Musikschule hat viel weniger Zöglinge

Peter Gerigk

Von Peter Gerigk

Di, 28. Juni 2016

Rheinfelden

Norbert Dietrich stellt Breitenarbeit und Vernetzung als besondere Stärke dar / Dieter Burger dankt Stadt für Planungssicherheit.

RHEINFELDEN. Die Musikschule hat zwar gut doppelt so viele Schüler als vor 20 Jahren. Doch mit der Ausbildung der Zöglinge von Musikvereinen tut sie sich zunehmend schwerer. Das führt ihr Leiter Norbert Dietrich vor allem auf die Ganztagsschule zurück. Alfred Winkler (SPD) sieht dort noch genügend Zeit für musischen Unterricht. "Die Musikschule wird sich daran gewöhnen müssen, die Kinder in der Schule abzuholen", dies würden auch andere Vereine zu tun beginnen, sagte er bei der Vorstellung des Sachstandsberichts der Musikschule im Gemeinderat.

Dietrich räumte ein, für Kinder und Jugendliche sei es "schwierig, noch ein Instrument in die Hand zu nehmen", wenn sie gegen 17 Uhr von der Schule heimgekehrt sind. Den Einbruch der Schülerausbildung aus den neun Musikvereinen, mit denen die Musikschule Kooperationen pflegt, erklärte Dietrich aber auch damit, dass mehr Musikvereine es bevorzugen würden, ihre Zöglinge selbst auszubilden. Vergangenes Jahr befanden sich nur noch 61 Schüler aus Musikvereinen in der Musikschule in der Ausbildung, 2013 waren es noch 94 gewesen.

Dafür stieg die Schülerzahl 2016 auf 1526 (2013: 1363). Kooperationen pflegt die Musikschule mit acht Grundschulen und ist an der Goethe- und der Hans-Thoma-Schule in 16 Gruppen mit der Ganztagsbetreuung engagiert. Dietrich betonte, die Musikschule lege ihren Schwerpunkt, abgestimmt mit dem Gemeinderat, auf die Breitenarbeit und Vernetzung in der Stadt. "Das ist unsere Stärke." 599 Kinder in 15 Kindergärten nehmen kostenfrei am Landesförderprogramm Singen-Bewegen-Sprechen teil. Sie betreut vier Bläserklassen an der Gertrud-Luckner-Realschule und zwei an der Christian-Heinrich-Zellerschule in Karsau.

Dankbar für Planungssicherheit
Der Vorsitzende des Vereins Musikschule Dieter Burger versicherte: "Wir haben unsere Finanzsituation sehr gut im Griff." Dank der Zusage des städtischen Zuschusses für fünf Jahre genieße die Musikschule eine komfortable Planungssicherheit und sei in der Lage, auch die Gebühren für fünf Jahre verlässlich festzulegen. Er erklärte, fast alle Einnahmen würden in Personalkosten fließen. 42 Lehrkräfte beschäftigt die Musikschule mit ihren 18 Stellen, 16 davon arbeiten auf Honorarbasis. Sie geben aktuell 597 (2013: 579) Wochenstunden.

Burger widersprach der Annahme, die Stadt Rheinfelden würde die Gemeinden Schwörstadt und Grenzach-Wyhlen quersubventionieren. "In Grenzach-Wyhlen bieten wir nur noch den Unterricht an, der durch den Zuschuss der Gemeinde gedeckt ist." Dies sei mit Bürgermeister Tobias Benz und auch schon mit seinem Vorgänger Jörg Lutz so vereinbart worden. Die vier Schüler aus Schwörstadt würden einen Auswärtigenzuschlag bezahlen. Das vom Land geförderte Angebot Singen-Bewegen-Sprechen, an dem 25 Schüler aus Schwörstadt sich beteiligen, sei für die Musikschule kostenneutral.

Die Stadt Rheinfelden gewährt der Musikschule einen jährlichen Zuschuss von fast 380 000 Euro, die Gemeinde Grenzach-Wyhlen beteiligt sich mit rund 64 000 Euro an den Kosten der Musikschule, der Landkreis mit 17 700 Euro und das Land mit rund 104 000 Euro. Bei den Einnahmen kommen rund 613 000 Euro Schulgeld und rund 98 000 Euro sonstige Summen wie aus Landeszuschüssen für Projekte hinzu.