Neues Programm heißt mehr Raum

Leony Stabla

Von Leony Stabla

Mi, 24. Januar 2018

Rheinfelden

Diplom-Sozialpädagogin Birgitt Kiefer leitet seit Jahresbeginn das Familienzentrum und freut sich über die guten Strukturen.

RHEINFELDEN. Nach langen Monaten, in denen sich die Mitarbeiter des Familienzentrums selbst organisiert haben, weil zwischen dem Abschied der ehemaligen Leiterin Ilona Fritz-Schild und dem Antritt der neuen einige Zeit verstrich, hat Birgitt Kiefer nun im Januar begonnen, die Geschicke der wichtigen sozialen Einrichtung zu lenken. Besonders im Zusammenhalt und Engagement der Mitarbeiter und Besucher sieht sie großes Potenzial für die Zukunft.

Sich ständig auf Neues einzulassen, sei zwar ganz normal in sozialpädagogischen Berufen, doch im Fall ihres Wechsels vom Sozialen Arbeitskreis Lörrach zum Familienzentrum habe dies doch eine ganz andere Intensität, gesteht Birgitt Kiefer.

Schon direkt nach ihrem Studienabschluss vor rund 25 Jahren hat Kiefer beim SAK Lörrach angefangen und hatte noch nie in ihrem Leben die Stelle gewechselt. "Ich hatte einen wirklich tollen Job", erklärt die Diplom-Sozialpädagogin, "aber jetzt, mit über 50, habe ich nachgedacht, wie es mit meinem Leben weitergehen soll, und da ist mir die offene Stelle im Familienzentrum quasi vor die Füße gefallen."

Und mit jedem weiteren Besuch habe sie die Bestätigung bekommen, dass dies der richtige Weg für sie sei, und das nicht nur, weil sie nun mit dem Fahrrad zu Arbeit fahren könne, sagt Kiefer lachend.

Sich selbst beschreibt sie eher als bodenständig, doch wenn sie die Kinder im Nebenraum singen höre, dann bewege sie das auf eine Art, die sie bisher an sich selbst so gar nicht kenne, gibt Kiefer zu. Noch bestehe ihre Arbeit in erster Linie aus Beobachten und Zuhören, denn ihre Aufgaben seien sehr vielschichtig und komplex und sie versuche zuerst, den Geist der Einrichtung aufzunehmen. "Ich muss erst einmal ankommen", erläutert Kiefer und ergänzt, dass es ihr sehr wichtig sei, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, zu erfahren, wer warum welches Angebot nutzt und welche Hoffnungen und Wünsche offen seien, denn nur dann könne man mitgestalten.

Besonders froh ist Kiefer auch über die regelmäßigen Treffen mit der ehemaligen Leiterin des Familienzentrums, Ilona Fritz-Schild, die ihr hilft, ihre neue Stelle mit allen Facetten zu erfassen. Auch der Vorstand des Vereins stehe ihr immer und bei allen Fragen beiseite. "Ich muss den Menschen ja auch die Chance geben, mit mir anzukommen", sagt die 52-Jährige. "Sie wissen ja auch nicht, was auf sie zukommt." Und dabei begeistert Kiefer besonders die Offenheit, die ihr im Familienzentrum entgegengebracht werde. Die ersten Wochen seien sehr positiv verlaufen. Lachend und mit offenen Armen sei sie begrüßt worden und genau darin sehe sie auch sehr viel Potenzial.

"Das Engagement und der Zusammenhalt ermöglicht ein gemeinsames ,In-die-Zukunft-schauen’", sagt sie. Beide Häuser, in Rheinfelden und in Grenzach-Wyhlen, seien ein Garant für ein friedliches Miteinander, bei dem sich Leute kennenlernen und austauschen können. Egal welcher Herkunft, welchen Alters oder welcher Religion. Die Besucher seien die direkte Quelle um zu erfahren, was die Gesellschaft, die Stadt und die Kinder brauchen.

Noch sei ihr Blick in die Zukunft eher vorsichtig, aber auf jeden Fall wolle sie das Programm weiter ausbauen. Ein Vorhaben, das vermutlich mit einer räumlichen Veränderung einhergehen muss. "Die Räume, sowohl in Grenzach-Wyhlen wie auch in Rheinfelden, sind toll", sagt Kiefer, "aber inzwischen geht es an beiden Standorten sehr beengt zu."

Eine Besonderheit des Angebots sei auch die gegenseitige Hilfe der Besucher und die Hilfe zur Selbsthilfe. Kiefer wünscht sich die Möglichkeit, mehr Fachpersonen zu einzelnen Themen einladen zu können, damit Besucher nicht an Institutionen weitergeleitet werden müssen, sondern direkt einen Ansprechpartner finden. "Dafür bräuchten wir aber leider mehr Räume."

Rheinfelden habe aber ein starkes Netzwerk und nun sei es erst einmal wichtig, sich selbst zu positionieren, friedlich zusammenzuwachsen und sich lokalpolitisch einzumischen, indem man immer wieder auf die Zielgruppe aufmerksam mache. Kiefer sagt, es läge ihr am Herzen, dass das Familienzentrum weiterhin eine Plattform sei, wo man die Möglichkeit habe, mitzugestalten und sich auszuprobieren.

Im Familienzentrum verändere sich immer etwas, das hänge aber nicht an ihr als einzelner Person und auch nicht am Vorstand, sondern an den Leuten, die das Angebot besuchen und mitgestalten. "Die steuern das Schiff", sagt Kiefer.

Mehr Informationen unter http://mehr.bz/familienzentrum