwicklungen bereits nicht mehr aktuell) über Flüchtlinge, Fluchtgründe und Asyl erklärt werden.

VHS Leiterin Gaby Dolabdjian begrüßte die etwa 40 Besucher (unter ihnen einige, die momentan in der Gemeinschaftsunterkunft wohnen) zu dieser ersten Ausstellung im aktuellen VHS-Semester. Thematisch passe diese Ausstellung prima in dieses Semester, in dem der Blick "Von Mensch zu Mensch" im Mittelpunkt stehen solle. Dolabdjian betonte die drängende Aktualität, die die Themen Asyl und Flüchtlinge haben. Sie dankte besonders dem georgischen Arzt und Gitarristen Tchabouka Beraia, der den Abend musikalisch begleitete sowie Zaineb Jasim Ali und Ghade Noura, die für die Eröffnungsbesucher kulinarische Köstlichkeiten aus ihren Heimatländern Irak und Syrien gekocht hatten.

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Dolabdjian, Ruth Götzmann von der Caritas, Jörg Hinderer von der evangelischen Kirche und Bernd Kesper vom Freundeskreis Asyl Rheinfelden hatten Plakate ausgewählt, zu denen sie den Besuchern ihre ganz persönlichen Gedanken mitteilten.

Götzmann forderte dazu auf, die "Stimme zu erheben" für gerechte Asylverfahren, für Frieden, Sicherheit und Abrüstung, gegen Armut und gegen die Ausbeutung der Umwelt. Sie wies darauf hin, dass die Bundesregierung sich vor 30 Jahren zum Ziel gesetzt hat, 0,7 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes in Entwicklungshilfe zu investieren, diese Zahl jedoch noch kein einziges Mal erreicht hat.

Jörg Hinderer wählte ein Plakat mit einem Statement des Journalisten Maximilian Popp aus, das für ihn besonders zur aktuellen Situation passt: "Die Europäische Union hat bislang ihre Grenzen geschützt. Sie sollte beginnen, Menschen zu schützen."

Bernd Kesper erläuterte Zahlen zur Flüchtlingssituation und betonte, dass die Asylverfahren und die Erlaubnis, Arbeit aufzunehmen, oft viel zu lange dauerten.

Bereits Johann Wolfgang von Goethe habe sich mit den Begriffen "Toleranz", "Akzeptanz" und "Duldung" auseinandergesetzt, erzählt Dolabdjian. Goethe habe gesagt, Toleranz sei gut, aber sie müsse sich zu Akzeptanz weiterentwickeln. "Dulden heißt Beleidigen", habe er gesagt, zitierte Dolabdjian. Sie plädierte dafür, die Ankommenden gut zu behandeln und bekräftigte dies mit der Aussage des von ihr gewählten Plakates: "Wir glauben, dass Menschen sich so verhalten, wie man sie behandelt."

Im Anschluss an die offizielle Eröffnung fand in der Cafeteria ein gemütliches Beisammensein mit interkulturellem Austausch bei Musik und orientalischem Essen statt.

Die Ausstellung "Asyl ist Menschenrecht" ist im Foyer der VHS während der Öffnungszeiten bis zum 7. Oktober zu sehen. Am 29. September wird zudem im katholischen Pfarreizentrum St. Josef, Friedrichstraße 32, 19.30 Uhr, der preisgekrönte Film "Neuland" gezeigt. Er handelt von einem Basler Lehrer, der jungen Flüchtlingen in seiner Integrationsklasse beim Ankommen hilft.

Autor: Sarah Nöltner